vergrößernverkleinern
Fernando Alonso liegt in der Fahrer-WM mit 141Punkten auf Platz fünf © getty

Fernando Alonso will in Spa Ferraris Aufholjagd fortsetzen. Sein Team sei zurück im Rennen. In der WM rechnet er mit McLaren.

Von Marc Ellerich

München - München - Ferrari kämpft zurzeit mit den Spätfolgen der Stallorder-Affäre von Hockenheim. Aus verschiedenen Richtungen prasselt auch Wochen nach dem Deutschland-Grand-Prix weiterhin massive Kritik auf die rote Scuderia ein.

Zuletzt sah sich die italienische Formel-1-Institution Vorwürfen des früheren Ferrari-Weltmeisters Niki Lauda ausgesetzt. (Ferrari watscht Lauda ab)

Und auch der ehemalige Weltverbandschef Max Mosley reihte sich in den Chor der vielen Kritiker ein und forderte, beiden Piloten und ihrem Arbeitgeber sämtliche Punkte des Deutschland-Rennens zu nehmen.

Schwächen und Fehler

Abgesehen vom Ärger um die Stallregie zugunsten seines Vorfahrers Fernando Alonso und einem möglichen schweren Nachbeben auf der FIA-Sitzung am 8 September dürfte der italienische Traditionsrennstall aber eine friedliche Sommerpause verbracht haben.

Was wenig verwunderlich ist: Nachdem Ferrari zur Saisonmitte durch Schwächen und eigene Fehler schon aus dem Titelrennen zu sein schien, meldeten sich die Roten in den letzten beiden Grands Prix vor der Pause in beeindruckender Manier zurück. (DATENCENTER: WM-Stand)

Dass man dabei ungeniert und unter Umgehung geltenden Formel-1-Rechts auf Alonso setzte, brachte dem Rennstall viel Ärger und eine Geldstrafe von 100.000 Dollar ein - aber eben auch den Erfolg zurück.

Berger: Fernando ist der Bessere

Für den früheren Ferrari-Piloten und ehemaligen Rennstall-Besitzer Gerhard Berger ist die Bevorzugung des Spaniers durch sein Team nur konsequent. "Machen wir uns nichts vor: Fernando ist ganz klar der bessere Mann im Team", sagte der Österreicher.

Wegen seiner besonderen Qualität habe Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo den Piloten aus Oviedo schließlich geholt, "und er wird diese Karte knallhart spielen."

Alonso liegt zwar immer noch hinter seinen WM-Rivalen Mark Webber, Lewis Hamilton, Sebastian Vettel und Jenson Button auf dem fünften Platz. Doch auf Spitzenreiter Webber im Red Bull fehlen dem spanischen Star der Roten lediglich zwanzig Zähler.

Alonso kann nicht abschalten

"Wir sind wieder auf dem richtigen Weg", stellte Alonso vor den Sommerferien der PS-Liga zufrieden fest: "Wir haben nur zwei normale Rennen gebraucht, um wieder voll im Titelkampf zu sein."

Womit der Doppel-Weltmeister von 2005 und 2006 zugleich deutlich machte, dass er bei seiner Aufholjagd externer Motivation kaum bedarf. Der Ehrgeiz des schnellen Spaniers ist nach seinem umstrittenen Sieg in Hockenheim und dem zweiten Platz auf dem Hungaroring neu entflammt.

Er werde für ihn im Urlaub unmöglich sein, völlig abzuschalten, bekannte Alonso auf der Ferrari-Homepage vor der Pause, die in Spa zu Ende geht. Ein wenig Sport, Entspannung "und mindestens einmal pro Tag, vielleicht für zehn Minuten an das kommende Rennen in Belgien denken", so lautete sein Ferien-Vorsatz.

Neuer Diffusor in Spa

Natürlich will Alonso den Ferrari-Lauf der vergangenen Grands Prix nun in den Ardennen fortführen. Zum dreizehnten Rennen des Jahres reisen die Roten mit einem neuen Diffusor im Gepäck an.

"In Spa werden wir ein paar neue Teile haben, und wir hoffen, dass sie uns noch weiter nach vorne bringen", blickte Ferraris Nummer eins auf den spektakulären belgischen Grand Prix voraus.

Psychospielchen gegen Red Bull

Um sein Team zur Höchstleistung anzuspornen, gibt sich Alonso fordernd und optimistisch zugleich: "Die anderen werden das gleiche tun wie wir, deshalb müssen wir besser und schneller als sie arbeiten", sagte er, aber er sei überzeugt; "dass wir im Endspurt, also in den letzten zwei oder drei Rennen, näher an der Spitze sein werden als jetzt."

Psychospielchen gehören selbstverständlich ebenso zum Repertoire des listigen Spaniers. Und so strich Alonso das Red-Bull-Duo Sebastian Vettel und Mark Webber kurzerhand von seiner Liste der ärgsten WM-Widersacher.

Alonso: Chance bei 50 Prozent

"Es ist schwer zu sagen, wer mein ärgster Rivale ist - wir liegen alle fast gleichauf", behauptete er: "Vielleicht werden Hamilton, Button und ich, die wir alle schon einen Titel gewonnen haben, das Finale etwas ruhiger angehen." Wobei sich Alonso eine fünfzigprozentige Erfolgsaussicht zubilligte.

Und als Flunkerei darf man vermutlich auch einordnen, was der Spanier über die interne Chemie der Scuderia verbreitete. Trotz der offensichtlichen Degradierung seines Teamkollegen Felipe Massa beim Deutschland-Rennen schwärmte er von der "tollen Atmosphäre" bei Ferrari, "eine die besser ist als in jedem anderen Team".

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel