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Al-Saadi Al-Gaddafi spielte als Fußballer im offensiven Mittelfeld © imago

Al-Saadi Al-Gaddafi soll Geldgeber hinter dem Projekt des Ex-Weltmeisters sein - der Höhepunkt eines wilden Gerüchtewirrwarrs.

München - Mehrere Teams bewerben sich derzeit um den 13. Startplatz, den die Formel 1 für das kommende Jahr ausgeschrieben hat.

Ob "Villeneuve Racing", das Projekt des Ex-Weltmeisters Jacques Villeneuve, das sein wird, das Ende August den Zuschlag bekommt, steht in den Sternen.

In jedem Fall aber ist Villeneuves Truppe der Bewerber, der für die besten Schlagzeilen gut ist.

Die neueste: Hinter Villeneuve Racing soll als Geldgeber eine - neutral gesagt - spannende Persönlichkeit stecken. Dabei soll es sich laut "Italiaracing" um Al-Saadi al-Gaddafi handeln.

Exzentrische Anwandlungen

Al-Saadi ist der drittälteste Sohn des einst geächteten und bis heute umstrittenen libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi.

So wie sein mit Beduinenzelt und weiblicher Leibgarde durch die Welt reisender Vater fällt auch der 37 Jahre alte Geschäftsmann öfters mit exzentrischen Anwandlungen auf.

International bekannt geworden ist er vor allem durch seine Ambitionen, im Profifußball Fuß zu fassen.

Zwei Serie-A-Einsätze und eine offene Hotelrechnung

Saadi kam durch seinen Einfluss einst in der italienischen Serie A unter, wo er je einen Einsatz für Perugia und Udinese absolvierte.

Danach war der 2003 für drei Monate wegen Dopings gesperrte Saadi noch bei Sampdoria Genua, wo er kein Spiel bestritt - aber eine 392.000 Euro teure Hotelrechnung offen ließ, zu deren Zahlung ihn ein Gericht soeben verdonnerte.

Saadi saß als Repräsentant einer libyschen Investmentfirma zeitweise auch im Präsidium von Juventus Turin und wurde auch drei Mal zu Libyens Fußballer des Jahres gekürt - ob sein Talent ausschlaggebend war, wird eher bezweifelt.

Woher kommt das Geld?

Das Gerücht um den Gaddafi-Sohn ist das kurioseste eines wild wuchernden Spekulationsgeflechts um das Villeneuve-Projekt.

Laut "Italia Racing" sollen neben Gaddafi noch italienische und russische Geldgeber im Spiel sein, "Motorsport aktuell" spricht von einer englisch-kanadischen Investorengruppe.

Auch eine Verbindung zu dem wegen "Crashgate" noch von der Formel 1 ausgeschlossenen Flavio Briatore wurde dem Projekt schon angedichtet.

Verwirrung um Durango

Verwirrung gibt es auch um die angebliche Kooperation Villeneuves mit dem italienischen GP2-Rennstall Durango.

Dessen Teamchef Ivone Pinton hat im Interview mit der Website "422race.com" von einer Kooperation mit Villeneuve gesprochen, der in der Speedway-Serie für den Rennstall fuhr: "Für Durango ist es eine Ehre und ein Privileg, mit ihm zusammenzuarbeiten."

"Motorsport Aktuell" berichtet dagegen, dass Villeneuve das Kooperationsangebot der Italiener abgelehnt haben soll.

Stattdessen soll er auf die Infrastruktur der Toyota Motorsport GmbH zielen, die nach dem Formel-1-Ausstieg des Konzerns noch über 120 Mitarbeiter und 48 Motoren und Getriebe verfügt, die als Basis für ein anderes Team bereitstünden.

Durango, das sich im vergangenen Jahr wegen Finanzproblemen von der GP2 abgemeldet hatte, versuche es nun ohne Villeneuve.

Der serbische Aspirant Stefan-GP sei ferner "aus dem Rennen", ebenso das baskische Projekt Epsilon Euskadi - das aber wiederum nicht mit letzter Sicherheit.

Aufklärung durch Villeneuve

Villeneuve sah sich schließlich angesichts der diffusen Nachrichtenlage genötigt, etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

"Es kursieren derzeit einige Spekulationen, und ich möchte ein paar Dinge klarstellen, bevor diese Geschichte außer Kontrolle gerät", verkündete er am Dienstag auf seiner Homepage: "Das Team wird ein Joint Venture mit Durango sein und seine Basis in Italien haben."

Und: "Im Augenblick kommt das Geld einzig und alleine von Unternehmen und nicht von privaten Investoren."

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