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Fernando Alonso liegt in der WM-Wertung mit 141 Punktenf Platz fünf © getty

Ferrari-Star Fernando Alonso schreibt in Belgien nach einem Fahrfehler null Punkte. Seine WM-Chance sieht er weiterhin intakt.

Von Marc Ellerich

München - Seinen Humor hatte Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali nach einem finsteren Belgien-Wochenende nicht völlig verloren.

Als er auf die Bauverzögerungen der neuen Rennstrecke in Südkorea angesprochen wurde, konterte Domenicali schlagfertig. Er gehe davon aus, dass der Grand Prix im Oktober stattfinden werde. "Wenn es dann noch eine Schotterstrecke ist, holen wir Kimi (Räikkönen, d. Red.) zurück."

Hintergrund: Der Finne fährt nach seinem teuer erkauften Abschied von den Roten im Vorjahr in der Rallye-WM, mithin also Erfahrung auf holprigem Untergrund gesammelt. (Vettel unter Druck: Webber will die Nummer eins)

Fahrfehler in Runde 38

Ansonsten aber war nach dem Belgien-Grand-Prix im italienischen Renommier-Team niemand zum Scherzen aufgelegt. Zu schwer wirkte die Niederlage, die der feuerrote Rennstall im chaotischen Ardennen-Rennen hatte einstecken müssen. (DATENCENTER: Rennergebnis)

Zwar beendete Felipe Massa das 13. Rennen der Saison nach fehlerloser Fahrt auf dem vierten Platz. Doch der Brasilianer ist bei den Roten längst nurmehr die Nummer zwei. (Hamilton gewinnt Chaos-GP)

Was Ferrari schmerzte, war das selbstverschuldete Aus ihres erklärten WM-Anwärters Fernando Alonso. Nach einer Kollision mit Williams-Pilot Rubens Barrichello in der Frühphase des Rennens, kam der Spanier in Runde 38 auf den regennassen Randstein und krachte in die Leitplanke. (281005DIASHOW: Bilder des Rennens)

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41 Punkte Rückstand

Nach seinem Null-Punkte-Rennen fehlen dem Piloten aus Oviedo 41 Zähler auf WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton, er ist und bleibt aber Fünfter. (DATENCENTER: Der WM-Stand)

"Wir haben an Boden verloren", stellte Alonsos Teamchef anschließend bekümmert fest, gab dann aber die Linie vor, mit der Ferrari in die verbleibenden sechs Grands Prix gehen will: Verloren ist die WM noch lange nicht.

"Es ist schwieriger geworden, aber es ist nicht unmöglich", lautete Domenicalis Credo. Um seine Haltung zu unterstreichen, wurde der Italiener historisch - wie bereits in einer früheren Phase der Saison, als es nicht gut um den berühmten Rennstall stand.

Räikkönens Aufholjagd

"Für all jene mit einem kurzen Gedächtnis erinnere ich daran, dass wir uns vor drei Jahren in einer viel schlechteren Situation befunden haben. Und wir alle wissen, wie es damals ausgegangen ist."

Worauf Domenicali anspielte: 2007 holte Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen in einem furiosen Saisonfinale 17 Punkte binnen zwei Rennen auf und wurde Weltmeister.

Seinen Vorfahrer Alonso musste der Ferrari-Chef indes kaum ans rote Jubeljahr erinnern. Zum einen, weil Alonso, seinerzeit in McLaren-Diensten, Leidtragender der roten Aufholjagd war. Zum anderen weil der Spanier den Titelkampf längst noch nicht für entschieden hält. Nichts sei passiert, stellte er nach seinem Ausscheiden in Spa fest.

Alonso: Chance bei 50:50

"Ich habe längst noch nicht aufgegeben", verkündete Alonso: "Es sind immer noch die selben fünf Fahrer, die gewinnen können, und unsere Chance liegt immer noch bei 50:50, so wie vor dem Rennen."

Alonsos Rechnung ist einfach: "Nur zwei der fünf Favoriten haben gepunktet, und im nächsten Rennen sieht es vielleicht umgekehrt aus und alle liegen in den Punkten wieder eng beisammen."

Im ersten der sieben letzten Grands Prix des Jahres sei Ferrari nicht gut genug gewesen, so der Doppel-Weltmeister von 2005 und 2006, "also müssen wir in den übrigen sechs den Boden wieder gutmachen, den wir hier verloren haben." Wer die beste Arbeit abliefere, werde am Ende Weltmeister.

Fast zwei Jahre ohne Pole

Alonsos Vorgesetzter sieht es ähnlich. "Es kann alles passieren. Wichtig ist es, am Ball zu bleiben. Das Szenario verändert sich so schnell, von Rennen zu Rennen, dass es schwierig ist, Prognosen abzugeben."

Was dem Ferrari-Vorsteher jedoch die Sorgenfalten auf die Stirn treiben dürfte: Beim Brasilien-GP, Anfang November in Sao Paulo, jährt sich die letzte Ferrari-Pole-Position bereits zum zweiten Mal.

Domenicali: "Das ist auf jeden Fall kein gutes Zeichen, denn es bedeutet, dass wir nicht das beste Auto haben. In Deutschland waren wir der Pole sehr nah, aber nun sieht es so aus, als seien wir wieder ein wenig zurückgefallen."

In Monza mit F-Schacht

Und auch das Heimrennen der Roten in knapp zwei Wochen auf der Highspeed-Strecke in Monza werde für seinen Rennstall keineswegs ein Selbstläufer. Der große WM-Rivale Red Bull, den Experten auf dem italienischen Kurs für benachteiligt halten, sei mittlerweile auf allen Strecken schnell, so Domenicali. Sein Urteil: "Ich wäre gerne in ihrer Position. Ich hätte gerne auch ein solches Auto mit der schwächsten Leistung in Monza. Ich erwarte sie sehr stark."

Den F-Schacht, der Ferrari auf den langen Geraden mehr Top-Speed verleiht, werde man in Italien wohl am Auto lassen, kündigte der Teamchef vorsorglich an.

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