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Mark Webber absolvierte 2002 sein Formel-1-Debüt für Minardi © getty

Mark Webber findet offene Worte über das Verhältnis zu seinem Teamkollegen. Sebastian Vettel sei "auf dem Papier" Weltklasse.

Von Julian Meißner

München - Mark Webbers Miene passte nicht so recht zum freudigen Ereignis.

Der Australier übernahm am Sonntag mit Platz sechs beim Großen Preis von Italien aufgrund von Lewis Hamiltons Ausfall die Führung in der Fahrer-WM, wirkte jedoch alles andere als glücklich.

"Wir haben als Team nicht das Maximum erreicht", klagte er und beschwerte sich, dass die Crew ihn zu früh an die Box kommandiert habe.

Nur noch fünf Rennen verbleiben im WM-Kampf, und Webber hätte sich gerne abgesetzt. Vor allem von seinem Teamkollegen Sebastian Vettel.

"Er war frustriert, weil er nicht mehr herausgeholt hat", erklärte Teamchef Christian Horner.

Heikle WM-Mission

Webber wurde lange von Nico Hülkenberg im Williams aufgehalten, Vettel holte mit einer blitzsauberen Leistung samt Boxenstopp-Coup vier Punkte auf im internen Duell - ein Resultat, das die ohnehin brisante Titelmission für die Bosse des Red-Bull-Teams nicht einfacher macht.

Motorsportberater Helmut Marko hatte im Vorfeld des GP in Monza angekündigt, man werde sich nach dem Wochenende zusammensetzen, um die WM-Chancen "zu bewerten", wie sich der Österreicher ausdrückte.

Sprich: Früher oder später wird man einen der beiden Piloten favorisieren, um sich nicht trotz des überlegenen Autos den Titel noch wegschnappen zu lassen. Noch liegen die beiden aber zu dicht beisammen, um von der proklamierten Gleichberechtigungs-Strategie abzuweichen.

Keine Entspannung in Sicht

Horner und sein Führungsstab gehen so das Risiko ein, dass sich Webber und Vettel gegenseitig Punkte wegnehmen und der Konkurrenz von McLaren und Ferrari im spannenden WM-Kampf in die Karten spielen.

Grund zur Sorge gibt es allemal. Das Verhältnis der beiden Fahrer im Team hat im Laufe der Saison durch den Crash von Istanbul, die Flügel-Affäre, Webbers Nummer-zwei-Vorwürfe und zuletzt eben die klügere Taktik bei Vettel in Monza erheblich gelitten. Entspannung ist nicht in Sicht.

"Auf dem Papier Weltklasse"

Schon vor dem 14. Saisonlauf in Italien hatte sich Webber eine neue Breitseite gegen seinen Kollegen erlaubt.

"Wenn du gegen jemanden fährst, der auf dem Papier als Weltklasse angesehen wird - von manchen Leuten zumindest - muss du schon alles geben, um nicht überrollt zu werden", sagte Webber dem australischen "Daily Telegraph" und verdeutlichte, dass zwischen den beiden WM-Rivalen Eiszeit herrscht: "Ich kenne ihn überhaupt nicht abseits der Rennstrecke."

Es bestehe zwischen ihm und dem 23-jährigen Heppenheimer schließlich ein großer Altersunterschied, weshalb man von vornherein "wenig gemeinsam" gehabt habe. Immerhin schränkte der 34-Jährige ein: "Ich würde sagen, er ist kein schlechter Kerl."

Hamilton der schärfste Rivale

Im Titelkampf hat er jedoch erst einmal andere auf der Rechnung. "Wenn du in der WM vor Lewis bleibst, fährst du eine gute Saison", so Webber über den Zweitplatzierten Hamilton: "Wir müssen McLaren so gut bekämpfen wie wir können."

Dabei rechnet er vorerst nicht damit, dass einem Fahrer ein technischer Vorteil zuteil wird, wie ihn Vettel beim Frontflügel-Streit in Silverstone genossen hatte.

"Ich denke, in der Zukunft werden die Autos identisch aufgestellt", meinte Webber: "Aber die Taktik könnte sich ab einem bestimmten Punkt ändern."

Schon nach dem Belgien-GP hatte der Formel-1-Oldie klar seine Machtansprüche formuliert, war aber von der Teamleitung eingebremst worden.

Machtprobe unter Flutlicht

Nach Monza ist Vettel nun wieder in Schlagweite.

Die nächste Runde steigt beim Nacht-Grand-Prix auf dem Stadtkurs in Singapur, wo Red Bull mit seinem Renner klar favorisiert ist.

Im Grunde kann es dort - und dann auch im weiteren Saisonverlauf - nur heißen: Vettel oder Webber.

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