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Mark Webber (l.) liegt in der WM mit 220 Punkten auf Platz zwei, Vettel ist Vierter © getty

Mark Webber setzt seine verbale Offensive gegen Sebastian Vettel fort. Der Red-Bull-Kollege kontert die Forderung nach Hilfe.

Sao Paulo - Bei Red Bull herrscht weiter dicke Luft. Freunde werden Sebastian Vettel und Mark Webber in diesem Leben wohl nicht mehr, und auch vor dem Herzschlagfinale in der Formel 1 reiben sie sich kräftig aneinander.

Besonders hervor tut sich dabei der elf Jahre ältere Webber, der keine Gelegenheit auslässt, gegen den deutschen Rivalen zu sticheln und sich durch sein ständiges Gejammer und seine Verschwörungstheorien schon vor der Titelentscheidung als schlechter Verlierer präsentierte. Vettel sei der Liebling des Red-Bull-Teams moserte der Australier vor dem Training in Interlagos (Qualifying, Sa. ab 16.45 Uhr im LIVE-TICKER) .

Zuvor hatte er verkündet, Vettels Talent werde überschätzt.

Gelassener Vettel

Der deutsche Jungstar blieb erstaunlich gelassen, möglicherweise im Wissen, tatsächlich die volle Unterstützung des Teams zu haben. (Rechenspiele: Alonso ist Weltmeister, wenn...)

Lediglich auf die Forderung Webbers, der Hesse habe ihm bei 14 Punkten Rückstand trotz eigener WM-Chancen gefälligst zu helfen, konterte Vettel - wohl platziert in jedem einzelnen Interview - mit einem flotten Spruch. Zu helfen sagte er, sei nicht sein Job, "für den Fall, dass jemand Hilfe brauchen sollte, stehen genug Krankenwagen am Streckenrand bereit".

Jene Schlagfertigkeit und Souveränität geht Webber kurz vor der Krönung seiner bisher eher durchschnittlichen Karriere völlig ab. (POWER-RANKING: Für Vettel ist es längst nicht vorbei)

[kaltura id="0_dnuokcxq" class="full_size" title="Die Strecke in Interlagos"]

"Verdammt offensichtlich"

Und so schauten sich die Journalisten in Sao Paulo mehrfach ungläubig an, als der 34-Jährige in einer Presserunde zum verbalen Rundumschlag ausholte. "Technisch hat mir Red Bull alle Chancen gegeben, Weltmeister zu werden. Aber jeder weiß, dass Vettel der geliebte Sohn des Teams ist. Das ist doch verdammt offensichtlich", meinte er.

Dabei sei der einzige Unterschied zwischen ihnen beiden der, "dass Sebastian jung ist. Wäre ich zehn Jahre jünger und hätte diese Resultate, dann würdet ihr doch alle glauben, ich wäre der nächste Superstar", sagte Webber.

Webber fordert Unterstützung

Webber forderte Red Bull erneut zu Teamorder zu seinen Gunsten und Vettel zur Hilfe auf. "Wenn nicht jetzt, wann dann. Der Punktestand spricht eine klare Sprache", sagte er. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Auf Nachfrage machte er kein Hehl daraus, dass er Vettel im umgekehrten Falle wohl nicht helfen würde. "Ich müsste darüber sehr genau nachdenken, um ehrlich zu sein", sagte Webber: "Wir befinden uns schließlich in unterschiedlichen Phasen unserer Karrieren."

Sprich: Vettel solle ihm helfen, weil es für ihn die vielleicht letzte Titelchance ist. Eine kuriose Theorie, vor allem vor dem Hintergrund des gestörten Verhältnisses der beiden.

Viele Feindseligkeiten

Die Feindseligkeiten zogen sich bereits durch die gesamte Saison. In Istanbul schoss sich das Duo gegenseitig von der Strecke, in Silverstone lästerte Webber nach seinem Sieg per Boxenfunk "Nicht schlecht für eine Nummer zwei".

Nach Vettels Sieg in Suzuka schließlich behauptete der Australier, er habe den Rivalen überholen können, wenn er nur gewollt hätte. Das Siegerfoto schwänzte er mit der Ausrede, er dürfe seinen Flieger nicht verpassen, die Mechaniker hielten daraufhin eine Pappfigur des Australiers als Ersatz in die Kameras. (28421DIASHOW: Knappste WM-Entscheidungen)

Vettel verweigert Hilfe

Vor dem Rennen in Brasilien schloss Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz eine Teamorder aus und erklärte, man werde lieber fairer Verlierer als Weltmeister durch Manipulation. Und Vettel denkt gar nicht daran, sich in den Dienst des Kollegen zu stellen.

"Ich sehe meine Chance noch. Fertig, aus. Ich werde niemanden vorbeiwinken", sagte er und deutete sogar an, sich für den Fall der Fälle einer entsprechenden Anordnung zu verweigern: "Wenn es soweit ist, wird man mir vielleicht sagen, was zu tun ist. Ob ich es dann hören will, ist etwas anderes."

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