vergrößernverkleinern
Felipe Massa fuhr bei den Wintertests in Barcelona und Jerez zweimal Bestzeit © imago

Nach der bitteren WM-Pleite 2010 glänzt Ferrari in der Saisonvorbereitung. Besonders Felipe Massa gibt sich sehr selbstbewusst.

Von Marc Ellerich

München - Der Stachel der Niederlage, er saß tief bei der stolzen Scuderia.

Auf den letzten Umläufen des Formel-1-Jahres 2010 hatte Ferrari den scheinbar sicheren WM-Titel verspielt. Nicht der rote Vorfahrer Fernando Alonso stemmte beim Saisonfinale in Abu Dhabi den Weltmeister-Pokal in den Himmel, sondern sein deutscher Widersacher Sebastian Vettel.

Für den italienischen Rennstall war es eine der bittersten Niederlagen seiner langen Formel-1-Geschichte.

So etwas hallt lange nach, könnte man meinen. Doch nun, wenige Wochen vor dem Beginn der neuen Saison, hat Ferrari sich von dem krachenden K.o. erholt, ja sogar mehr als das: Die Roten stehen nach dem vorletzten Testblock als die Gewinner der winterlichen Erprobungsfahrten da - sogar noch vor dem weltmeisterlichen Red-Bull-Team.

Drei Bestzeiten

Drei Tagesbestzeiten, zwei für Felipe Massa, eine durch Alonso, stehen für Ferrari nach bisher elf Testtagen auf dem Papier. Sebastian Vettel schloss als mutmaßlich stärkster Konkurrent der Roten ebenfalls drei Mal als Schnellster ab. Dahinter folgte Mercedes mit zwei Top-Zeiten durch Nico Rosberg und Michael Schumacher. (SERVICE: Die Testergebnisse von Barcelona)

Doch in Sachen Testkilometer, eine Referenz, die den Teams zu diesem Zeitpunkt deutlich wichtiger ist, als schnelle Runden, liegen die Italiener deutlich vor sämtlichen Konkurrenten. (SERVICE: Die Testergebnisse von Jerez)

5220 Kilometer haben Alonso und Massa bis dato abgespult, Red Bull liegt als erster Verfolger mit 4407 Kilometern schon recht weit zurück. Mercedes GP ist 4298 Kilometer gefahren. (SERVICE: Die Testergebnisse von Valencia)

Alonso schwärmt

Angesichts der schönen Statistik verwundert es kaum, dass sich im Team eine Art Vorfrühling ausgebreitet hat, auch wenn man natürlich Konkurrenten wie Red Bull, McLaren und Mercedes, aber auch Renault und sogar Toro Rosso auf der Rechnung hat.

"Die Tests mit dem F150th Italian liefen prima", schwärmte Alonso nach den Übungen in Barcelona: "Vor dem Saisonstart in Australien sind wir sehr optimistisch." (DATENCENTER: Rennkalender 2011)

[kaltura id="0_otorgldo" class="full_size" title="Stimmen zu den Winter Tests"]

Halbstündige Elfmeter

Wäre da nicht das leidige Reifen-Thema, welches dem Spanier die gute Laune ein wenig verhagelt. Gerade die Besten würden unter den unberechenbaren Pirelli-Pneus zu leiden haben, urteilte der Doppel-Weltmeister der Jahre 2005 und 2006.

Da die neuen Walzen schnell ihre Bodenhaftung verlieren, werde es zahlreiche Boxenstopps geben, prophezeite Alonso mürrisch. "Ich mag das nicht, weil diese größere Unsicherheit den Top-Teams nicht zu Gute kommt."

Das Ganze komme ihm vor, als würde im Fußball ab sofort alle halbe Stunde ein Elfmeter gegeben. "Barcelona und Real Madrid würden dann auch nicht vor Freude in die Luft springen."

Widerspruch in der derzeit allgegenwärtigen R-Frage erntete Alonso ausgerechnet von seinem Teamkollegen Felipe Massa.

Massa: Wie Tag und Nacht

Der Brasilianer hat nach einem persönlichen Katastrophenjahr, das in der Stallorder-Affäre von Hockenheim seinen Höhepunkt fand, offensichtlich wieder neuen Mut geschöpft. "Eindeutig positiv" fiel seine Test-Bilanz aus - auch weil ihm die Pirelli-Reifen im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen viel Freude bereiten. (Sutils Pirelli-Wut: "Wie auf Eiern")

"Im Vergleich zum Vorjahr ist das jetzt wie Tag und Nacht", jubilierte Massa, schon nach wenigen Sekunden auf den neun Pneus sei für ihn die Formel-1-Welt eine völlig andere gewesen: "Die neuen Pirelli-Reifen kommen meinem Fahrstil entgegen. Ich habe das Auto jetzt in allen Situationen viel besser unter Kontrolle."

Seitenhieb gegen Alonso

Er wisse nun nämlich genau, wie sein Ferrari auf unterschiedliche Manöver reagiere. "Und das gibt dir als Fahrer natürlich großes Vertrauen."

Massas Selbstvertrauen ist offenbar derart angewachsen, dass er sogar einen Seitenhieb auf den scheinbar übermächtig eingeschätzten Alonso riskierte.

Dieser habe zwar "viel Talent und einen starken Willen". Aber "ehrlich gesagt habe ich nichts an ihm gefunden, was ihn von einem Schumacher oder einem Kimi Räikkönen (Massas frühere Kollegen bei Ferrari, d. Red.) deutlich abheben würde."

Kampf um die Nummer eins

Solche Aussagen deuten darauf hin, dass Massa sich mit der Rolle als Nummer zwei, in die ihn Alonso im Vorjahr frühzeitig gedrängt hatte, in dieser Saison nicht freiwillig abfinden wird.

Er sagte dazu nur: "Wenn ein Team sich schon zu Saisonbeginn auf eine Nummer eins festlegt, macht es einen Fehler."

Das interne Geplänkel birgt für den Rennstall durchaus gewaltigen Sprengstoff in sich, wird aber im Moment vom stabilen roten Hoch überlagert.

Vettel: Es wird eng

Und Ferraris Kräfteschub ist auch dem deutschen Red-Bull-Weltmeister nicht entgangen.

Zwar sei das Gesamtbild des Starterfeldes noch etwas schwierig zu lesen, bemerkte Sebastian Vettel auf dem hauseigenen Kanal "Servus TV", dennoch: "Ferrari macht einen sehr starken Eindruck. Sie hatten noch keine Probleme mit dem Auto, sind sehr viele Runden gefahren und haben auch die meisten Kilometer gesammelt. Zwischen uns und ihnen sieht es sehr eng aus."

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1)

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel