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Konfrotationskurs? Webber (l.) und Vettel stehen vor einem richtungsweisenden Rennen © getty

Neue Facette im internen Red-Bull-Duell: Nach seinem Horror-Crash muss der Australier in Silverstone in Vettels altem Auto ran.

Von Julian Meißner

München - Vettel vs. Webber: Das brisante Duell der beiden Red-Bull-Piloten geht am Wochenende in Silverstone (Training, Freitag, 11 Uhr im LIVE-TICKER und LIVE im TV auf SPORT1) in die zehnte Runde.

Noch vor Saisonstart waren sich die Experten darüber einig, dass der junge Deutsche seinen routinierten Teamkollegen wie schon im Vorjahr dominieren würde, doch die Gegenwart zeichnet ein ganz anderes Bild.

Mark Webber ist nicht nur in der Lage, mit Sebastian Vettel mitzuhalten, mit seinem Doppelsieg in Spanien und Monaco riss der Australier sogar das Ruder in der Weltmeisterschaft an sich und setzte Vettel massiv unter Druck.

Spätestens seit dem folgenschweren Crash der beiden WM-Rivalen in Istanbul ist die Hierarchie im Team ein heiß diskutiertes Thema.

"Es steht viel auf dem Spiel"

Webber sagt über seine Beziehung zu Vettel: "Wir streuen uns keinen Zucker in unsere Teetassen, aber das erwartet ja auch kein Mensch. Es steht viel auf dem Spiel. Und wir pushen uns gegenseitig, weil wir selbst erfolgreich sein wollen."

Offiziell gibt es natürlich keine Nummer eins bei Red Bull. Doch Beobachter bringen immer wieder die Meinung ein, dass die Strippenzieher im Rennstall um Energy-Drink-Milliardär Dietrich Mateschitz aus Vermarktungsgründen lieber den frechen Jungsspund als den altbackenen Gentleman als ersten Weltmeister mit dem Stier auf der Brust sehen würden.

Webber der Sündenbock?

Webbers Vertragsverlängerung nur um ein Jahr spricht ebenso dafür wie die geschlossene Rückendeckung für Vettel nach dem Drama von Istanbul.

Obwohl sich der Heppenheimer mit der "Vogel-Geste" in Richtung seines Stallgefährten ziemlich danebenbenahm, blieben öffentliche Ermahnungen aus.

Webber kam nicht ganz so glimpflich davon. "Wenn Mark die Schuld gegeben wurde, dann war es ein Fehler", schlichtete Teamchef Christian Horner später, nachdem Webber in der Nachbetrachtung nicht gut weggekommen war: "Einige Meinungen wurden geäußert, als noch nicht alle Fakten verfügbar waren."

Vettels Gebrauchtwagen wieder im Einsatz

Neueste "Schikane": Webber, für den man laut "BBC" nach dem brutalen Abflug von Valencia eigentlich ein komplett neues Chassis hatte bauen wollen, muss in England im Gebrauchtwagen ran.

Er bekommt das Chassis, das Vettel nach Monaco abgelegt hatte, weil er sich darin nicht wohl fühlte. "Ich habe mich schon in den letzten Rennen darüber beschwert, dass damit etwas nicht stimmt", sagte Vettel damals.

Ein klarer Nachteil also für Webber, der nun die Spätfolgen seines Unfalls ausbaden muss. Denn das Formel-1-Reglement beinhaltet strenge Beschränkungen für den Einsatz der Fahrgestelle.

Mit seinem Übereifer bei dem folgenschweren Manöver gegen Heikki Kovalainen dürfte er zudem intern keine Punkte gesammelt haben.

Silverstone als Wegweiser

Vettel dagegen hat sich nun mit dem souveränen Auftritt beim Europa-Grand-Prix mit Pole-Position und Sieg in der WM-Wertung wieder an Webber vorbeigeschoben und hat neuen Rückenwind.

Auf dem Silverstone Circuit mit seinen schnellen Kurven sind die Red-Bull-Fahrer die Favoriten auf den Sieg und könnten beide einen wichtigen Schritt im WM-Kampf machen - und die Weichen im internen Kampf jeweils zu ihren Gunsten stellen.

Doch das Verhältnis der beiden untereinander hat sich durch die Geschehnisse der letzten Wochen nicht zum Positiven entwickelt.

Immerhin: Sollte Vettel "ins Meer stürzen", so Webber, "dann würde ich ihn nicht ertrinken lassen, sondern ihn natürlich retten. Ich hasse ihn ja nicht."

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