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Robert Kubica hat von 13 Quali-Duellen erst eins gegen Witali Petrow verloren © getty

Renault bläst nach der Gala von Spa in Monza zum Großangriff auf Mercedes. Doch ein wichtiger Fortschritt könnte wieder wegfallen.

Von Julian Meißner

München - Im Grunde scheint die Sache sonnenklar.

Mit dem F-Schacht machte Renault beim vergangenen Rennen in Spa einen deutlichen Satz nach vorne, und auch beim kommenden Highspeed-GP in Monza (Training, Freitag 10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) wollen die Franzosen mit dem Luftleitelement angreifen - sollte man meinen.

Doch noch hat sich die "Equipe jaune" nicht entschieden, ob sie die Neuerung im Autodrom mit seinen langen Geraden überhaupt zum Einsatz bringen will. Und sie ist damit nicht alleine.

Renaults Technischer Direktor James Allison sprach zwar von einer "bedeutenden Weiterentwicklung", erklärte aber zugleich: "Monza unterscheidet sich stark von allen anderen Kursen, weshalb wir ein maßgeschneidertes Paket vorbereiten mussten, das wir nirgendwo anders nutzen werden."

Erfahrungswerte fehlen

Die Aerodynamik-Abstimmung für die schnellste Strecke des Kalenders unterscheidet sich extrem von der für andere Rennen, weshalb die Techniker sich nicht im Klaren darüber sind, ob der F-Schacht unter diesen Bedingungen überhaupt einen Vorteil generiert.

Allison: "Monza besteht aus sehr langen Geraden und wenigen Kurven. Deshalb benötigen wir dort flachere Flügel als auf jeder anderen Strecke. Um die Aufgabe noch komplexer zu machen: Der F-Schacht wäre in Monza eine potenzielle Alternative zu den flachen Flügeln."

Mit anderen Worten: Man tappt aufgrund fehlender Erfahrungswerte im Dunkeln.

Renault letzter Nachzügler

"Spa hat sehr anschaulich gezeigt, welche Autos mit dem F-Schacht gut funktionieren und welche nicht", sagte rückblickend Robert Kubica, der mit seinem R30 in Belgien auf Platz drei vorfuhr: "Unser System hat von Beginn an perfekt gearbeitet. Wir waren sofort deutlich konkurrenzfähiger unterwegs und näher an der Spitze dran."

[kaltura id="0_jwnb3gsk" class="full_size" title="Eine Runde in Monza"]

McLaren hatte zu Saisonbeginn mit dem Technik-Kniff zur Regelung des Luftstroms die Konkurrenz verblüfft.

Nach und nach zogen die Teams nach. Aus dem oberen Tabellendrittel war Renault die letzte Crew, die das begehrte Teil zum Einsatz brachte.

Kubica: "Ein Vorteil bleibt"

Kubica befürchtet jedoch nach dem starken Auftritt in den belgischen Ardennen: "Dieser Effekt zahlt sich in Monza möglicherweise weniger deutlich aus, da generell das Niveau an aerodynamischem Abtrieb viel geringer ausfällt - aber ein gewisser Vorteil bleibt auf jeden Fall."

Der Pole orakelt: "Mal sehen, wer den F-Schacht einsetzt und wer nicht - und zu welcher Gruppe Renault gehören wird."

Und auch Allison hält sich bedeckt: "Wie mehrere Teams evaluieren auch wir, ob wir das Teil unter den speziellen Bedingungen vom Monza mit wenig Abtrieb zum Funktionieren bringen."

Keine Diskussion bei Williams

Andere wiederum legen ihre Karten auf den Tisch. "Ich verstehe nicht, warum der F-Schacht für Monza überhaupt ein Thema ist", meinte Williams-Technikchef Sam Michael: "Ich denke, jeder wird ihn benutzen."

Ursprung der Debatte war die Ankündigung McLarens, den Schnorchel in Monza nicht einzusetzen, womit die Briten ihre Rivalen offenbar ins Grübeln brachten.

Wenn schon der Urheber nicht an den Nutzen glaubt, weshalb sollten dann die kopierten Systeme einen Vorteil bringen?

Taktiert McLaren nur?

Ob die Ansage McLarens, die mittlerweile auch relativiert wurde, nur ein taktischer Schachzug war, wird sich erst am Wochenende zeigen. Am Freitag werden die meisten Teams ihre Boliden sowohl mit als auch ohne F-Schacht zum Einsatz bringen.

"Die Entscheidung in dieser Sache werden wir erst an der Strecke treffen", sagte Saubers Technikchef James Key.

Ferrari und Toro Rosso haben schon Vorarbeit geleistet: Die Italiener führten unter der Woche Straightline-Tests auf der Rennstrecke in Vairano durch. Während echte Testfahrten während der Saison ab diesem Jahr verboten sind, dürfen Geradeaus-Fahrten zur Aerodynamik-Abstimmung absolviert werden.

Kampfansage an Mercedes

Bei Renault wird man auf den Freitag setzen müssen und in letzter Sekunde entscheiden, ob man den F-Schacht im Kampf um Punkte und Platzierungen wieder ausbaut.

In der Team-WM ist Mercedes auf Rang vier für Kubica und Co. durchaus in Reichweite. "Angesichts unseres derzeitigen Leistungsvermögens bin ich zuversichtlich, dass wir demnächst sogar mit beiden Autos vor Mercedes ins Ziel kommen werden", lautet Allisons Kampfsansage.

Schon für Monza ist der Ingenieur guter Dinge: "Die Performance des R30 in Spa macht mich zuversichtlich, dass wir auf allen verbleibenden Strecken um ähnliche Resultate kämpfen können, inklusive Monza."

Ob mit oder ohne F-Schacht.

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