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Michael Schumacher geht in seine 18. Formel-1-Saison © getty

Michael Schumacher geht in seine 18. Saison. Die Erwartungen sind gewaltig - auch bei ihm selbst. Doch er hat auch Zweifel.

Von Marc Ellerich

München/Valencia - Aufgeregt wie selten startet die Formel 1 in die neue Saison.

Was gewiss vor allem an dem Nachhall des krimihaften Titelrennens im Vorjahr liegt, das im letzten Grand Prix tatsächlich einen neuen, deutschen Weltmeister gebar.

Aber bei allem Hype um Jung-Superstar Sebastian Vettel, der zum Auftakt der Wintertest auf dem Circuit Ricardo Tormo ganze Armeen von Reportern anlockt, - auch das "deutsche Nationalteam" Mercedes Grand Prix mit seinen Stars Michael Schumacher und Nico Rosberg ist trotz einer mittelmäßigen ersten Saison bei weitem nicht aus dem öffentlichen Fokus verschwunden.

Im Gegenteil: Hohe Erwartungen, viele Fragen und gewiss auch einige Zweifel werden den Silberpfeil, Version MGP W02, nach seiner ersten öffentlichen Ausfahrt am frühen Montagmorgen fürs erste begleiten. 344319(DIASHOW: Der neue Silberpfeil)

"Läuft alles sauber?"

Kann es Mercedes? Aber vor allem: Kann es Schumacher noch, der Überpilot, der siebenmalige Weltmeister, der Superstar einer ganzen Formel-1-Generation?

Schumacher, der alte Fahrensmann, der in Valencia seine 18. Formel-1-Saison beginnt, versucht der Aufgeregtheit mit der ganzen Routine seiner 268 Rennstarts zu begegnen.

Die ersten Kilometer? Alles wie immer. "Du achtest auf ganz banale Dinge. Läuft alles sauber und rund? Gibt es komische Geräusche? Funktioniert das Getriebe? Am Anfang kommt es nur auf Kilometer und nicht auf die Rundenzeit an", berichtete er nach seinen ersten Erfahrungen im neuen, silbernen Geschoss.

Nur 14 Runden

Und selbst, dass die Erprobungsfahrt wegen Hydraulik-Problemen am Mercedes denkbar knapp ausfiel, brachte Schumacher - zumindest öffentlich - nicht aus der Ruhe. (SERVICE: Alle Resultate der Wintertests)

"Ein interessanter, aber kurzer Tag", kommentierte er die lediglich 14 Runden, in denen er sein neues Arbeitsgerät ausprobieren konnte. Das Gefühl sei positiv, "von außen sieht unser neues Auto wunderschön aus".

Doch natürlich weiß Schumacher, was die Stunde geschlagen hat. Sein Team, sein Land, ja die ganze Motorsport-Welt, will Siege sehen vom einstigen Beherrscher der Formel 1.

Haug: Er stellt sich

Schumacher weicht dem hohen Erwartungsdruck nicht aus, im Gegenteil. "Er stellt sich", berichtete Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug in Valencia.

Viele Kritiker hätten im vergangenen Jahr gefragt: Warum tut er sich das an?, bemerkt Haug. Die Antwort liefert der mächtige Funktionär sofort mit: "Michael will das i-Tüpfelchen auf seine Karriere setzen. Daran arbeitet er."

Er habe keinerlei Bedenken, dass Schumacher diese Prüfung bestehen werde, bekräftigte Haug auf SPORT1-Nachfrage: "Ich habe keinen Grund zu zweifeln, dass Michael, wenn wir ihm das technische Rüstzeug liefern, erfolgreich sein wird."

Den gewaltigen Druck würden Schumacher und sein Rennstall schon aushalten: "Druck gehört zum Geschäft. Und aus Druck werden auch Diamanten."

"Völlig aus der Puste"

Schumacher selbst wiederholte derweil in unzähligen Versionen und Textlängen sein Mantra. Er befinde sich auf einer Mission, die da lautet: Titel Nummer acht.

Und offenbar hat er sich winters fieberhaft auf sein Projekt vorbereitet. Sein langjähriger Weggefährte, Mercedes-Teamchef Ross Brawn berichtete in der "Sport Bild" von dem enormen Aufwand, den Schumacher vor der zweiten Saison nach seiner Rückkehr betreibe.

"Bezüglich seiner Herangehensweise, seiner Hingabe, seiner Professionalität hat er sich überhaupt nicht verändert. Als ich kürzlich mit ihm telefoniert habe, konnte ich ihn kaum verstehen, weil er völlig aus der Puste auf dem Fahrrad saß."

Er gehe davon aus, dass Schumacher die Rückschläge der Vorsaison "nur noch stärker" gemacht hätten.

Jugendliche Konkurrenz

Und doch: Ganz frei von Zweifeln scheint der alternde Superstar des elitären Highspeed-Zirkels nach den Erfahrungen der Vorsaison nicht zu sein, als das Auto der Konkurrenz hinterher und sein Junior-Partner Rosberg ihm um die Ohren fuhr.

Auslöser sind nicht die jüngsten Berichte über seine Simulator-Schwäche oder der beständige Vergleich mit der Jugend, Weltmeister Vettel zum Beispiel könnte glatt als sein Sohn durchgehen.

Solche bunten Geschichten lächelt Schumacher weg, oder hat zumindest gute Gründe sie nicht allzu ernst zu nehmen.

Gespannter Blick auf die Konkurrenz

Schumachers Problemzone rollt nach eigener Wahrnehmung wie 2010 auf vier Rädern.

"Wir haben uns extrem gesteigert", erklärte Schumacher der "Süddeutschen Zeitung", woher er seine Zuversicht für die kommenden 20 Grands Prix beziehe: "Die Frage ist nun: Wie groß ist die Steigerung im Vergleich zur Konkurrenz?"

Zwar sei der neue Silberpfeil nach der "kleinen Fehlgeburt" der Vorsaison "ein besserer Mercedes, ein besseres Auto generell", dennoch: "Vielleicht kommen die mit einem Stein des Weisen an, an den wir nicht gedacht haben."

"Nicht ganz mittig"

Es ist so ein Hin und Her aus Ist und Soll, das Schumachers Sätze durchzieht. Der Titel? Ja, "wir können um die Weltmeisterschaft mitfahren." 2011? Eher nicht. "Ob wir das noch in diesem Jahr hinbekommen, bezweifle ich noch ein bisschen."

Doch trotz solcher Bedenken, "dass wir den Nagel vielleicht noch nicht ganz mittig auf den Kopf getroffen haben", Schumacher legt die Messlatte bewusst hoch.

Podiumsplatz zu wenig

Eine Podestplatzierung 2011 sei ihm, dem 91-maligen Grand-Prix-Sieger nicht genug. "Natürlich ist man lieber auf dem Podium, als dass man um Platz vier bis zehn fährt, andererseits bin ich nicht zurückgekommen, um noch einen Podiumsplatz mehr zu erreichen. Ich habe andere Ziele."

Schumacher weiß, dass Fans und Reporter solche Sätze lieben. Er weiß aber auch, dass er an solchen Sätzen gemessen wird. In diesem Jahr gewiss noch mehr als sonst.

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