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Sebastian Vettel startet im März in seine sechste Saison in der Formel 1 © getty

Weltmeister Sebastian Vettel enthüllt in Valencia den neuen Red-Bull-Rennwagen. Kampfansagen an die Konkurrenz verkneift er sich.

Aus Valencia berichtet Marc Ellerich

Valencia - Fast lautlos erblickt Sebastian Vettels neues Arbeitsgerät das Licht der Welt. Um 8.30 Uhr, zehn Minuten vor der Zeit rollen sieben Red-Bull-Mechaniker den RB7 aus der Garage am Circuit Ricardo Tormo in Valencia 345021(Bilder).

Die blaue Decke bleibt erstmal drauf.

Mit der Ruhe ist's dann allerdings vorbei, als der Weltmeister Hand anlegt, um den neuesten Streich des Design-Genies Adrian Newey der Fotografen-Hundertschaft vorzuführen (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News).

Was allerdings sofort auffällt, ist die Sachlichkeit, mit der Vettel und sein australischer Teamkollege Mark Webber ihre Arbeit an diesem frühen spanischen Morgen verrichten. Webber, 2010 von Vettel im WM-Kampf, bitter geschlagen, blickt fast so ernst drein, als hätte er gerade erst den Titel verloren.

Immerhin: Vettel friert, aber er lächelt, die Fotografen freut's.

Selbstbewusste Vorsicht

Auch auf der Pressekonferenz wartet die Journalistenmeute vergeblich auf Kampfansagen an die Konkurrenz. Vettel, Webber, Newey und Teamchef Christian Horner absolvieren den Fragen-Parcours mit selbstbewusster Vorsicht.

"Wir sind nicht arrogant", fasst Horner die Haltung seines österreichisch-britischen Teams zusammen.

"Es ist eine neue Situation für das Team", schiebt er nach, sehr motiviert seien seine Leute, sehr konzentriert.

Vettel nimmt Rolle des Gejagten an

Erstmals, nach nur sechs Jahren Anlauf, findet sich der Rennstall in der Rolle des Gejagten wieder, ist nicht mehr Jäger. "Wir werden das Beste geben, um unseren Titel zu verteidigen", kündigt der Engländer mit Blick auf die ungewohnte Konstellation an.

Vettel, der sein Auto nach eigenen Angaben an diesem Morgen erstmals aus einem Guss gesehen hat, hat mir der neuen Rolle als Anführer des Formel-1-Fahrerfelds angeblich kein Problem

Nummer eins als Antrieb

Die Nummer eins des Weltmeisters, die er in den 20 Grands Prix des Jahres stolz auf seinem Auto tragen wird, betrachtet er als Antrieb nicht als Belastung. "Das kümmert mich nicht", behauptet Vettel etwas flapsig: "Niemand kann uns wegnehmen, was wir erreicht haben, das ist ein großes Plus."

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Doch genau darum geht es ja in der längsten Saison der Formel-1-Historie. Alle wollen sie dem 23-jährigen Hessen den Titel wieder abluchsen, allen voran die Riege der geschlagenen Top-Teams: Ferrari, McLaren, mit Abstrichen Mercedes.

Und natürlich ist Vettel viel zu schlau, um das nicht im Hinterkopf zu haben. "Die Meisterschaft zu holen ist nie einfach", sagt er auf SPORT1-Nachfrage.

Erst schnell, dann zuverlässig

"Garantien, dass es besser läuft, gibt es nicht", schiebt der neue, deutsche Vorzeige-Pilot an anderer Stelle nach. Er rechne mit einem erbitterten Kampf um den diesjährigen Weltmeister-Titel. Von einem Spaziergang zur Weltmeisterschaft will Vettel jedenfalls nichts wissen. Auch die teils leichtfertig verschenkten WM-Zähler des Vorjahres seien da kein Argument.

Zwar sei es gut ein schnelles Auto zu haben, sagt er gegenüber SPORT1 über den RB7: "Das ist der Jackpot. Es ist leichter, ein schnelles Auto zuverlässig zu machen, als anders herum."

Die Wunderzeiten des Vorjahres und die technischen Daten des neuen RB7 - der Rennstall hält sie in seiner Präsentation ohnehin geheim - geben dem Heppenheimer aber längst keine Gewissheit, der Konkurrenz überlegen zu sein.

Neues Jahr, neue Regeln

"Wir müssen besser werden, sonst ziehen die anderen vorbei", fordert der Weltmeister von seinem Rennstall. "Es wird sehr interessant sein, die anderen Autos im Vergleich zu sehen."

[kaltura id="0_ld0bepg3" class="full_size" title="Vettels Loblied auf Schumi"]

Der Champion belauert also ziemlich neugierig seine Rivalen, die Gründe dafür sind KERS, Pirelli und das neue Flügelsystem, welches in diesem Jahr einmal pro Runde auf Befehl der Rennleitung verstellt werden darf - um das Überholen zu erleichtern.

Newey: KERS eine "große Herausforderung"

Als einziges der vier Spitzenteams hat Red Bull keine Erfahrung mit der "großen Herausforderung", wie Chef-Designer Newey das kinetische Energie-Rückgewinnungssystem KERS bezeichnet.

Die Konkurrenten haben einen deutlichen Vorsprung. Lewis Hamilton feierte 2009, noch zu McLaren-Mercedes-Zeiten den ersten Rennsieg mit dem System, das die Autobauer aus Stuttgart lieferten. Auch Ferrari hat Erfahrung mit der Technik.

Reise ins Ungewisse

Dann die Pirelli-Reifen und der bewegliche Flügel. "Wie das Ganze sich auswirken wird, ist schwer zu sagen", meint Vettel: "Weil keiner Erfahrung damit hat."

Und, wer weiß, vielleicht zaubert ein Rivale auch in diesem Jahr wieder eine Neuerung aus dem Hut, die alle anderen staunen, lässt.

"Das ist der Reiz der Formel 1, dass so etwas immer passieren kann", meint Aero-Genie Newey, der die Konkurrenz bereits mehrfach überrumpelte.

Gründe genug also zur Vorsicht. "Es ist nicht gottgegeben, dass du das beste Auto hast", kommentiert Vettel das Pokerspiel um das beste Handwerkszeug, das weit vor diesem Dienstagmorgen in Valencia begonnen hat.

Alonso zeigt sich

Eines aber ist gewiss, das weiß der Weltmeister: "Am Ende wird das Meisterschafts-Tableau nicht lügen."

So fern in die Saison mag er in Valencia nicht blicken: "Ich habe andere Sorgen, als zu weit vorauszudenken", meint Vettel, und wie um zu beweisen, dass der Champion Recht hat, legt Ferrari-Star Fernando Alonso die erste Bestzeit des Vormittags hin.

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