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Anschluss verloren: Weltmeister Jenson Button (M:), Lewis Hamilton (l.) und Teamchef Martin Whitmarsh © imago

Das Weltmeister-Team ist in der Defensive. Nach der Formel-1-Pause will McLaren beim Belgien-GP die Wende in der WM schaffen.

Von Marc Ellerich

München - Die Formel-1-Sommerpause, die mit dem belgischen Grand Prix auf der legendären Strecke in Spa endet, kam für McLaren gerade zur rechten Zeit.

Dem englischen Silber-Team mit seinen beiden Weltmeistern Jenson Button und Lewis Hamilton ging in den beiden letzten Rennen in Hockenheim und Ungarn ein wenig die Luft aus.

Besonders auf dem Hungaroring gab es für die Briten wenig zu erben: Hamilton kam zum zweiten Mal in diesem Jahr nicht ins Ziel. Ein Getriebeschaden wurde dem schnellen Engländer zum Verhängnis. Button beendete den zwölften Saison-GP abgeschlagen auf Platz acht. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

"Keine großen Hoffnungen"

Das Ergebnis war für den Renommier-Rennstall von der Insel durchaus schmerzlich: McLaren verlor sowohl in Fahrer- als auch in der Konstrukteurs-WM die Spitzenplatzierung. In beiden Wertung führt jetzt der WM-Rivale Red Bull.

Auf dem schnellen Kurs in den Ardennen wollen sich die Engländer rehabilitieren und alte Stärke zeigen. "Nach dem enttäuschenden Ungarn-Grand-Prix unternehmen wir alles, um im Vergleich zu unseren Rivalen wieder so stark wie zu Saisonbeginn zu werden", kündigte Teamchef Martin Whitmarsh an.

Doch bei McLaren hat man durchaus begriffen, dass der Weg zur WM-Krone ein steiniger werden kann. "Die sieben Rennen werden sehr hart", sagte Hamilton der Nachrichtenagentur "Reuters" über die spannende Schlussphase des Formel-1-Jahres: "Sollte Red Bull mit dem Tempo weitermachen, das sie aktuell vorlegen, dann haben wir wirklich keine großen Hoffnungen."

Auch Ferrari schneller

Das Problem der Engländer: Der Abstand auf WM-Leader Mark Webber ist marginal ? Hamilton fehlen vier, Button 14 Zähler auf den Australier im Red Bull - der technische Rückstand indes ist weitaus gravierender. (DATENCENTER: WM-Stand)

McLaren hat im beschleunigten Wettrüsten der PS-Liga an Boden verloren und zwar nicht nur auf den österreichischen Rennstall. Auch Ferrari hat zumindest aufgeschlossen, war zuletzt sogar schneller.

Technische Geniestreiche

Zwei technische Geniestreiche der Red-Bull-Design-Schmiede unter Führung von Top-Tüftler Adrian Newey haben die Vormachtstellung, die McLaren zu Saisonbeginn dank seines klugen F-Schacht-Systems inne hatte, zunichte gemacht: Mit dem angeblasenen Diffusor und zuletzt einem extrem biegsamen Frontflügel ("Flexi-Wing") haben die Österreicher ihren Gegenspieler ausgekontert.

Die Kopie der Red-Bull-Diffusor-Lösung, bei der umgelenkte Auspuffgase einen Aerodynamik-Effekt erzeugen, misslang McLaren völlig: In Hockenheim versengten die 600 Grad heißen Gase den Unterboden.

Diskussionen um Red-Bull-Flügel

Und gegen den Flexi-Wing wetterte Teamchef Whitmarsh vor der Sommerpause ausdauernd. Der promovierte Ingenieur hält ihn für illegal. Bisher allerdings bestand das Flügel-Element des Vettel-Teams sämtliche Prüfungen des Weltverbands FIA ohne Beanstandung. (Vorsprung dank Flexi - Siegt Red Bull illegal?)

In Spa testet die FIA erneut - unter verschärften Bedingungen. Red Bull gibt sich gelassen. "Unser Auto ist legal", erklärte Teamchef Christian Horner: "Es gibt da keine Wunderwaffe."

"Haben ein starkes Team"

McLaren steht also unter dem großen Druck, den verlorenen Boden gut zu machen.

Vielleicht auch deshalb man gibt sich vor dem Start der heißen Phase dieser Saison bewusst optimistisch. "Ich werde alles geben, um uns in Belgien wieder ins Titelrennen zu bringen", kündigte Hamilton für den Klassiker an.

Button, der im Saisonverlauf auch intern gegenüber Hamilton an Boden verlor, gibt sich ebenfalls kämpferisch: "Wir haben ein starkes Team, das sicherlich aus diesem Tief herauskommen kann. Wir wollen schon in Spa mit einem deutlich stärkeren Auto auftreten."

Whitmarsh: Viel Spielraum

Offenbar hat der Weltmeister seinem Teamchef gut zugehört, denn der versuchte zuletzt, die technischen Nachteile des silbernen Renners herunterzuspielen. "Wir haben immer gesagt, dass im Auto viel Spielraum für Leistungsverbesserungen steckt", behauptete Whimarsh etwas gestelzt.

Und weiter: "Es sieht so aus, als hätte das Paket seine volle Wirkung bisher noch nicht entfaltet. Aber wir sind zuversichtlich, dass wir dieses Potenzial eher früher als später freisetzen können."

Mit Blick auf den umstrittenen Red-Bull-Vorderflügel verstieg sich der Engländer zu einem Satz, der wie eine Drohung klang: "Wenn keine Klarheit herrscht, dann können wir selbst auch schon sehr bald erfinderisch und kreativ werden."

Button: Spa liegt uns

Während die WM also letztlich auch in den Garagen der Top-Teams entschieden wird, fallen auf der Strecke in Spa andere Dinge vordergründig mehr ins Gewicht als der Erfindergeist.

Etwa die Strecken-Geometrie, die mit ihrem schnellen Auf und Ab den McLaren-Boliden besser liegt als den Red Bull.

"Spa ist eine Strecke für wenig Abtrieb", analysierte Button vom dem 13 Rennen des Jahres: "Vielleicht liegt uns das auch mehr." Auch den anschließenden Italien-Grand-Prix in Monza hält nicht nur der Champion für einen McLaren-Kurs.

"Großartige Strecke"

Denn vermeintlichen Vorteil will Button dennoch nicht überbewerten: "Die zwei letzten Europa-Rennen sind nicht der Dreh- und Angelpunkt für den WM-Kampf." Danach werde es allerdings schwieriger, Neuerungen ans Auto zu bringen.

Seine Zielvorgabe für das Ardennen-Rennen lautet dennoch schnörkellos: "Den Schwung vom Saisonbeginn wieder aufzunehmen."

Dass weder er selbst noch sein Teamkollege Hamilton keine allzu guten Erinnerungen an die belgische Berg- und Talfahrt haben - beide fielen im Vorjahr aus - mochte der Weltmeister nicht gelten lassen.

"Spa ist eine der wirklich großartigen Strecken", schwärmte Button: "Hier würde ich gerne einmal gewinnen."

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