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Christian Horner (l.) und Sebastian Vettel gehen in ihre dritte gemeinsame Saison © getty

Die Rennstallvereinigung prüft Vorwürfe, dass das Weltmeister-Team von 2010 mehr Geld investiert haben soll als erlaubt.

Von Marcus Giebel

München - Hat sich Red Bull die beiden WM-Titel 2010 erschummelt?

Das Team von Sebastian Vettel sieht sich Vorwürfen ausgesetzt, das von der Teamvereinigung FOTA für alle Rennställe verbindliche Resource Restriction Agreement (RRA) unterlaufen zu haben.

Diesen Verdacht äußern Konkurrenten unter dem Deckmantel der Anonymität und der ehemalige FIA-Chef Max Mosley offen.

Und laut Vize-Präsident Stefano Domenicali geht die FOTA der Angelegenheit nach.

330 Millionen Euro für die WM?

Mit der RRA sollten die Mitarbeiteranzahl, die externen Ausgaben und die aerodynamische Entwicklung begrenzt werden. Quasi auf freiwilliger Basis, denn klare Obergrenzen gibt es nicht.

Weshalb die Österreicher nun umso mehr in den Fokus rücken - 330 Millionen Euro soll ihnen das Erfolgsjahr wert gewesen sein. "Sie haben bei einem Treffen der FOTA nach einer Ausnahmegenehmigung gefragt", erläutert Mosley, selbst kein Freund des RRA.

Er schlussfolgert: "Das kann nur bedeuten, dass sie mehr Geld ausgegeben haben als sie durften und die anderen Teams nun um Erlaubnis bitten wollten."

Auch ein ungenanntes Mitglied eines Top-Teams hatte gegenüber der "BBC" Verdachtsmomente gegen Red Bull geäußert.(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

Horner: "Sehr effizient gearbeitet"

Deren Teamchef Christian Horner hat bei "Autosport" jede Schuld von sich gewiesen: "Wir haben uns an die Vorgaben gehalten, und wir verfügen lediglich über das dritt- oder viertgrößte Budget in der Formel 1." Das Team hätte eben "sehr effizient gearbeitet".

Dennoch könne er die Reaktion der Konkurrenz nachvollziehen. "Wenn man Rennen und Titel gewinnt, wird man immer hinterfragt", betont der Engländer.

Horner denkt, "dass eher andere Teams Probleme hatten, sich an die Regeln zu halten, weil sie im Verlauf des Jahres zusätzliche Arbeit am Frontflügel oder an der Fahrzeughöhe erledigen mussten".

"Alle Möglichkeiten"

Zu befürchten haben er und die Bullen ohnehin kaum etwas. So stellte Ferrari-Teamchef Domenicali klar, dass ein Schuldspruch sich nicht auf die Ergebnisse des Vorjahres auswirken werde - da das FOTA-Agreement keine offizielle Regel der FIA ist.

Einzig eine Verschärfung der Ausgabengrenze für dieses Jahr drohe. Zugleich kündigte Domenicali an: "Die FOTA hat alle Möglichkeiten, die Situation zu klären."

Dennoch bleibt festzuhalten: Trotz des Verdachts wagt sich niemand aus der Deckung und zeigt öffentlich mit dem Finger auf Red Bull.

Top-Teams setzen Lockerungen durch

Kein Wunder, wurden doch mit der Verlängerung des RRA bis 2017 einige Lockerungen in Kauf genommen. Durchgesetzt haben diese wieder einmal die großen Rennställe.

Die Teams besitzen künftig also noch mehr Spielraum. McLaren-Teamchef und FOTA-Präsident Martin Whitmarsh gibt sich längst keinen Illusionen mehr hin:

"In einem umkämpften Umfeld wie der Formel 1 suchen die Leute unweigerlich nach Schlupflöchern oder sie versuchen, sich einen Vorteil zu verschaffen. Das gehört halt zum Sport dazu und damit muss man rechnen."

So wirkt doppelbödig, wenn Horner über das RRA sagt: "Es ist eine gute Methode und positiv für die gesamte Formel 1 - wenn es fair, einheitlich und transparent ist."

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