vergrößernverkleinern
Michael Schumacher gewann den GP in Suzuka sechs Mal © getty

Der Druck auf Michael Schumacher nimmt zu. Von einem vorzeitigen Aus könne aber keine Rede sein, betont sein Mercedes-Team.

Von Marc Ellerich

München - Michael Schumacher redet nicht lange um den heißen Brei, wenn er nach einem Urteil zu seiner Comeback-Saison nach dreijähriger Formel-1-Pause gefragt wird.

"Es war ein viel härteres Jahr als wir es erwartet haben", räumte der Rekord-Weltmeister, seit Jahresende 2009 in Diensten des Mercedes-Teams, ein.

Tatsächlich hat Schumacher in seinem ersten Jahr für das Silberteam nicht ein einziges Aufsehen erregendes Resultat eingefahren. In der WM liegt Schumi aussichtslos zurück auf Platz zehn, gegen seinen 17 Jahre jüngeren Teamkollegen Nico Rosberg unterlag er in zwölf von bis dato 15 Qualifyings.

Haugs Schutz

Die Journalisten von "Formula Money" wollen obendrein wissen, dass Schumachers magere 46 WM-Zähler den Rennstall aus Untertürkheim 5,98 Millionen Euro gekostet hätten, Rosbergs 122 Punkte seien angeblich ein Drittel günstiger gewesen (Mercedes hat übrigens wiederholt betont, dass sich Schumachers Gehalt durch Werbeeinkünfte mühelos refinanziere).

Alles keine guten Argumente also für den früheren Überflieger, und dass Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug den als Vorzeige-Piloten auserkorenen einstigen Superstar der PS-Liga ausdauernd in Schutz nimmt und auch vor dem GP in Japan davon spricht, dass Schumacher "so gut wie immer" sei, "vielleicht sogar besser", nützt wenig (296767Die Bilder des Trainings).

"Wäre Michael ein Rookie"

Vor allem die englischen Medien benutzen vernichtende Zitate einstiger Weggefährten Schumachers, um dem Deutschen richtig einzuheizen - die Demontage-Kampagne ist seit Wochen in vollem Gange. (Irvine: Schumi-Rückkehr eine Katastrophe)

Neu hingegen ist, dass seit kurzem auch vom Team kritische Aussagen zu hören sind. Zuletzt räumte Teamchef Ross Brawn ein, dass Mercedes mit Schumacher anders verfahren würde, wäre er nicht der beste Fahrer aller Zeiten.

"Wäre Michael ein Rookie, würden wir uns schon manchmal fragen, ob er das Potenzial hat, sich weiterzuentwickeln", wurde das englische "Superhirn" zitiert. Brawn war klug genug, den Sprengsatz durch einen Nachsatz zu entschärfen: "Bei Michael wissen wir, dass das so ist." (28421DIASHOW: Knappste WM-Entscheidungen)

[kaltura id="0_1ms2tzlr" class="full_size" title="Eine Runde in Suzuka"]

"Mit Nico bin ich glücklich"

Nicht lange danach machten weitere Aussagen des alten Schumacher-Weggefährten die Runde. "Mit Nico bin ich glücklich. Nun erwarten wir Fortschritte von Michael, der noch nicht auf dem besten Stand ist", verkündete er in "Bild".

Das Leistungsgefälle zwischen Schumacher und Rosberg ist dem Rennstall-Chef offensichtlich ein Dorn im Auge, wie ein weiteres Zitat deutlich machte. "Mir wäre es am liebsten, wenn sie sich ständig gegenseitig schlagen würden. Es ist nämlich nicht gut, wenn ein Fahrer hinter den anderen zurückfällt."

"So ein Ultimatum gibt es nicht"

Brawn baute also offensichtlich Druck auf Schumacher auf. Von einem Ultimatum an den Star - Leistungsschub in 2011 sonst vorzeitige Vertragsauflösung - von dem "Bild" erfahren haben will, könne aber keinesfalls die Rede sein, beteuerte Haug nach dem Suzuka-Training gegenüber dem TV-Sender "Sky". (Haug: Es gibt keinen Führungsstreit)

"So ein Ultimatum gibt es nicht", bekräftigte der mächtige Schwabe: "Ross hat keine Kritik an Michael geübt. Wir erwarten von uns allen Fortschritte."

Auch Spekulationen über einen vorzeitigen Rückzug Schumachers aus seinem auf drei Jahre angelegten Vertrag verwies Haug ins Reich der Fabel.

"Ganz viele werden noch viel Spaß an Michael haben, da bin ich mir sicher. Wir haben den schon", sagte Haug: "Die Ergebnisse werden kommen, sobald das Auto einen Schritt macht."

Vergleich zu Benetton und Ferrari

Schumacher selbst wirkt - zumindest seinen öffentlichen Äußerungen nach - alles andere als Formel-1-müde.

Seinen holprigen Saisonverlauf ordnete er in Suzuka völlig anders ein als Außenstehende. Sein Mercedes-Engagement sei "ein Langzeit-Projekt, wie damals bei Benetton oder Ferrari. Man muss mal sehen, wie lange es dort gedauert hat, ein Team aufzubauen und zum Erfolg zu führen. Das kann man nicht in aller Kürze schaffen." (POWER-RANKING: Gefahr durch Alonsos Mission)

Mercedes habe "Entscheidungen getroffen, die uns zum Erfolg führen werden", gibt der siebenmalige Weltmeister sich unverdrossen: "Wir sind bestimmt auf dem richtigen Weg, wenn man sich unsere Veränderungen, unsere Fehler und unsere Lernkurve anschaut."

Schumi: Will die Früchte ernten

Ziel sei es, "den Prozess, der (bei Benetton oder Ferrari, d. Red.) vier oder fünf Jahre gedauert hat, zu verkürzen, damit ich davon noch profitieren kann". Er wolle die "Früchte ernten", so Schumacher.

Für jene unter den englischen Journalisten, die nach Kräften daran arbeiten, das Denkmal Schumacher vom Sockel zu stürzen, hatte der Deutsche eine weitere, deutlich verkürzte Botschaft parat. "So schnell werdet ihr mich nicht los."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel