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Mercedes beliefert neben seinem eigenem Team McLaren und Force India mit Motoren © getty

Das Vettel-Team wünscht sich Mercedes-Motoren - und kriegt sie nicht. Angeblich gibt es ein McLaren-Veto. Dort wehrt man sich.

Von Marc Ellerich

München - Für Mark Webber ist die Sache klar: Sein Team kämpft in der Formel-1-WM mit ungleichen Waffen. (Red Bull gewährt Webber keine Vorfahrt)

"Wir wissen, dass wir nicht den stärksten Motor haben", sagte der australische Red-Bull-Pilot nach seinem Sieg auf dem Hungaroring: "Wir wollen die ähnliche Motorleistung wie andere Teams. Dann wäre es eine faire Angelegenheit. Das ist alles, was wir wollen."

Klingt simpel - und ist für den österreichischen Rennstall doch das Aufreger-Thema schlechthin. Das Team fühlt sich der Konkurrenz von McLaren und Ferrari im WM-Kampf in Sachen Motorleistung unterlegen. (Vettel unter Druck: Webber will die Nummer eins)

Begehrter Mercedes-Motor

Hintergrund: Red Bulls RB-6-Renner wird von Renault-Motoren angetrieben, die als leistungsschwächer im Vergleich zu den Mercedes-Aggregaten McLarens aber auch gegenüber dem Ferrari-Antrieb gelten. (Vorsprung dank Flexi - Fliegt Red Bull illegal?)

Seit längerem bereits bemüht sich das Team von Sebastian Vettel und Mark Webber um einen Wechsel hin zu den bevorzugten Mercedes-V8-Motoren. Zuletzt berichtete die Münchner "tz" sogar von einem Tausch mit Mercedes-Kunde Force India.

Doch Red Bulls Traum vom Wunsch-Motor bleibt vorerst unerfüllt, und das liegt laut Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug nicht einmal an der fehlenden Bereitschaft des deutschen Lieferanten. (DATENCENTER: Der WM-Stand)

Haug: Im Moment geht das nicht

"Ich würde Mark Webber und Sebastian Vettel sehr gerne mit unseren Motoren fahren sehen", sagte Haug vor dem Belgien-Grand-Prix in Spa: "Wir haben uns dafür eingesetzt und hätten Red Bull die Motoren bereits in diesem Jahr gegeben. Im Moment geht das aber nicht."

Der Deal sei am Nein von Mercedes-Partner McLaren gescheitert, gab Haug den Schwarzen Peter in Richtung England weiter. Exklusiv-Partner McLaren habe "verständlicherweise ein Veto eingelegt. Bei Red Bull weiß man, was unser Haus und speziell ich dafür getan haben. Aber wir müssen halt Verträge respektieren. So ist die Situation."

Whitmarsh: Kein Veto

Tatsächlich? McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh bestritt in einem TV-Interview während des belgischen Renn-Wochenendes, dass er wegen des Motoren-Themas angegangen worden sei.

"Wir sind deswegen nicht befragt worden", behauptete der Ingenieur gegenüber der Interviewerin des TV-Senders "Sky". Er habe aus den Medien von der Anfrage erfahren. Und weiter: "Als ich mit Ross Brawn (Mercedes-Teamchef, d. Red.) darüber gesprochen habe, wusste er auch nichts."

Auch in der internationalen Pressekonferenz wiederholte er seine Aussage mehr oder weniger gleichlautend.

Ein Veto habe er jedenfalls nicht gegen Mercedes-Lieferungen an Red Bull eingelegt, so Whitmarsh: "Nein, haben wir nicht."

Mercedes habe die Kapazitäten, um drei Teams mit Motoren zu beliefern, behauptete Whitmarsh. Nach seiner Kenntnis gebe es mit diesen drei Rennställen (Mercedes, McLaren, Force India) langjährige Verträge. "Ich glaube nicht, dass diese Angelegenheit mit mir besprochen werden muss."

Marko: Mercedes wehrt sich

Eine Reaktion von Red-Bull-Seite gab es in Spa nicht. Allerdings hatte sich der Motorsport-Beauftragte des Rennstalls, Helmut Marko, bereits vor dem Grand Prix in Belgien über eine Blockade durch Mercedes beklagt.

"Das Frustrierende ist: Renault hätte etwa drei Zehntelsekunden auf der Stellage, doch bis jetzt gibt es kein grünes Licht", sagte Marko in einem Interview mit "Laola1.at".

Worauf der frühere Rennfahrer anspielte: Der Automobil-Weltverband verweigert Renault die Anpassung der Motoren-Leistung. Die Schuldfrage hat der Österreicher für sich längst geklärt: "Zuerst müsste da innerhalb der FOTA (Teamvereinigung, d. Red.) eine Einigung erzielt werden, doch Mercedes wehrt sich bis jetzt."

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