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Ross Brawn holte 2009 mit Brawn GP den Fahrer- und den Konstrukteurstitel © getty

Die Experten rätseln munter: Wo steht Mercedes GP? Teamchef Ross Brawn hingegen gibt sich weiterhin äußerst gelassen.

Von Marc Ellerich

München - Immerhin, die Ausgangslage ist klar: Mercedes GP und seine beiden Star-Piloten Michael Schumacher und Nico Rosberg wollen 2011 viel erreichen.

Siege sollen her im zweiten Jahr des deutschen Teams, koste es, was es wolle.

Die Frage, inwieweit der Vorzeige-Rennstall in der bevorstehenden Saison seine ehrgeizigen Ziele tatsächlich umsetzen kann, bietet auch nach dem dritten Test-Block der Formel 1 in Barcelona jede Menge Raum für munteres Rätselraten.

Bestzeiten (Nico Rosberg am dritten Tag) wechselten in Spanien - wie auch schon bei den Erprobungsfahrten davor - munter mit Mittelfeld-Platzierungen oder sogar hinteren Rängen (Michael Schumacher am letzten Tag) ab. (Schumi: Wir können Siege einfahren)

Haug: Nicht reif für Top 10

Zeitweilig fehlten dem Team fast fünf Sekunden auf den Tagesbesten, dann wieder hatte man auf einmal einige Zehntelsekunden Vorsprung. (SERVICE: Resultate der Barcelona-Tests)

Wo steht Mercedes? Das fragen sich selbst ausgewiesene Experten wie Weltmeister Sebastian Vettel. "Bei Mercedes versteht man nicht immer alles", urteilte der Red-Bull-Pilot in Barcelona vorsichtig.

Bei vielen Kennern herrschte nach den vorletzten Übungsfahrten deutliche Skepsis bezüglich des Leistungsvermögens der Silberpfeile.

Er sehe "keinen logischen Grund, warum sie zu McLaren oder Ferrari aufschließen sollten. Zu Red Bull schon mal gar nicht", unkte der frühere Rennfahrer und Toro-Rosso-Teamchef Gerhard Berger in der "Sport Bild".

Und selbst Mercedes' Motorsportchef Norbert Haug räumte gegenüber "auto, motor und sport" ein: "Wir wissen, dass unser Auto im Moment noch nicht reif für die Top 10 ist."

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Nur eine Momentaufnahme?

Doch genau hier liegen die Hoffnungen aller Mercedes-Veranwortlichen: dass der MGP W02 in seiner jetzigen Form lediglich eine Momentaufnahme ist. Ein Modell, mit dem sich wertvolle Test-Kilometer einsammeln lassen, deren Erfahrungen dann in den finalen, den ganz großen Wurf einfließen sollen.

So jedenfalls lassen sich die Worte von Mercedes-Teamchef Ross Brawn interpretieren.

"Es war von Anfang an unser Plan, das Auto in einer Basis-Spezifikation zu präsentieren und dann mehr Zeit ins erste Update zu stecken", erinnerte Brawn alle Kritiker an sein Statement vom "Vanilleeis-Mercedes pur".

Brawn: Kennen die Gründe

So hatte er die Ur-Version des Silber-Renners getauft. Und diese soll erst beim Saisonstart, zunächst in Bahrain, nun in Melbourne, in deutlich überarbeiteter Version glänzen. (DATENCENTER: Rennkalender 2011)

Wohl deshalb nimmt Brawn den teilweise deutlichen Abstand zu den Besten reichlich sportlich auf.

"Uns ist die Pace unseres Autos bewusst und wir kennen den Abstand zur Spitze, sowie die Gründe dafür", beantwortete er kritische Fragen nach dem Rückstand von Schumacher und Rosberg auf die Schnellsten des Feldes.

Löcher in der Karosserie

Für ihn sind die teils deutlichen Abstände nach ganz vorne keineswegs ein Grund Trübsal zu blasen - im Gegenteil: "Wir haben eine sehr gute Basis, auf die wir aufbauen können. Unser Team macht gute Fortschritte, und der Silberpfeil wird immer besser."

Gegenüber "auto, motor und sport" nannte Brawn den silbernen Boliden "vernünftig". Und weiter: "Wenn alles mal dran ist, was dran sein sollte, dann wird es kein schlechtes Auto sein."

Auch die großen technischen Turbulenzen der bisherigen Wintertests - Hydraulik- und Kühlprobleme - beunruhigen den Engländer offenbar nicht. Nicht einmal die Hitzeentwicklung unter der Verkleidung, die dem Silberteam noch das größte Kopfzerbrechen bereitet.

"Beim Thema Kühlluft-Auslass müssen wir noch unsere Hausaufgaben machen", räumte Brawn ein: "Wir hatten in Jerez ein paar Temperaturprobleme und mussten Löcher in die Karosserie schneiden. Bis zum letzten Barcelona-Test haben wir das im Griff."

Ziele bleiben unverändert

Brawn strahlt eine Menge Zuversicht aus. Doch natürlich weiß der Mercedes-Teamchef, dass er ziemlich bald daran gemessen werden wird.

Beim finalen Test in der katalanischen Metropole will er ernsthaft überprüfen, wo sein Team steht: "Beim Abschlusstest in Barcelona schauen wir auf die Rundenzeit."

Und bis zum Saisonstart Ende März in Melbourne werde Mercedes noch einen großen Schritt machen, kündigte Brawn jetzt schon an.

Von den großen Plänen, die der Renommier-Rennstall für 2011 vor hat, will der Teamchef ohnehin keinen Millimeter abweichen: "Unser Ziel ist und bleibt, mit den Besten mitzuhalten."

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1)

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