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Der verstellbare Heckflügel und die neuen Reifen gehören zu den größten Änderungen © getty

"Flügel-Turbo", KERS-Comeback, neue Reifen: Eine Reihe von Regeländerungen mischt die Karten neu - SPORT1 gibt einen Überblick.

Von Martin Hoffmann

München - Doppel-Diffusor, F-Schacht, verstellbare Frontflügel: Es waren die großen Technik-Themen der vergangenen Formel-1-Saisons.

In der kommenden sind sie keines mehr: Alle drei Innovationen sind für 2011 verboten worden.

Die Formel 1 wäre aber nicht die Formel 1, würden nicht im Gegenzug sofort neue Regeln und Spielereien auf Teams, Fahrer und Fans zukommen.

Neuerungen, die die Teams beim Testbeginn am 1. Februar in Valencia eifrig erproben werden - und die schon jetzt ebenso eifrig diskutiert werden.

SPORT1 gibt den Überblick über die Neuheiten im Formel-1-Regelwerk.

Verstellbarer Heckflügel:

Es klingt für manch einen Laien wie eine Detailspielerei, soll aber die aufregendste Neuerung des neuen Jahres werden.

Die Möglichkeit, das Hinterteil des Boliden per Knopfdruck im Rennen für einen Moment windschnittiger und damit schneller zu machen, soll nämlich zu mehr Überholmanövern animieren.

Was sich einfach anhört, ist aber mit einigen bürokratischen Hürden versehen: Den Flügel-Button darf ein Fahrer nämlich nur zu bestimmten Zeitpunkten betätigen.

In den ersten beiden Runden nach dem Start und einer Safety-Car-Phase geht nichts. Danach dürfen Fahrer einmal pro Runde den Flügel verstellen - aber nur an einem vorher von der Rennleitung festgelegten Ort.

Ferrari-Teamchef ist skeptisch

Es wird in der Regel ein überholfreundlicher auf der längsten Gerade der Strecke sein. Dort muss der Überholende eine Sekunde oder weniger hinter dem vorausfahrenden Boliden zurückliegen.

Der Überholte darf selbst nicht mit dem Flügel-Button kontern, um das Manöver abzuwehren.

Ein etwas kompliziertes System, das durch Tests und die Erfahrungen in den Rennen noch modifiziert werden könnte.

Und das auf Skepsis trifft: "Werden die Duelle wirklich spektakulärer, oder zu vorhersehbar?", fragt sich Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali.

"Zu künstlich"?

Auch Red-Bull-Tüftler Adrian Newey sorgt sich, dass das System das Überholen "zu leicht" machen könne.

Wenn etwa der Zweitplatzierte eines Rennens bis zu letzten Runde warten würde, um dann den Spitzenreiter mit einem Knopfdruck zu kassieren, werde die Sache "zu künstlich".

Williams-Routinier Rubens Barrichello brachte derweil bei "Motrosport Aktuell" auch Sicherheitsbedenken ins Spiel: "Da ist jetzt ein Knopf mehr auf dem Lenkrad, den wir bei Tempo 300 betätigen."

Comeback für KERS:

Einen Hauch von grüner oder grün anmutender Innovation sollte schon 2009 das Kinetic Energy Recovery System in die Formel 1 bringen.

2010 wurde das Hybrid-System aber wieder abgeschafft: Für die meisten Teams überwogen die Nachteile wie das zusätzlich Gewicht des Konstrukts die Vorteile. Außerdem gab es Pannen wie die Stromschläge, die sich Mechaniker einfangen.

KERS und Heckflügel-Power als Spannungselement

Nun ist KERS zurück und das Prinzip wie gehabt: Per Knopfdruck kann das Auto für genau 6,7 Sekunden 82 zusätzliche PS auf die Straße bringen.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

Die Kombination mit dem Heckflügel-Boost soll hierbei für zusätzliches Prickeln sorgen.

Neue Reifen:

Nach dem Ausstieg von Bridgestone beliefert nun der italienische Hersteller Pirelli alle Teams mit seinen Pneus.

Ein Wechsel, der mehr Folgen haben wird als ein neues Firmenlogo an den Autorädern.

Red-Bull-Tüftler Adrian Newey sieht es für die Teams als "wahrscheinlich größte Herausforderung" an, "die neuen Pirelli-Reifen im Detail zu verstehen und herauszufinden, was sie vom Auto erfordern".

Pirelli kommt Wünschen nach

Ändern soll sich vor allem die Mischung der Vorderreifen, mit dem unter anderem Michael Schumacher in der Vorsaison nicht richtig zurechtkam: Das unter anderem durch den "Gripmangel" entstehende Untersteuern behagte ihm nicht.

"Man hat uns gebeten, einen stärkeren Vorderreifen anzubieten, was wir getan haben", verkündete Pirelli-Motorsportdirektor Paul Hembery bei "Autosport".

Weitere Neuerungen:

Die 2003 abgeschaffte 107-Prozent-Regel kommt in modifizierter Form zurück.

Fahrer die im ersten Quali-Durchgang um mehr als sieben Prozent langsamer sind als der Schnellste, dürfen nicht am Rennen teilnehmen.

Ausnahmen für Spezialfälle wie einen Wetterumschwung als Ursache für eine derartige Lücke behalten sich die Regelhüter vor.

Die Rennleitung kann direkt nach dem Rennen künftig auch höhere Strafen verhängen: Der Höchstsatz steigt von 100.000 auf 250.000 Euro.

Schumacher-Alonso-Vorfall sorgt für Regelverfeinerung

Andere Detailänderungen am Regelwerk sind Folgen aus Vorfällen der Vorsaison:

So müssen die Autos nach dem Qualifying aus eigener Kraft zurück in die Boxengasse, damit die FIA eine Benzinprobe nehmen kann. Auslöser hierfür war Lewis Hamilton, dessen McLaren in Montreal dorthin geschoben werden musste.

Im Rennen sind Überholmanöver nun klar verboten, wenn das Safety Car in der vergangenen Runde noch auf der Strecke war - Konsequenz aus der umstrittenen Attacke Schumachers auf Fernando Alonso in Monaco.

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