vergrößernverkleinern
Teamchef Ross Brawn (l.) und Motorsportchef Norbert Haug leiten Mercedes GP © imago

Spannungen in der Mercedes-Führungsebene? Der Rennstall dementiert. Und muss sich erneut mit dem Thema Schumacher herumplagen.

Von Marc Ellerich

München - Die Gerüchte sind brisant, und sie bergen eine gewaltige Sprengkraft in sich - sollten sie denn zutreffen.

Nicht erst seit dem Singapur-Grand-Prix gibt es Spekulationen über die Führungsstruktur bei Mercedes GP. Konkret ist von Friktionen zwischen Motorsportchef Norbert Haug und Teamchef Ross Brawn die Rede, wie "Motorsport-Total.com" berichtet. (Kohl-Kolumne: Rosberg macht's erträglich)

Sogar über den Rückzug eines der beiden Verantwortlichen im deutschen Vorzeigeteam wurde gemunkelt. Und - als sei es damit nicht genug - auch Rekord-Weltmeister Michael Schumacher ist immer wieder Gegenstand von Mutmaßungen. Eine besagt, Schumacher könne seine zweite Karriere vorzeitig beenden.

"Sind beide unglücklich"

Von den Betroffenen kommen in beiden Fällen entschlossene Dementis.

"Es gibt kein Problem zwischen Norbert und mir", stellte Brawn gegenüber "autosport.com" klar: "Wir beide sind unglücklich über die Ergebnisse. Wir zeigen das gelegentlich, aber wir arbeiten zusammen - und wir werden die Angelegenheit zu einem Erfolg machen."

Brawn weiter: "Wir können nur zusammen Erfolg haben. Ich mag nicht jeden im Team, aber ich arbeite professionell - und das bedeutet nicht, dass ich Norbert nicht mag."

[kaltura id="0_5b3oipos" class="full_size" title="Sebastian Vettel im Interview"]

Haug: Absolutes Vertrauen

Auch Haug ging auf die anhaltenden Spekulationen ausführlich ein. "Wir haben absolutes Vertrauen in Ross und sein Team", erklärte der mächtige Schwabe: "Wenn solche Gerüchte aufkommen, kann ich das zum Teil sogar verstehen."

Seine Begründung: "Wir sind keine Hollywood-Stars, die sich in der Box umarmen und eine Show abziehen. Manchmal sehen wir vielleicht etwas gestresst aus. Aber das liegt daran, dass wir wissen, wie sich Siege anfühlen und daher manchmal etwas verbissen wirken."

Man arbeite in allen Bereichen "exzellent zusammen", behauptete Haug: "Und natürlich ist es ein Lernprozess für uns alle."

"Es läuft nicht gut"

Der Mercedes-Vorsteher wurde noch deutlicher: "Es gibt eine Regel: Wenn wir Ja sagen, meinen wir Ja, und Nein heißt Nein. Wenn wir keinen Kommentar geben, ist Raum für Spekulationen."

Im jüngsten Fall sei die Antwort eindeutig: "Es gibt keine Spannungen. Aber wir wollen künftig bessere Arbeit abliefern."

Nico Rosberg, respektabler Fünfter beim Nachtrennen in der asiatischen Metropole, glaubte den Grund, der die Gerüchteküche zum Brodeln brachte, zu kennen.

"Es läuft nicht gut. Wenn eine Zeitung etwas schreibt, dann stürzt sich jeder auf diese Story", erklärte er: "Meines Wissens ist es nicht wahr. Natürlich ist Druck da, denn wir müssen gewinnen, wollen gewinnen, werden gewinnen."

Jordan: "Würde Michael feuern"

Der anhaltende Misserfolg in seiner Comeback-Saison ist es auch, der immer wieder die Kritik am einstigen Vorfahrer Schumacher befeuert. (WM-Stand Fahrer)

Besonders tut sich auf diesem Feld Eddie Jordan hervor, Schumachers früherer Teamchef. Der Brite hat eine Art persönliche Kampagne gegen seinen einstigen Schützling laufen.

Im Wochentakt äußert der 62-Jährige sich über den deutschen Star. Jüngster Exzess der Jordan-Saga ist seine Idee, Schumacher aus dem Stuttgarter Rennstall hinauszuwerfen.

"Ich würde Michael feuern, denn er ist eindeutig nicht gut genug", so Jordan gegenüber "Motorsport-Total.com": "Er ist nicht einmal annähernd auf dem Niveau seines Teamkollegen." Ein vorzeitiger Rücktritt Schumachers sei laut Jordan ohnehin nicht ausgeschlossen: "Wenn das Auto (2011, d. Red.) nicht gut genug ist, wird er nicht weitermachen."

Schumachers Fahrstil

Der nächste Brandherd also, den Mercedes auszutreten hat.

"Da ist nichts dahinter. Es wäre dumm, in dieser Phase seines Comebacks alles hinzuschmeißen", stellte sich Brawn Äußerungen wie denen Jordans entgegen: "Und das hat er auch nicht vor, da kann ich Sie beruhigen."

Er wiederholte seine Begründung für Schumis mittelmäßige Resultate in der laufenden Saison: "Michaels Fahrstil ist angewiesen auf einen starken Vorderreifen, der seinen harten Brems- und Einlenkmanövern und der hohen Kurvengeschwindigkeit, die er fahren will, standhalten kann."

Rosberg habe es "einfach besser verstanden, wie er mit dem Vorderreifen umzugehen hat". Anders als die drei Topteams Red Bull, Ferrari und McLaren habe Mercedes keinen Weg gefunden, "den Vorderreifen zu nutzen".

"Wäre Michael ein Rookie"

In einem Punkt jedoch gab der Mercedes-Teamchef Schumachers Chef-Kritiker Jordan recht.

Wäre Schumacher nicht Schumacher, hätte er beim silbernen Rennstall schlechte Karten. "Wäre Michael ein Rookie, würden wir uns schon manchmal fragen, ob er das Potenzial hat, sich weiterzuentwickeln. Bei Michael wissen wir, dass es so ist."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel