vergrößernverkleinern
Mark Webber (v.) hat nun 128, Sebastian Vettel 121 Punkte auf dem Konto © getty

Red-Bull-Teamchef Christian Horner muss nach dem Silverstone-GP erneut Fehler zugeben. McLaren bohrt in der Wunde des Gegenspielers.

Von Julian Meißner

München - Diesmal fand die Versöhnung am Grill statt. Sebastian Vettel und Mark Webber sprachen sich nach dem spannungsgeladenen Rennen in Silverstone im Garten von Christian Horner aus - in aller Kürze und unter Federführung des Red-Bull-Teamchefs.

Horner hatte seine Crew nach dem zehnten Saison-GP zum Barbecue in sein Heim nahe der Traditionsrennstrecke in Mittelengland eingeladen.

Doch beigelegt sind die Missstimmungen zwischen den beiden WM-Rivalen damit noch lange nicht.

Immerhin: Einen ähnlich schräg inszenierten Friedensgipfel wie nach dem Unfall der beiden Teamkollegen in Istanbul, als sich beide nach einer Aussprache am Teamsitz in Milton Keynes lächelnd ablichten ließen, ersparte man den Streithähnen.

Horner gibt Fehler zu

Doch zum wiederholten Male musste Horner öffentlich einen Fehler der Teamleitung zugeben, nachdem man vor dem Qualifying Webbers neuen, von Adrian Newey konstruierten Frontflügel, an Vettels Auto geschraubt hatte, um den vermeintlich stärkeren Fahrer zu unterstützen.

"Es war eine rein technische Entscheidung, die ich gemeinsam mit Adrian gefällt habe", sagte Horner dem "Daily Telegraph": "Was ich bedauere ist, dass ich keine Zeit hatte, die Angelegenheit mit Mark persönlich vor dem Qualifying zu klären. Ich bin mir sicher, er hätte es verstanden."

Harte Worte von Webber

Webber antwortete bekanntlich auf seine Weise: Er gewann das Rennen von Startplatz zwei. Hinterher ließ der Australier seinem Frust über die Bevorzugung des jungen Kollegen freien Lauf.

"Wenn ich gewusst hätte, dass sich die Dinge so entwickeln, dann hätte ich meinen Vertrag nicht verlängert", ätzte der Australier.

Vettel wählte seine Worte sorgfältig, bekannte in der Nachbetrachtung aber zumindest, dass die Situation nicht optimal ist: "Sicherlich könnten wir zu diesem Zeitpunkt besser dastehen, aber so ist es eben nicht." Er versuche, sich auf sich selbst zu konzentrieren: "Das ist es, was zählt."

Konkurrenz wittert Schwäche

Zur Saisonmitte ist die Stimmung bei Red Bull, dem Team, das aufgrund seiner technischen Dominanz eigentlich die WM anführen sollte, am absoluten Tiefpunkt.

Und die Konkurrenz wittert in den internen Turbulenzen eine große Chance.

"Sie müssen aufhören, sich selbst in den Fuß zu schießen", sagte Mercedes-GP-Geschäftsführer Fry gegenüber "Autosport": "Red Bull muss seine Performance schnell auf die Reihe kriegen. Eigentlich sollten sie viel weiter vorne sein als sie sind. Aber sie schlagen sich selbst - was sehr befriedigend ist für uns."

Aber nicht seine Silberpfeile seien der schärfste Konkurrent, sondern die Briten vom McLaren-Team: "Sie sind unglaublich gut organisiert, ein brillantes Team und haben eine Menge Titel gewonnen", so Fry: "Sie zu schlagen, ist eine große Aufgabe."

Whitmarsh hofft auf weitere Brüche

Bei McLaren gibt man sich zurückhaltend, hat aber die Schwachstelle der "Bullen" natürlich ebenfalls ausgemacht

"Ich weiß nicht, was da passiert", sagte Teamchef Martin Whitmarsh auf die brisante Lage des Rivalen angesprochen: "Wir müssen uns auf unsere Situation konzentrieren."

Doch der Brite mutmaßt: "Ich hoffe, dass es Brüche bei allen unseren Gegnern gibt und sie auseinanderfallen, aber ich werde mich nicht darauf verlassen."

Sein Rezept für den Titel: "Wir müssen unser Auto schneller machen und so die Meisterschaft gewinnen."

"Krieg der Sterne" als Mahnung

Whitmarsh hat bereits die Erfahrung gemacht, eine sicher geglaubte Weltmeisterschaft durch interne Reibereien noch zu verspielen. 2007 bekriegten sich Fernando Alonso und Lewis Hamilton derart, dass am Ende Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen als lachender Dritter dastand. Der Finne wurde Weltmeister, mit einem Punkt Vorsprung.

Diese Gefahr scheint 2010 trotz aller Unkenrufe im Duell der beiden Weltmeister Hamilton und Jenson Button nicht zu drohen.

Hamiltons Seitenhieb in Richtung Red Bull: "Es sieht so aus, als hätten wir mehr Harmonie im Team und würden deshalb beide WM-Wertungen anführen."

Webbers süßester Sieg

"Man muss seine Entscheidungen sorgfältig überdenken", beschreibt Whitmarsh das nötige Fingerspitzengefühl bei der Personalführung: "Rennfahrer sind sehr wetteifernde Individuen. Andernfalls würden sie diesen Job nicht machen. Wenn ihnen dann etwas widerfährt, was nicht gerecht ist, hast du Ärger."

Im Falle Red Bulls geschah genau das. Die Flügelrochade stieß Webber bitter auf: "Ich weiß nicht, ob der Abstand zwischen uns im Qualifying auf den unterschiedlichen Flügel resultierte", sagte er: "Aber das war alles andere als ideal, und es lässt meinen Sieg noch süßer schmecken."

Höhere Politik im Hintergrund?

Beobachter wähnen hinter den Kulissen einen mächtigen Einfluss des Red-Bull-Konzerns in Person von Motorsportberater Helmut Marko, der rechten Hand von Firmenchef Dietrich Mateschitz. Aus Marketinggründen, so wird immer wieder gemunkelt, setzt man auf Vettel als Vorzeigefahrer.

Nun führt aber Webber wieder gegenüber Vettel im WM-Rennen.

"Es wurde von Red Bull niemals Druck gemacht, einen der Fahrer zu bevorzugen", wiegelt Horner ab. Dennoch wird von nun an jedes Bauteil, das zwischen den beiden Piloten den Besitzer wechselt, aufs Genaueste beäugt werden.

Die nächste Gelegenheit bietet sich beim Deutschland-Grand-Prix in Hockenheim, Sebastian Vettels Heimspiel.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel