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Sebastian Vettel liegt in der WM mit 151 Punkten auf Platz drei © imago

Die Konkurrenz hält den Frontflügel des Vettel-Teams für illegal. Die FIA sucht- und findet nichts. Red Bull wehrt sich.

Von Marc Ellerich

München - Die Formel 1 hat nach F-Schacht und angeblasenem Diffusor das nächste Aufreger-Thema: Diesmal trägt der Stein des Anstoßes den eigentlich recht harmlosen Namen Flexi-Wing. (270438DIASHOW: Vettels schwarze Serie)

Gemeint ist ein übermäßig biegsamer Frontflügel, den sich Sebastian Vettels Red-Bull-Team und die Scuderia Ferrari ausgedacht haben sollen. (Vettel: "Ich hab's verpennt")

Weil durch den Effekt der Luftwiderstand der Rennwagen sinkt, sind die Autos beider Teams deutlich schneller als jene der Konkurrenz. Beim letzten Grand Prix vor der Sommerpause der Formel 1 in Ungarn soll der Vorsprung angeblich etwa eine Sekunde pro Runde betragen haben. (Pressestimmen: "Vom lächelnden Vettel keine Spur mehr")

Entsetzte Rivalen

Der Vorwurf entsetzter Rivalen wie McLaren oder Mercedes: Das Flügel-Teil verbiege sich in der anströmenden Luft derart nach unten, dass es nicht mehr den Regeln entspricht.

"Wir können uns nicht vorstellen, wie man auf legale Weise den Flügel während der Fahrt soweit absenken kann", sagte McLarens Teamchef Martin Whitmarsh bereits vor dem Ungarn-Grand-Prix.

Der Wettbewerbsnachteil treibt Whitmarsh um, deshalb kommt er immer wieder auf das Thema zurück "Auch unser Frontflügel verbiegt sich leicht. Das lässt sich gar nicht verhindern. Aber unser Flügel tut dies in einem Bereich, den wir für absolut in Ordnung halten."

Whitmarsh: FIA gefordert

Und das Rennen auf dem Hungaroring, bei dem das englische Weltmeister-Team chancenlos hinterherfuhr, dürfte Whitmarshs Sicht der Dinge kaum verändert haben.

Der englische Ingenieur weiß natürlich, dass Schummel-Vorwürfe in der Formel 1 nicht gut ankommen und bei nächster Gelegenheit wie ein Bumerang zurückkommen. Deshalb stellte er klar: "Ich will nicht behaupten, dass die beiden Teams etwas Illegales tun. Tatsache ist, dass dies Frontflügel-Endplatten Bodenkontakt haben. Bei Red Bull sind sie sogar mit einer Schutzplatte versehen."

Der Teamchef von Lewis Hamilton und Jenson Button forderte den Automobil-Weltverband vor der Sommerpause wiederholt auf, das Reizthema aus der Welt zu schaffen. "Die FIA soll sich nun genau anschauen, was akzeptabel ist. Man muss mal klarstellen, wie weit die Endplatten nach unten dürfen."

Verschärfung in Spa

Unterstützung erfuhr er von Mercedes-Teamchef Ross Brawn: "Bevor wir mit großem Aufwand etwas entwickeln, wollen wir einfach Klarheit haben, wie die Regeln aussehen."

Dumm nur aus Sicht der beiden silbernen Rennställe: Zwei Mal - am Hockenheimring und in Budapest - wurden die Flügelkonstruktionen bei Red Bull und Ferrari von der FIA überprüft und durchgewunken. Nach der Sommerpause, beim Belgien-Grand-Prix in Spa, soll die Prüfung nochmals verschärft werden.

Bis dahin sind McLaren Co. zum eigenen Leidwesen durch die erzwungene Sommerfrische der PS-Liga die Hände gebunden.

Horner: "Nehmen das als Kompliment"

Bei Red Bull reagierte man auf die Vorwürfe der Konkurrenz teils gelassen, teils genervt.

Teamchef Christian Horner ging sehr entspannt mit dem neuen Aufreger-Thema um: "Jetzt ist es der Frontflügel, davor war es der Diffusor, davor die Aufhängung. Wir verstehen das als Kompliment an unsere technische Abteilung."

Ungarn-Sieger Mark Webber hingegen findet die ständigen Vorwürfe gegen sein Team mittlerweile nicht mehr lustig.

"Unsere Jungs haben sich den Hintern aufgerissen, um ein regelkonformes Auto zu entwickeln", schimpfte der australische WM-Leader in Budapest: "Jedes Mal, wenn uns der Weltverband testet, kommen wir durch."

Webber: Geniale Ideen nicht bestrafen

Damit war die Angelegenheit für den Piloten aus Queanbeyan längst nicht erledigt. "Wenn die Leute nicht mögen, was sie auf ihrer eigenen Stoppuhr sehen, suchen sie die Schuld dafür manchmal bei anderen Teams. Das passiert vor allem, wenn sie unter Druck stehen, Leistung abliefern müssen und dann zerstört werden."

Sein Team habe auch nicht aufgeschrieen, als McLaren den F-Schacht entwickelt habe: "Wir haben alles versucht, das auch zu entwickeln. Das lief auch nicht ohne Schwierigkeiten."

Webbers Rat an die WM-Rivalen: "Man sollte weder geniale Ideen, noch Leute, die gute Arbeit abliefern, bestrafen."

Sutil: Sie sind schlauer

Doch nicht jeder hackt auf der vermeintlich ermogelten Überlegenheit der Blauen und der Roten herum. Adrian Sutil zum Beispiel wollte Red Bull keinen Vorwurf machen.

Natürlich müsse die Frage geklärt werden, dennoch hält der deutsche Force-India-Pilot große Stücke auf den österreichischen Rennstall.

"Sie sind schlauer als die anderen Teams", urteilte er: "Der Red Bull ist ein unglaubliches Auto. Wir haben schon lange nicht mehr gesehen, dass ein Auto derart überlegen ist. Was die Einfälle am Auto angeht, ist das klar das führende Team."

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