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Milliarden-Geschäft : Zwölf Teams lassen sich die Formel 1 einiges kosten © imago

Geldnot oder zumindest monetäre Motive: Um immerhin fünf der zwölf Formel-1-Rennställe ranken sich derzeit Verkaufsgerüchte.

Von Marc Ellerich

München - Die Formel 1 bleibt ein bewegtes Business - und ein teures noch dazu.

Gleich fünf der derzeit zwölf Rennställe stehen nach einem Bericht von "Motorsport-Total.com" zum Verkauf - komplett oder zumindest in Teilen.

Bei den Kandidaten soll es sich dem Bericht nach um die Rennställe Toro Rosso, Force India, Sauber, Hispania Racing und Virgin handeln. Ihnen gemeinsam sind finanzielle Schwierigkeiten, oder zumindest monetäre Motivationen.

"Keine solchen Pläne"

Toro Rosso, der kleine Bruder des Red-Bull-Teams, sollte schon in der Vorsaison verkauft werden. Dann schlief der Plan von Teameigner Dietrich Mateschitz mangels ernsthafter Interessenten wieder ein. (293015DIASHOW: Das Fahrerkarussell)

Nun soll das Geschäft laut "Motorsport-Total.com" wieder angekurbelt werden, für 30 statt der ursprünglich aufgerufenen 80 Millionen Euro. Ein Schnäppchen, möchte man meinen, doch bisher hat sich noch kein Interessent gefunden.

Eine Sprecherin dementierte gegenüber dem Fachportal ohnehin: "Es gibt Gerüchte, aber derzeit haben wir keine solchen Pläne."

"Team steht nicht zum Verkauf"

Dementis sind auch im Falle von Hispania Racing zu hören. Dem Team wurde aufgrund finanzieller Schwierigkeiten bereits wiederholt der Exitus in seiner Premieren-Saison prophezeit. Zuletzt hieß es, der Rennstall werde die Übersee-Grands-Prix nicht bestreiten können - in Singapur widerlegte HRT derlei Unkenrufe.

Übernahme-Gerüchten widerspricht Teamchef Colin Kolles: "Es ist nicht so, dass das Team zum Verkauf steht und zu einem Dumpingpreis verkauft wird." Investoren hingegen heißt Kolles herzlich willkommen, dieses sei marktüblich.

Sauber dementiert

Anders gelagert ist der Fall Sauber. Teamchef Peter Sauber rettete das Schweizer Team nach dem fluchtartigen Ausstieg von BMW beherzt vor dem Aus - allerdings kündigte er schon damals seinen Abschied zu einem geeigneten Zeitpunkt an.

Offenbar bekommen Berichte über einen möglichen Verkauf nun durch das Formel-1-Engagement des Mexikaners Carlos Slim neue Nahrung. Der reichste Mann der Welt erregte in der Szene zuletzt Aufsehen, indem er seinen Landsmann Sergio Perez für 2011 in eben jenes Cockpit setzte, das im Moment noch Nick Heidfeld inne hat.

Ein zweiter mexikanischer Pilot, GP3-Meister Esteban Gutierrez, wurde als Testpilot engagiert. Peter Sauber betonte allerdings, dass hinter Slims Einstieg keinerlei Verkaufsabsichten seinerseits stünden. Dem "Daily Telegraph" sagte er: "Ich besitze einhundert Prozent der Anteile, und ich habe nicht die Absicht, dass Team oder einen Teil davon zu verkaufen."

Allerdings: "Mit Telmex (Slim-Firma und nun Sauber-Sponsor, d. Red.) wollen wir ein klares Signal an andere Geldgeber senden", so Sauber in "Blick".

Force India in den Schlagzeilen

Dagegen sind die Mutmaßungen im Falle von Timo Glocks Virgin-Team weitaus unspektakulärer. Dort führt Milliardär Richard Branson sein Engagement auch 2011 fort, wie er jüngst erklärte - der Bestand des Teams darf also als gesichert gelten.

Dennoch gehört Virgin dem Engländer nicht mehrheitlich. Sollte ein Investor genügend Geld aufbringen wollen, um die Mehrheit zu übernehmen, wäre ein Abgang Bransons möglich.

Schließlich Force India: Das indische Team von Milliardär Vijay Mallya schrieb bereits in der Vorsaison zahlreiche Negativ-Schlagzeilen. Aufgrund nicht oder nur sehr spät bezahlter Rechnungen, wurde über ein Aus des Rennstalls gemunkelt. Probleme mit den englischen Finanzbehörden heizten die Spekulationen zusätzlich an.

Weiterhin Geldprobleme?

"Motorsport-Total" berichtet auf Basis von Insider-Informationen, an der Geldnot des indischen Vorzeige-Projekts habe sich auch in diesem Jahr nichts geändert.

Ein mögliches Szenario: Mallya, Inhaber eines Bier-Konzerns und einer Fluglinie, erfüllt sich seinen Indien-Traum und bringt ein indisches Team, samt indischem Piloten bei einem indischen GP an den Start - und kehrt dann der Königsklasse den Rücken.

Was gewiss nicht das Aus des Sutil-Teams im bewegten Formel-1-Business bedeuten müsste.

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