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Ayrton Sennas Lotus-Renault von 1985 in einem Museum in Sao Paulo © imago

Die Lotus-Gruppe um die ehemalige rechte Hand von Red-Bull-Boss-Mateschitz übernimmt das Kommando beim Rennstall.

Von Martin Hoffmann

München - Lotus-Renault: Das war der Name des Teams, in dem Ayrton Senna in den Achtziger Jahren seine ersten Formel-1-Rennen gewann.

Jetzt kehrt die Kombination zurück - auch wenn die neuen Akteure nur noch wenig mit dem legendären Rennstall von Colin Chapman zu tun hat.

Die Lotus-Gruppe, die das Erbe der 1982 verstorbenen Chapman im Namen, trägt künftig bei Renault die Verantwortung (DATENCENTER: Die WM-Fahrerwertung 2010).

Unter ihrem Banner werden also im kommenden Jahr Robert Kubica und - wie es aussieht - Witali Petrow ihre Runden in der Königsklasse drehen.

Kauf von Anteilen

"Die Lotus-Gruppe wird einen signifikanten Anteil am Team von Genii Capital erwerben", heißt es in der offiziellen Verkündung des Deals.

Diese Investment-Gruppe kontrollierte das Team bis jetzt 75 Prozent ? die übrigen 25 lagen in den Händen des Autokonzerns.

Der hat diese Anteile nun über Genii an die Lotus-Gruppe verkauft.

"Diese Multi-Partner-Allianz wird eine neue Dynamik ins Team bringen und ermöglichen, ab nächster Saison mit den Besten zu kämpfen", freut sich Renault-Konzernchef Carlos Ghosn über die bis 2017 laufende Verbindung.

Bahar tritt ins Rampenlicht

Zum starken Mann des Teams, das in den traditionellen Farben Schwarz und Gold unterwegs sein soll, steigt der 36 Jahre alte Schweizer Dany Bahar auf, Geschäftsführer der Lotus-Gruppe.

Der war einst rechte Hand von Dietrich Mateschitz beim Red-Bull-Konzern und gehörte später zur Unternehmensleitung von Ferrari.

Jetzt jubiliert er über die neue Partnerschaft: "Ich kann mir keine bessere Kommunikationsplattform für eine Automobilmarke vorstellen als Motorsport und die Formel 1."

Dazu erklärte er zum Namensstreit um Lotus: "Uns ist sehr wohl bewusst, dass es um die Verwendung unserer Marke in der Formel 1 viele Kontroversen gegeben hat, aber ich stelle unsere Position gerne erneut formell klar: Wir sind Lotus und wir sind zurück."

Was wird aus "Team Lotus"?

Das Lotus-Team der vergangenen Saison steht damit nun vor einer ungewissen Zukunft.

Der Hinterbänkler-Rennstall des malaysischen Fluglinien-Chefs Tony Fernandes war 2010 Lizenznehmer der Lotus-Gruppe, sagte sich danach aber von ihr los und will nun als "Team Lotus" an den Start gehen - kurioserweise ebenfalls mit Renault-Motoren.

Die Unterstützung von Proton, dem malaysischen Staatskonzern, der hinter der Lotus-Grupp steht, hat er hierbei nicht, wie im Zuge des Renault-Deals nun klar wurde.

Druck aus der Politik?

Vorstandschef Mohd Nadzmi bin Mohd Salleh begrüßte diesen nämlich ausdrücklich.

"Motorsport-Total.com" berichtet außerdem von Druck auf Malaysias Politik auf Fernandes, in dem Namensstreit klein bei zu geben.

Es werde gemunkelt, dass Fernandes' Team zurückstecken und 2011 unter einem anderen Namen an den Start gehen würde.

Kampfansagen via Twitter

Glaubt man dem, was Fernandes bei Twitter verbreitet, sieht die Lage jedoch anders aus:

"Dany Bahar hat uns einen Gefallen getan. Nie hatte ich ein besseres Gefühl, was unsere Zukunft und Team Lotus angeht. Es sieht so aus, als wollten sie unsere schwarz-goldene Idee entführen", ließ er nach dem Deal wissen.

Fernandes' Technikchef Mike Gascoyne twitterte hingegen nach dem Zusammenschluss von Renault und der Lotus-Gruppe ins Web: "Verlasst euch drauf: Wir sind Team Lotus und wir sind gekommen, um zu bleiben."

Mit britischem Humor fügte er an: "Bei Lotus ist es wie bei den Bussen. Du wartest ewig und dann kommen auf einmal zwei daher."

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