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Mark Webber hat in 155 Formel-1-Rennen sechs Siege eingefahren © getty

Red Bull will endlich den Weltmeister stellen. Der Australier hat dabei bessere Chancen als Vettel. Horner beginnt zu rechnen.

Von Björn Seitner

München - "Webber von seinen Nerven verraten", schrieb die italienische Sportzeitung "Corriere dello Sport".

"La Stampa" legte nach und klagte Red-Bull-Pilot Mark Webber der "Unerfahrenheit und Angst vor dem Sieg" an.

Diese Vorwürfe muss sich der 34-jährige Australier nach seinem Fahrfehler in der 19. Runde des Südkorea-Grand-Prix wohl gefallen lassen.

Und so suchte und fand Webber die Schuld für das Malheur auch bei sich: "Das war voll und ganz mein Fehler. Ich kann mich bei meinem Team nur entschuldigen."

Da auch Sebastian Vettel neun Runden vor Schluss in Führung liegend aufgrund eines Motorschadens ausschied, kann man getrost von einer verpatzten Premiere für Red Bull auf dem Korean International Circuit am Yeongam-See sprechen.

Dennoch gibt man sich beim österreichischen Rennstall kämpferisch - die Frage ist nur: Wer soll für wen kämpfen? (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Red Bull will den Titel

Nach fünf Jahren in der "Königsklasse" des Motorsports und Platz zwei in der Fahrer- und Konstrukteurswertung 2009 will Red Bull nun endlich den Weltmeister stellen.

Die Teamwertung führen die Österreicher mit 426 Punkten vor McLaren (399) und Ferrari (374) souverän an.

Doch dieser Titel ist nicht nur Vettel zu wenig.

"Es ist noch nicht vorbei. Man sieht ja, wie schnell etwas passieren kann. Wir haben immer noch die Chance, Weltmeister zu werden", ließ der 23-Jährige verlauten.

Wann greift die Hierarchie?

Dass Vettel dabei nicht nur von sich sprach, sondern auch Teamkollege Webber miteinbezog, könnte ein Ausblick auf den kommenden Grand Prix in Brasilien sein.

Ferrari-Pilot Fernando Alonso, glücklicher Sieger in Südkorea, führt die Fahrerwertung nun mit 231 Zählern an. Hinter ihm folgen Webber (220), Lewis Hamilton (McLaren/210) und Vettel (206).

Bei einer Optimalausbeute von 50 Punkten, hat Vettel 25 Zähler Rückstand, Webber nur elf - greifen nun die hierarchischen Strukturen bei Red Bull?

Direkt nach dem Rennen verneinte dies Teamchef Christian Horner in der "BBC" noch: "Das wäre falsch. Unsere Strategie ist es, beide Fahrer zu pushen."

Entscheidung bis Interlagos

Den Frust verdaut und mit der Angst, Alonso schnappt ihnen den Titel vor der Nase weg, hörte sich das zwei Tage später schon etwas anders an.

"Ich hatte noch keine Zeit, alle Szenarien durchzurechnen, aber das werden wir bis Brasilien tun", so Horner.

Vettel selbst gibt sich trotzig: "Ich kann beruhigt schlafen gehen, im Wissen, in Yeongam alles getan zu haben."

Und weiter mit Blick auf Interlagos: "Unser Team ist stark und unser Auto ist immer noch das schnellste im Feld."

Wheatley will zwei Doppelsiege

"In Brasilien werden wir zurückschlagen", kündigt auch Horner an.

Teammanager Jonathan Wheatley denkt sogar schon an zwei Doppelsiege: "Das Ziel muss sein, die beiden nächsten Rennen auf den Positionen eins und zwei zu beschließen. Dann sehen wir, wo wir damit hinkommen."

Am weitesten würde das Team mit einer Teamorder pro Webber kommen. Auch nach dem folgenschweren Fahrfehler in Südkorea.

Mercedes-Pilot Michael Schumacher hätte diese Variante schon zuvor gezogen: "Hätte man das schon früher getan, wären die Sorgenfalten etwas kleiner. Jetzt muss man damit klarkommen."

"Alle Karten auf Webber"?

Laut McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh habe das Team von Horner nur ein Chance: "Die Logik sagt, dass Red Bull alle Karten auf Webber platziert."

Horner glaubt zumindest an eine schnelle Rückkehr des Australiers: "Als Mark das letzte Mal nicht ins Ziel kam, schlug er schon in darauf folgenden Rennen mit dem ersten Platz zurück. In Brasilien wird er zurückschlagen."

Der Ausfall war beim Europa-Grand-Prix dieses Jahres, das Comeback zwei Wochen später in Silverstone.

Gelingt Webber selbiges nun auch in Brasilien, dürfte die Entscheidung des Teams für das letzte Rennen in Abu Dhabi klar sein.

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