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Lewis Hamilton wurde 2008 mit McLaren Weltmeister © getty

McLaren hinkt der Konkurrenz hinterher, die Fahrer sind besorgt. Lewis Hamilton erinnert sich bereits an ein Katastrophen-Jahr.

Von Marc Ellerich

München - Vielleicht erinnern sie sich bei McLaren in diesen Tagen an die herrliche Zeit vor einem Jahr.

Ende März in Melbourne düpierte ihr englischer Weltmeister Jenson Button die versammelte Konkurrenz - dank eines Technik-Tricks, der unter dem Begriff F-Schacht für viel Wirbel in der Königsklasse sorgte.

Dem Geistesblitz eines cleveren Praktikanten verdankte McLaren seinerzeit angeblich den Wettbewerbsvorteil.

Elf Monate später bietet der ruhmreiche englische Rennstall ein ganz anderes Bild: der F-Schacht ist verboten und auch der Praktikanten-Jahrgang 2011 hat offenbar nicht mehr dieselbe Qualität.

Ein ähnlicher Coup wie 2010 deutet sich im englischen Team jedenfalls nach jetzigem Stand nicht an, im Gegenteil: Bei McLaren geht die Angst um, dass der Saisonstart in drei Wochen ganz gewaltig schiefgehen könnte.

Die beiden Piloten, Lewis Hamilton und Jenson Button, jedenfalls machten nach dem vorletzten Test in Barcelona aus ihrer Besorgnis keinen Hehl mehr.

Hamilton: Auto war furchtbar

Hamilton war ratlos, nachdem er den Schlusstag in Spanien mit einem Rückstand von deutlich über einer Sekunde hinter dem Schnellsten, Ferrari-Pilot Felipe Massa, beendet hatte. "Ich weiß immer noch nicht, wo wir stehen", teilte er den Reportern mit. (SERVICE: Die Testergebnisse von Barcelona)

Schlimmer noch: Sein neues Auto erinnert ihn bereits an den Boliden des Jahres 2009, mit dem er chancenlos erleben musste, wie sein heutiger Teamkollege Button für das damalige Brawn-Team den Titel einfuhr. (SERVICE: Die Testergebnisse von Jerez)

[kaltura id="0_otorgldo" class="full_size" title="Stimmen zu den Winter Tests"]

"Dieses Auto ist, was den Abtrieb angeht, näher an dem von 2009", offenbarte Hamilton der Nachrichtenagentur "Reuters": "Das Auto damals war furchtbar. Es hoppelte, in Kurven hing ein Rad in der Luft, es blockierte und hatte keinerlei Abtrieb." (SERVICE: Die Testergebnisse von Valencia)

Deutliche Warnsignale

Das diesjährige Auto hoppelt zwar angeblich nicht und kommt laut Hamilton auch besser um die Kurven, allein es fehlt der eminent wichtige Abtrieb. "Auf diesem Sektor fühlt es sich schwach an", urteilte Hamilton.

Auch Button klingt wenig entspannt. Befragt nach seinen ersten Eindrücken im neuen Silber-Renner, antwortete er: "Als ich zum ersten Mal ins Auto sprang, dachte ich nicht: Wow, wir werden sie alle wegblasen."

Derlei Aussagen sind in diesem frühen Stadium des Formel-1-Jahres überdeutliche Warnsignale ans eigene Team, dass deutliche Kurskorrekturen notwendig wären.

Nur 2573 Testkilometer

Das Problem ist nur: Offensichtlich hat sich der englische Vorzeige-Rennstall mit seinem Zeitplan verpokert. (DATENCENTER: Rennkalender 2011)

Die ersten Testfahrten Anfang Februar in Valencia ließ das Weltmeister-Duo Hamilton und Button sausen und stellte den MP4-26 derweil im winterlichen Berlin vor.

Im Vordergrund stand zudem die Arbeit mit den neuen Pirelli-Reifen - allerdings am Vorgänger-Modell von 2010.

Erst in Jerez nahm man den Testbetrieb auf - und verlor so wertvolle Kilometer. Mit lediglich 2573 Übungskilometern liegt McLaren nur auf Platz acht der zwölf Rennställe.

Klassenprimus Ferrari zum Beispiel, gegen den man eigentlich um den Titel fahren will, hat mittlerweile mehr als doppelt so viele Kilometer auf dem Tacho stehen.

Button: Alles in die Waagschale

Der verspätete Einstieg ins Formel-1-Jahr habe "uns vielleicht nicht unbedingt in die Karten gespielt", kommentierte Hamilton die Verzögerungstaktik seines Teams.

Auch Button übte in "Autosprint" für seine Verhältnisse deutlich Kritik: "Ich konnte bisher nicht die Anzahl an Runden fahren, die ich mir erhofft hatte." Doch bei der Entwicklung eines neuen Rennwagens sei gerade dieses essentiell.

Nun läuft McLaren trotz des verschobenen Saisonstarts die Zeit davon. Alle Hoffnung liegen auf den abschließenden Testfahrten, die erneut auf dem Circuit de Catalunya stattfinden werden.

"Barcelona wird für alle Beteiligten ein entscheidender Test, bei dem es darauf ankommen wird, alles in die Waagschale zu werfen", meinte Button.

Und dennoch, es klang schon ein wenig nach dem Mut der Verzweiflung, dass der frühere Champion sich und seinem Team ausgerechnet mit den Versäumnissen der Vergangenheit Mut machte. "Wir können noch viel aus dem Auto herausholen, weil wir bisher einfach nicht die Zeit dazu hatten."

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1)

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