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Lewis Hamilton holte bei 68 Formel-1-Starts 14 Siege © imago

Der Brite kann die WM fast abschreiben - ebenso wie Button. Nur einer ist bei ähnlichem Abstand zuletzt noch Champion geworden.

Von Martin Hoffmann

München - Drei Fahrer sind am Sonntag aus dem WM-Rennen ausgeschieden.

Robert Kubica, Nico Rosberg, Felipe Massa: Sie alle haben in Japan ihre theoretischen Chancen, WM-Leader Mark Webber noch einzuholen, eingebüßt.

Das Rennen um den WM-Titel ist nun also auch offiziell ein Fünfkampf. Doch zwei Verfolger des Australiers sehen ihre Chancen zunehmend schwinden.

Die McLaren-Piloten Lewis Hamilton und Jenson Button sind bei Sebastian Vettels Sieg in Japan in die Außenseiter-Rolle gerutscht ? und vernehmen schon die sportlichen Totenglocken 297593(DIASHOW: Bilder des Rennens).

"Hamilton Horror"

Besonders schrill klingen sie ihnen aus der britischen Heimat entgegen:

"Hamilton Horror" meinte die "Sun". "Auf der Intensivstation" sieht die "Times" Hamiltons Titelchancen: "Viele im Lager von McLaren setzten zwar noch ein tapferes Lächeln auf, aber jeder wusste, dass es eigentlich vorbei ist."

Die "Daily Mail" geht noch weiter: "Die Geschichte kennen wir alle zur Genüge. Alles gegeben, aber nichts gewonnen. Wir gehen mit leeren Händen nach Hause. Viel Glück für die Zukunft. Vielleicht im nächsten Jahr." (Alle Pressestimmen)

Statistik ermuntert nicht

Die Dramatik von Hamiltons und Buttons Lage erschließt sich durch das reformierte Punktsystem erst auf den zweiten Blick.

28 Zähler ist Hamilton mittlerweile von Platz eins entfernt, 31 sind es bei Button (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer). Beide sind drei Rennen vor Schluss also mehr als einen Sieg weit weg.

Einen vergleichbaren Abstand hat in den vergangenen zwanzig Jahren nur einer noch aufholen können: Kimi Räikkönen, der 2007 von der gegenseitigen Neutralisierung der McLaren-Kollegenfeinde Hamilton und Fernando Alonso profitierte.

"... dann marschieren sie durch"

Und der heutigen McLaren-Besetzung dämmert zwischen den routinierten Durchhalteparolen schon, dass sie ein ähnlich außergewöhnliches Szenario brauchen.

"Wir brauchen Siege und Probleme bei den anderen", weiß Hamilton: "Wenn die Red Bulls aber alle Rennen beenden, dann marschieren sie durch."

Genauso deutlich wird der in Japan viertplatzierte Button: "Wenn wir in Korea nicht mit ein paar großen Verbesserungen ankommen, wird es fast unmöglich."

Nicht mehr in der Hand

Er würde zwar gerne glauben, "dass wir nicht auf einen Crash oder andere Probleme bei Red Bull hoffen müssen". Aber: "Wenn sie so schnell sind wie hier, dann schaukeln sie es nach Hause."

Kurz gesagt: Die "Silberpfeile" haben es nicht mehr in der Hand, sie brauchen Glück.

Und Button erinnert daran, dass sie davon eigentlich in dieser Saison schon reichlich hatten: "Wir können uns da nicht beschweren. Schauen Sie sich Red Bull an: Vettel hat ja an die 75 Punkte weggeworfen in diesem Jahr. Sie müssten eigentlich meilenweit voraus sein."

Hamiltons Seuche

Zuletzt war es aber eben McLaren und vor allem Hamilton, der die Seuche hatte.

In Monza und Singapur flog er von der Strecke, in Suzuka holte er als Fünfter zwar wieder Punkte, sprach aber trotzdem vom "schlimmsten Wochenende des Jahres".

Eine ihn ständig behindernde Ohrenentzündung, die Gleichgewichtsprobleme und Taubheit am linken Ohr auslöste, war dabei noch das geringste Problem.

Ein Crash im Training, die Strafversetzung wegen eines ungeplanten Getriebewechsels und dann die neuen Probleme im Rennen, wo Hamiltons dritter Gang ausfiel: Es kam alles zusammen.

Whitmarsh gibt nicht auf

McLaren-Boss Martin Whitmarsh weiß, dass noch so ein Wochenende das endgültige Ende bedeuten würde: "Wir müssen für die letzten drei Rennen hundertprozentige Verlässlichkeit sicherstellen."

Trotzdem betrachtet Whitmarsh die Titelhoffnung noch als "sehr lebendig".

Es gebe "keinen Grund, warum wir in Abu Dhabi nicht noch um die Weltmeisterschaft kämpfen werden".

Nicht überliefert ist, ob auch er dabei tapfer lächelte.

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