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Ferrari-Pilot Fernando Alonso führt in der WM mit 231 Punkten © getty

Ferrari-Star Fernando Alonso will von einem vorzeitigen Titelgewinn nichts wissen. Nach dem letzten Rennen werde abgerechnet.

Von Marc Ellerich

München - Fernando Alonso hat seinen dritten Weltmeister-Titel zum Greifen nahe.

Bereits beim vorletzten Rennen des Jahres, dem Brasilien-Grand-Prix in Interlagos (Training, Fr. ab 12.45 Uhr im LIVE-TICKER und live im TV auf SPORT1), kann der Spanier bei günstigem Verlauf alles klar machen und in seinem ersten Jahr für die Scuderia Ferrari die Weltmeisterschaft einfahren.

Der Jubel bei den Fans des italienischen Traditionsteams wäre gewiss grenzenlos. Seit 2007, als Kimi Räikkönen, dem McLaren-Mercedes-Duo Lewis Hamilton und Alonso in letzter Sekunde den Titel wegschnappte, wartet Ferrari auf einen neuerlichen Triumph.

"Weiß, dass es möglich ist"

Der erfahrene Pilot aus Oviedo steuerte der allgemeinen Euphorie nach seiner spektakulären Aufholjagd - er siegte in drei der letzten vier Rennen und führt die WM mit elf Zählern Vorsprung vor Red-Bull-Pilot Mark Webber an - jedoch bewusst entgegen.

Vom frühzeitigen Titelgewinn wollte Alonso nichts wissen.

Natürlich fahre er mit besonderen Erinnerungen nach Sao Paulo, wo er 2005 und 2006 als Renault-Angestellter seine ersten beiden Titel perfekt machte. Aber dennoch: "Ich will nicht über die Chance nachdenken, dass sich die Geschichte ein drittes Mal wiederholen könnte. Ich weiß, dass es theoretisch möglich ist, aber das zählt für mich nicht."

"Endabrechnung in Abu Dhabi"

Er werde den brasilianischen Grand Prix nicht anders als die anderen zuvor angehen, behauptete der Ferrari-Star. "Wir konzentrieren uns auf uns, bleiben auf dem Boden und versuchen einen guten Job zu machen, indem wir keine Fehler machen und versuchen, unsere Rivalen zu schlagen."

Rechenspielchen, so Alonso, werde es seinerseits in Interlagos nicht geben: "Ich habe es bereits gesagt, und ich sage es noch mal: Die Endabrechnung kommt erst in Abu Dhabi."

Über die Rolle als Gejagter freue er sich mehr, als über die Rolle des Jägers, immerhin soviel gab Alonso zu.

In Sicherheit wiegen werde er sich deswegen längst nicht - zu vorsichtig hat den Spanier die turbulente Saison gemacht, in deren Verlauf er selbst nach dem England-GP in Silverstone schon satte 47 Zähler zurücklag und nun, kurz vor dem Finale, dennoch die WM-Führung innehat.

Vorsichtiger Domenicali

"Wir wissen, dass der WM-Stand mit dem neuen Punktesystem und den knappen Abständen nicht viel bedeutet. Es benötigt nur ein Rennen - wie wir zuletzt in Korea gesehen haben - und alles sieht wieder anders aus", warnte Alonso.

Seinem Teamchef Stefano Domenicali spricht er mit seiner Vorsicht aus der Seele. "Wir haben gesehen, wie kompliziert die Rennen bisher waren. Für uns bedeutet das, dass wir sehr vorsichtig sein müssen."

An der sportlichen Ausgangslage habe sich gegenüber den vorigen Grands Prix nicht allzu viel verändert, so Domenicali. "Wir können davon ausgehen, dass Red Bull erneut sehr stark ist, während McLaren einige Updates haben könnte, um schneller zu werden. Und natürlich werden auch wir im Kampf dabei sein."

Seitenhieb gegen Red Bull

Einen Seitenhieb erlaubte sich der Italiener dann aber dennoch gegenüber der Konkurrenz.

"Wenn man bedenkt, dass Red Bull ein so großartiges Auto entworfen hat, dass ist es in meinen Augen schon ein Wunder, dass wir um den Titel kämpfen", sagte Domenicali gegenüber "Folha de Sao Paulo": "Hätten wir ein solches Fahrzeug, wäre die WM bereits entschieden."

Eine mehr als deutliche Anspielung auf die zahlreichen vergebenen Großchancen des österreichischen Rennstalls im WM-Rennen.

Unterstützung von Massa

So aber ist die Weltmeisterschaft weiterhin offen - mit einem leichten Plus für Ferrari, wie Alonso vermutete: "Der einzige Unterschied ist, dass es sozusagen genug wäre, vor unseren engsten Rivalen zu bleiben ohne allzu sehr über die Mathematik nachdenken zu müssen."

Und glaubt man seinem Teamchef kann die spanische Nummer eins im vorletzten Grand Prix auf einen wichtigen Verbündeten hoffen: den eigenen Teamkollegen.

Felipe Massa werde an seinem Geburtsort Sao Paulo eine entscheidende Rolle spielen, vermutete der Ferrari-Vorsteher.

"Ich gehe davon aus, dass er den Fans zeigen will, was er drauf hat", sagte Domenicali: "Er wird alles tun, um zu gewinnen."

"Felipe kann von Null anfangen"

Und um aus dem Brasilianer, der von Neuankömmling Alonso in diesem Jahr recht schnell in die Rolle als Nummer zwei gedrängt worden war, noch das letzte bisschen Extra-Motivation zu herauszukitzeln, spornte Domenicali ihn mit der Aussicht auf Chancengleichheit in der kommenden Saison an.

"Ich kann bestätigen, dass Felipe 2011 von Null anfangen kann", kündigte Massas Vorgesetzter an: "Aber er muss wissen, dass Ferrari immer am wichtigsten ist."

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