vergrößernverkleinern
Michael Schumacher liegt in der WM mit 38 Punkten auf Platz neun © imago

Michael Schumacher hat zu kämpfen, und sein Teamchef glaubt zu wissen, warum. Der Mercedes-Star kämpft mit den diffizilen Pneus.

Von Marc Ellerich

München - Michael Schumachers Mercedes-Team bemüht sich, die Wogen der Empörung zu glätten, die der Rekord-Weltmeister mit seinem rüden Manöver gegen Rubens Barrichello beim Ungarn-Grand-Prix aufgewühlt hatte.

"Michael hat sich entschuldigt und seine Strafe akzeptiert", sagte Motorsport-Chef Norbert Haug dem "Tagesspiegel": "Sein Sorry sollte nun allenthalben akzeptiert und ein Schlussstrich unter das Thema gemacht werden."

Auch Schumachers alter Vertrauter Ross Brawn hatte in den vergangenen Tagen immer wieder versucht, seinen Piloten aus der Schusslinie zu nehmen. Dem Mercedes-Teamchef wäre es gewiss nur allzu Recht, das Thema wäre aus der Welt. (270014Bilder: Schumis harte Seite - seine Affären)

Kampf um Platz zehn

Denn der siebenmalige Champion bereitet dem Briten auch ohne kühne Steuermanöver genügend Sorgen. Im zwölften Saisonrennen fiel der Superstar nicht nur durch seine Rüpelei auf, er setzte obendrein einen unerfreulichen Trend fort: Schumacher fuhr wieder einmal hinterher.

Beim Zweikampf mit Barrichello auf dem Hungaroring ging es um Platz zehn, den Schumacher schließlich verlor. In der WM liegt er mit 38 Punkten weit abgeschlagen auf Platz neun - ein erfolgreiches Comeback sieht anders aus. (Barrichello: "Eines seiner schrecklichsten Manöver")

Hervorragende Starts

Der Mercedes-Fahrer hat in diesem Jahr größte Schwierigkeiten bei seinen Versuchen, die eine, schnelle Runde zusammenzubekommen. In den vergangenen fünf Grands Prix schaffte es Schumacher lediglich einmal in den finalen Qualifying-Durchgang.

Im Rennen verbesserte sich der Wahl-Schweizer dann zumeist dank hervorragender Start-Manöver, doch glänzen konnte er nur selten.

Brawn: Reifen sehr speziell

Sein Teamchef glaubt inzwischen, die Hauptursache für den holprigen Saisonverlauf des 41-Jährigen gefunden zu haben: Schumacher kämpft mit den Eigenheiten der Vorderreifen am Mercedes-Boliden.

Dass die vorderen Pneus der Firma Bridgestone gemäß FIA-Beschluss um 25 Millimeter schmaler geworden sind als noch in der Vorsaison, scheint dabei nicht einmal das Hauptproblem zu sein.

Laut Brawn ist es vielmehr die veränderte Reifenmischung, die es für Schumacher schwierig macht, sein Auto schneller zu fahren. "Die Reifen sind sehr speziell", sagte der Vorgesetzte des Deutschen gegenüber "autosport.com": "Sie bauen in Sachen Grip ziemlich schnell ab, und das haben wir nicht in den Griff gekriegt."

"Es passiert nichts"

Auch der Pilot habe seinen Anteil: "Michael hat nicht richtig herausgefunden, wie er das Beste aus diesen Reifen herausholen kann."

Die Reifen seien sehr ungewöhnlich, findet das "Superhirn" der Formel 1 - sowohl in ihrer Konstruktion als auch bei der Art der Komponenten: "Du bringst eine Last drauf und sie reagieren nicht mit mehr Haftung. Es passiert nichts."

"Wir haben keine passende Methode gefunden, die Reifen zu benutzen", urteilte Brawn selbstkritisch. Und noch etwas kommt für ihn hinzu: Schumachers Fahrstil.

Schumis aggressiver Fahrstil

"Die Reifen belohnen keinen aggressiven Fahrstil", vermutete der Mercedes-Vorsteher: "Michael kann ein aggressiv abgestimmtes Auto am Limit halten. Aber ich glaube nicht, dass die Reifen diesem Stil entgegenkommen."

Auch dass Schumachers jüngerer Kollege Nico Rosberg mit den diesjährigen Gummis wesentlich besser zurecht kommt als der 41-Jährige, kann Brawn erklären.

Rosberg, mit 94 WM-Punkten zwei Positionen vor Schumacher platziert, habe die Entwicklung der Reifen von Anfang an miterlebt und sei daher geschulter und fähiger im Umgang mit den diffizilen Walzen.

Brawn hofft auf Pirelli

Seine Hoffnung setzt Brawn nun in den Hersteller Pirelli, der Bridgestone zur neuen Saison als Reifenlieferant ablösen wird: "Ich gehe nicht davon aus, dass Pirelli sich daran machen wird, einen solchen Reifen zu entwickeln. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob sie wüssten, wie man solch einen Reifen entwickelt." Er glaubt: "Es könnte interessant werden, wenn wir ganz neue Reifen bekommen."

Bridgestone habe die Walzen auf Wunsch der FIA entwickelt, um das Gewicht der Autos mehr Richtung Heck verschieben zu können, vermutete Brawn. Das habe mit dem Energie-Rückgewinnungssystem KERS zu tun gehabt, das für dieses Jahr allerdings aus den Autos verbannt worden war.

Eine Frage bleibt: Was passiert, wenn KERS 2011 ein Comeback feiert?

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel