vergrößernverkleinern
Michael Schumacher liegt in der WM 66 Punkte hinter Teamkollege Nico Rosberg © getty

Michael Schumachers Ex-Teamchef Eddie Jordan glaubt, der Rekord-Weltmeister denke über einen vorzeitigen Rücktritt nach.

Von Julian Meißner

München/Monza - Im Rampenlicht standen wieder einmal andere.

Mercedes-Pilot Michael Schumacher beendete den Großen Preis von Italien als Neunter, fernab aller Siegchancen - wie in allen 14 bis dato absolvierten Saisonläufen.

"Ein gutes Rennen für uns", kommentierte Schumacher, der vier Plätze hinter seinem Teamkollegen Nico Rosberg landete.

Während sich fünf Fahrer um die WM-Krone streiten und die deutschen Hoffnungen dabei auf Sebastian Vettel ruhen, ist die Euphorie um das Comeback des Rekord-Weltmeisters schon lange abgeebbt.

Selbst "Micheles" Rückkehr nach Monza, die heilige Stätte der Ferraristi, wo Schumacher fünfmal im roten Renner gewann, wurde zur Randnotiz in den Gazetten (286257DIASHOW: Die Bilder des Rennens).

Konzentration auf 2011

Die verwachste Saison ist für das Team Mercedes GP so gut wie abgehakt, längst gilt die Konzentration bei der Entwicklung des Autos dem kommenden Jahr. Skeptiker bezweifeln jedoch, dass es Schumacher 2011 gelingen wird, das Leistungsdefizit gegenüber Rosberg in den Griff zu bekommen, geschweige denn ganz vorne mitzufahren.

Richtig schwarz malt gar der nie um einen Spruch verlegene Eddie Jordan. Schumachers Ex-Teamchef glaubt, dass der 41-Jährige sich ernsthaft mit einem vorzeitigen Rücktritt beschäftigt.

Jordan sieht klare Zeichen

"Ich habe so eine Ahnung, dass sich etwas Grundlegendes geändert hat", orakelte der Brite in seiner Funktion als "BBC"-Experte nach dem Rennen in Italien: "Ich denke, er ist desillusioniert und denkt ans Aufhören."

Die Gründe für einen Abbruch des auf drei Jahre angelegten Comebacks lägen geradezu auf der Hand. Manager anderer Fahrer würden sich im Mercedes-Motorhome die Klinke in die Hand geben, behauptet Jordan.

[kaltura id="0_jwnb3gsk" class="full_size" title="Eine Runde in Monza"]

Sollte ein Silberpfeil-Cockpit 2011 neu besetzt werden, wäre es wohl tatsächlich nicht das von Rosberg, der seinen prominenten Stallgefährten mit 11:3 Siegen in den Qualifikationsduellen deutlich im Griff hat.

Gerüchte um Brawn-Abgang

Zudem soll angeblich die Zukunft von Schumachers wichtigster Bezugsperson im Team auf der Kippe stehen. "Ich habe Gerüchte gehört, wonach Ross Brawns Zugehörigkeit zum Team in Frage steht", so Jordan: "Das wäre ein schwerer Schlag."

Brawn spielte bekanntlich bei Schumachers Comeback eine maßgebliche Rolle. Alle seine sieben WM-Titel gewann Schumacher unter Führung des "Superhirns", das noch im vergangenen Jahr mit Brawn GP für Furore sorgte.

Nun soll der sich Entwicklungs-Guru angesichts der offenkundigen Probleme der Mercedes-Crew uneinig mit Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug über die Ausrichtung des Teams sein.

Dementi des Managements

Schumachers Managerin dementierte Jordans Spekulationen hinsichtlich der Rücktrittsgedanken umgehend: "Michael plant nicht, am Ende des Jahres aufzuhören", sagte Sabine Kehm der "BBC".

Doch in der Tat steckt Mercedes in einem Dilemma: Das Auto ist nicht schnell genug. Und die Leistungen Schumachers dürften die Teamleitung ebenfalls nicht zufriedenstellen, auch wenn das offen natürlich niemand sagt.

Gerüchte, man werde den neuen Silberpfeil ganz nach Wünschen Schumachers konstruieren, zerstreute Brawn am Wochenende. "Wir bauen kein Auto um Michael herum", sagte Brawn in Monza und erklärte, man sei mit der Entwicklung des MGP-W02 schon sehr weit.

Umtriebige Manager

Schumachers Fans müssen also darauf hoffen, dass den Silberpfeil-Ingenieuren diesmal mit mehr Vorlauf der große Wurf gelingt - ob mit Brawn oder ohne. Denn eine Ablösung der deutschen Formel-1-Ikone Schumacher steht momentan nicht zur Debatte, auch wenn Jordan Hinweise dafür sieht.

Laut dem Fachblatt "Motorsport aktuell" wurden in Monza zwar tatsächlich Manager anderer Fahrer bei Mercedes vorstellig, um ihre Schützlinge unterzubringen.

Sie verließen das silberne Motorhome aber offenbar mit einer deutlichen Absage im Gepäck.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel