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Selbst Vettels Red-Bull-Teamkollege Mark Webber liegt vor dem großen Finale noch sieben Punkte vor dem Heppenheimer
Mark Webber liegt in der WM-Wertung mit 179 Punkten auf Platz zwei © Getty Images

Mark Webber strebt nach dem Belgien-GP die Rolle als Nr. 1 im Team an. Red-Bull-Chef Christian Horner hält nichts davon.

Von Marc Ellerich

München - Der Titelkampf in der Formel 1 findet sechs Grands Prix vor Saisonende längst nicht mehr nur auf der Piste statt.

Nach dem Katastrophen-Grand-Prix Sebastian Vettels in Belgien und seinem zweiten Platz in einem chaotischen Regen-Rennen reklamierte Mark Webber für sich mehr oder weniger offen den Status als erster WM-Anwärter im Red-Bull-Team. (DATENCENTER: Rennergebnis)

Zwar sei es derzeit noch zu früh, um sich auf eine Nummer eins und eine Nummer zwei festzulegen, aber die Frage nach der Vorfahrt werde recht bald geklärt werden, vermutete Vettels australischer Kollege. (Vettel unter Druck: Webber will die Nummer eins)

Das hänge auch davon ab, "wie hungrig" Red Bull sei, den WM-Titel zu gewinnen. Deutliche Sätze, die Webbers Machtanspruch gegenüber dem zurückliegenden Deutschen kaum verstecken. (281005DIASHOW: Bilder des Rennens)

28 Punkte vor Vettel

In der WM-Wertung liegt der 34-Jährige aus Queyanbeyan als Zweiter nur drei Zähler hinter Sieger Lewis Hamilton, vom drittplatzierten Vettel trennen ihn 28 Punkte. (DATENCENTER: Der WM-Stand)

Nach dem Ardennen-Grand-Prix war Webber sichtlich bemüht, seinen Erfolg und den Vorsprung in der WM auch in einen psychologischen Vorteil gegenüber dem vor der Saison höher eingeschätzten Deutschen umzuwandeln.

Bezeichnend war daher auch seine Antwort, als er in Spa nach dem Hauptrivalen im Titelrennen gefragt wurde. "Ich denke, wenn man Lewis schlägt, sieht es in der Meisterschaft sehr gut aus."

Horner: Abstände können täuschen

Sein Rennstall trat Webbers Ambitionen noch in Belgien entgegen. "Es ist zu früh, um das zu vertiefen", sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner und machte seine eigene WM-Rechnung auf: "Alle Fünf (Hamilton, Webber, Vettel, Button, Alonso, d. Red.) sind noch im Rennen. 150 Punkte sind noch zu vergeben, und es ist noch ein bisschen zu früh, um darüber (eine Hierarchie, d. Red.) zu sprechen."

Das neue Punktesystem sei trügerisch, führte Horner weiter aus: "Die Abstände können täuschen. Während sie ziemlich groß aussehen, können sie in der Realität sehr, sehr schnell zusammenschrumpfen."

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Rückendeckung für Vettel

Er habe nicht damit gerechnet, dass Webber die Frage nach dem Nummern-eins-Status aufwerfen werde, räumte Horner gegenüber "Autosport.com" ein. "Mark ist ein Sportsmann und ein Realist", sagte er: "Er kennt die Zahlen besser als jeder andere. Er weiß, dass die Dinge sich sehr, sehr schnell ändern können."

Es wäre "dumm, Vettel nicht mehr als Titelanwärter zu sehen", betonte das Red-Bull-Oberhaupt: "Ich bin mir sicher, dass er zurückschlagen wird."

Gleichwohl sei sein australischer Pilot in "einer großartigen Position", er sei "in der Form seines Lebens". Mehr mochte Horner aus diesen Komplimenten aber nicht ableiten: "Wenn wir in Monza ähnlich durchkommen, kehren wir auf Strecken zurück, die unserem Auto besser liegen."

Hamilton gegen Priorisierung

Das Thema wird Horner durch derartige Allgemeinplätze wohl kaum befrieden können, und es ist zu erwarten, dass die aufregende Frage den österreichischen Rennstall wesentlich mehr durchrütteln wird als die englische McLaren-Konkurrenz.

Auch dort kam die Frage in Spa aufs Tableau und wurde von Sieger Hamilton rasch beiseite gewischt - obwohl sich der Weltmeister von 2008 in einer noch besseren Lage befindet als Webber. (Hamilton: Vettel ein Übertalent)

35 Punkte trennen den Spitzenreiter von seinem viertplatzierten Teamkollegen, Weltmeister Jenson Button. Dieser habe sehr viel Pech gehabt, urteilte Hamilton und sprach sich gegen eine Priorisierung zu seinen Gunsten aus.

"Es ist ein weiter Weg"

"Ich bekomme dieselbe Behandlung wie Jenson und umgekehrt", sagte er: "Das ermöglicht es uns, die maximale Punktezahl zu holen. Ich finde also nicht, dass jemand bevorzugt werden sollte. Das Team tut das Beste für jeden für uns. Mehr können sie nicht machen."

Auch die Favoriten-Frage beurteilte Hamilton anders als Webber. "Der härteste Rivale ist derzeit Mark", meinte der McLaren-Star nach seinem dritten Saisonsieg: "Aber die Meisterschaft ist immer noch offen. Es ist noch ein weiter Weg, auf dem jeder von uns Fahrern immer noch viele Punkte für die WM ergattern kann."

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