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Mark Webber wechselte 2007 vom Williams-Rennstall zu Red Bull © getty

Der Australier bedauert erneut seine scharfen Töne nach dem Flügelstreit, nicht aber sein Anliegen: Er wolle "faire Behandlung".

Von Martin Hoffmann

München - Sebastian Vettel hat das Wochenende mit einem spektakulären Schaulaufen vor 120.000 Fans im heimischen Heppenheim verbracht (265138die Bilder).

Sein Teamrivale Mark Webber erholte sich währenddessen von einer Lebensmittelvergiftung. Verdorbene Garnelen fesselten den Red-Bull-Piloten an die heimische Couch.

Das hielt den Australier aber nicht davon ab, einen Reporter der "Daily Mail" in seinem Wohnort Buckinghamshire zu empfangen - um so der Öffentlichkeit noch einmal seine Sicht der Dinge auf das zu erklären, was ihm zuvor am Rennwochenende in Silverstone den Magen verstimmt hatte.

Der 33-Jährige bedauerte noch einmal seine allzu offensive Kommunikation nach dem Flügel-Streit in Silverstone. Aber er stellte zugleich auch klar, dass er im teaminternen Duell nicht zurückstecken wolle.

"Ich trage mein Herz auf der Zunge"

Als "Botschaft an mein Team" beschrieb Webber seine öffentlichen Zornausbrüche: Sein sarkastisches "Nicht schlecht für einen Nummer-zwei-Fahrer" und seine Erklärung, dass er bei Red Bull nicht verlängert hätte, hätte er gewusst, wie es danach laufen würde.

"Es ist eine angemessene Feststellung, dass ich zu viel in die Welt hinaus trage", gab der WM-Dritte zu: "Es hätte nicht rauskommen sollen, aber es ist passiert. Ich trage mein Herz auf der Zunge und will ehrlich zu mir und anderen sein."

Und Webber habe sich ehrlich geärgert darüber, dass ihm vor dem Qualifying der neue Frontflügel abmontiert wurde, um ihn bei Vettel als Ersatz für sein kaputtes Vorderteil anzuschrauben.

Fairness gefordert

Es sei eine "einzigartige Situation" und eine "knifflige Entscheidung" gewesen: Dass sie für Vettel ausgefallen sei, habe ihn "ziemlich enttäuscht".

Er wolle, dass keiner im Team bevorzugt werde, "ich will faire Behandlung".

Und die sei ihm zugesichert worden: "Beim nächsten Mal wird es andersherum laufen, auch wenn es für die Leute schwer zu glauben ist."

Vettel sei der Flügel gegeben worden, "weil er in der WM-Wertung höher platziert war. Nun bin ich es und der Logik, was nun passiert, kann man folgen".

Mateschitz stiftet neue Verwirrung

Glaubt man allerdings Red-Bull-Unternehmenschef Dietrich Mateschitz, war es eben nicht nur diese Logik, die seinen Teamchef Christian Horner bei der Entscheidung pro Vettel beeinflusst hat.

"Christian Horner hat eben gemeint, dass der neue Flügel dem Fahrverhalten von Vettel eher entgegenkommt", erklärte Mateschitz im Interview mit der "Kleinen Zeitung".

Ein weiterer Fall von widersprüchlicher Krisenkommunikation, mit der Red Bull schon nach dem Webber-Vettel-Crash in Istanbul aufgefallen war.

Mateschitz selbst war "im konkreten Fall" des Flügelstreits nicht eingebunden, will aber seinen Teil zur Lösung der Probleme beitragen: "Natürlich mische ich mich ein. Das geht gar nicht anders."

Tattoos als Abhilfe?

Die Vermutung, dass Vettel in seinem Team aufgrund der besseren Vermarktbarkeit bevorzugt würde, stritt Mateschitz erneut ab: "Ich habe da keine Präferenzen, jeder der beiden wäre mir gleich lieb."

Webber flüchtet sich bei diesem Thema in Witzeleien:

"Ich weiß, dass ich nicht mehr in meinen Zwanzigern bin, aber Sebastian hat keine Tattoos und Ohrringe. Wenn ich mir die besorge, hilft das vielleicht."

"Nicht die besten Kumpel"

Der Australier betonte noch einmal, dass das Verhältnis mit Vettel nicht vergiftet sei:

"Seb und ich sind nicht die besten Kumpel, aber das ist nicht ungewöhnlich, wenn man dasselbe Ziel verfolgt."

Berichte, dass Red Bull in zwei verfeindete Lager um ihn und Vettel zerfallen wäre, wären "totaler Müll". Es herrsche "gegenseitiger Respekt".

Webber erklärte aber eben auch: "In den nächsten Monaten, wenn wir weiter vorne fahren, könnte die Atmosphäre zwischen uns angespannter werden."

"Mein Gott, wir reden von Rennsport"

Mit der Befürchtung, dass sich Webber und Vettel gegenseitig die WM kosten könnten, wird Red Bull also weiter leben müssen.

Dass auch Mateschitz diese Befürchtung umtreibt, verhüllte er nur notdürftig.

Einerseits sagte er zwar, dass er das Szenario "mehr als unwahrscheinlich" finde, im selben Satz erklärte er aber wiederum, dass er es auch nicht ausschließe:

"Und wenn es passieren sollte, mein Gott, wir reden hier von Rennsport. Das Image von Blut, Schweiß und Tränen kommt doch nicht von ungefähr."

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