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Kimi Räikkönen nimmt für das Citroen-Juniorteam an der Rallye-WM teil © getty

Kimi Räikkönen sagt Renault ab und fühlt sich vom Team missbraucht. Die Antwort des luxemburgischen Rennstalls folgt umgehend.

Von Marc Ellerich

München - Das Renault-Team zieht derzeit viele begehrliche Blicke auf sich.

Genauer gesagt, handelt es sich um den Cockpit-Platz des russischen Formel-1-Neulings Witali Petrow, der für die kommende Saison angeblich vakant werden könnte. (293015DIASHOW: Das Fahrerkarussell)

Und die Optionen für 2011 sind rar. Zahlreiche Fahrer interessieren sich daher für die mögliche Arbeitsstelle im luxemburgischen Rennstall, der in dieser Saison durch den schnellen Krakauer Robert Kubica zum Teil hervorragende Ergebnisse einfuhr.

Zu den Bewerbern zählt nach Aussage des Teams sogar ein Schwergewicht wie Ex-Weltmeister Kimi Räikkönen.

Bewerbung bei Renault?

Der Finne, der von Ferrari im vergangenen Jahr vorzeitig aus der Königsklasse in die Rallye-WM verabschiedet wurde, um Platz für Superstar Fernando Alonso zu schaffen, habe sich offiziell beworben, hieß es jüngst seitens Renault-Teamchef Eric Boullier.

"Es zeigt, dass wir uns als Team wieder zu einem ernsthaften Kandidaten auf zukünftige Titel entwickelt haben", so Boullier stolz auf der Homepage der Formel 1.

Die Katze im Sack wolle er freilich nicht kaufen, teilte der Franzose an anderer Stelle mit. Erst wolle er Räikkönens Interesse in einem persönlichen Treffen mit dem Finnen abklopfen.

"Ich muss mit ihm sprechen, ihm in die Augen sehen, ob er genügend Motivation hat, um in die Formel 1 zurückzukehren", sagte Boullier zu "autosport.com": "Es hat keinen Sinn, jemanden zu verpflichten - auch nicht einen früheren Weltmeister - wenn du nicht sicher sein kannst, dass seine Motivation immer noch hundertprozentig ist."

"Bin sehr enttäuscht"

Womöglich kann sich Boullier die Dienstreise nach Finnland sparen, denn Räikkönen ist auf Renault alles andere als gut zu sprechen - er sieht sich vom fünftbesten Rennstall in der Konstrukteurs-WM offenbar als PR-Gag behandelt.

"Ich bin sehr enttäuscht, wie man meinen Namen für Marketing missbraucht", ließ sich der "Iceman" in der finnischen Zeitung "Turun Sanomat" zitieren.

Er habe "niemals ernsthaft in Betracht gezogen, für Renault zu fahren", wetterte Räikkönen weiter. Sein Manager habe "vor einigen Wochen die Situation bei Renault beleuchtet. Das war schon alles".

Räikkönen legte sich sogar auf eine Absage fest: "Ich kann versichern, dass ich zu hundert Prozent im kommenden Jahr nicht für sie fahren werde."

Boulliers Antwort

Tags darauf antwortete Boullier auf Räikkönens scharfe Worte. "Wir waren überhaupt keine Trittbrettfahrer bei Kimis Image", so Boullier: "Wir sind von seinen Managern nach Spa kontaktiert worden. Sie wollten Gespräche beginnen, und zu dem Zeitpunkt sagten wir: 'Bitte wartet ab. Wir fühlen uns geehrt, aber wir müssen erst die Bewertung von Witali Petrows Potenzial beenden. Wenn wir damit fertig sind, melden wir uns wieder. Mehr war nicht."

Er habe sich nie mit dem Thema an die Medien gewandt, betonte Boullier. "Ich sehe den Nutzen nicht, mich an die Medien zu wenden und ihnen mitzuteilen, dass Kimi hinter uns her ist. Was soll das bringen?"

Das große Medieninteresse habe Räikkönen verärgert, vermutete der Franzose, dennoch habe er immer zu seinen Worten gestanden. Und auch als der Flirt öffentlich wurde, sei er immer fair geblieben. "Nun ist die Angelegenheit klar geklärt - für ihn und für mich, und das ist das Ende der Diskussion", kommentierte Boullier Räikkönens Absage.

Über die Schärfe des Tons wunderte der Renault-Teamchef sich jedoch. "Man sollte nach seinen Äußerungen nicht enttäuscht sein. Was ich jedoch nicht verstehe: Warum ist er so aggressiv und beschuldigt uns."

Laudas Skepsis

Wohin es den wortkargen Star aus Espoo nun zieht, ist weiterhin offen. "Kimi hat mehrere Optionen, aber er hat sich noch nicht entschieden", teilte sein Pressesprecher lapidar mit.

Niemals werde Räikkönen 2011 wieder in der Formel 1 auftauchen, glaubt Renn-Legende Niki Lauda. "Man hört, dass er sich mehr - sagen wir - amüsiert denn je zuvor. Dem fehlt der Ernst, an ein Comeback in der Formel 1 zu denken. Er hat ja nicht einmal im Rallyesport eine Leistung gebracht", so Lauda in "Österreich".

Kein Bekenntnis zu Petrow

Doch auch ohne die deutlichen Worte und die offizielle Absage des Finnen hat sich das R-Thema bei Renault erledigt - jedenfalls nach Informationen von "Motorsport-Total.com". Der Verbleib Petrows bei den Luxemburgern sei nach einem Treffen mit russischen Regierungsvertretern am Rande des Singapur-GP gesichert, schreibt das Fachportal.

Offiziell ist davon allerdings wenig zu spüren. Vom Team gibt es vor dem Japan-Grand-Prix (Freies Training, Freitag, 7 Uhr im LIVE-TICKER und im TV auf SPORT1) kein offizielles Bekenntnis zum russischen Rookie.

Vom finanziellen Potenzial her sei der Pilot aus Wyborg für sein Team hoch attraktiv, räumte Boullier via "autosport.com" ein, dennoch entscheide hauptsächlich die fahrerische Leistung über Petrows Zukunft bei Renault.

"Ich weiß, dass ein russischer Fahrer willkommen wäre, und Russland birgt für alle, die in der Formel aktiv sind, ein gewaltiges Potenzial", so Boullier.

Petrow: Zeigen, dass ich es verdiene

Und dennoch: "Performance dominiert ganz klar vor dem Vermarktungspotenzial, denn wenn von einem Fahrer nichts kommt, ist auch die Vermarktbarkeit begrenzt. Man darf nie den Karren vor das Pferd spannen."

Eine Botschaft, die bei Petrow, der bisher lediglich 19 WM-Zähler ansammeln konnte, längst angekommen ist. "Ich muss dem Team in den letzten Rennen zeigen, dass ich es verdiene, im nächsten Jahr hier zu bleiben", sagte der Russe vor dem Rennen in Suzuka.

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