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Nick Heidfeld ersetzt bei Lotus Renault den verunglückten Robert Kubica © imago

Heidfelds Team geht mit großen Ambition in die Saison. Das Design ist "auf Angriff ausgelegt" - birgt aber hohes Risiko.

Von Olaf Mehlhose

München - Schnell war Renault schon in der vergangenen Saison - wer es nicht glaubt, frage nach bei Fernando Alonso.

In Abu Dhabi saß der Ferrari-Pilot fast das gesamte Rennen hinter dem russischen Rookie Witali Petrow fest. Egal, was der Spanier auch versuchte, der Renault-Pilot hatte eine Antwort parat, und Alonso verlor den sicher geglaubten WM-Titel. (DATENCENTER: Rennkalender 2011)

Der zweimalige Weltmeister hat das nicht vergessen, zumindest zählt er das Team von Nick Heidfeld zu den Geheimtipps, wenn es um die WM-Krone 2011 geht.

"Wir gehören mit Red Bull, McLaren, Mercedes und auch Renault zu einer Gruppe von Teams, die um den Titel kämpfen", antwortete Alonso auf die Frage, welche Teams er am stärksten einschätze.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1)

Renault mit großen Ambitionen

Solche Aussagen hört Teamchef Eric Boullier sicher gerne.

Denn sein in Lotus Renault GP umbenanntes Team geht in diesem Jahr mit großen Ambitionen an den Start.

"Die Ziele des Teams bei der Konstruktion des Boliden waren ganz offensichtlich auf Angriff ausgelegt", erkannte auch der für den verunglückten Robert Kubica verpflichtete deutsche Pilot Heidfeld: "Das wird nicht nur am Auspuff deutlich."

Einzigartiger Auspuff

Mit einer gewagten Konstruktion des Abgas-Auslasses verblüffte Lotus-Renault bei den diesjährigen Testfahrten die Konkurrenz.

Auch Ex-Sauber-Designchef Sergio Rinland war von der neuen Technik hoch beeindruckt.

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"Der Ansatz ist bisher einzigartig", erläuterte der 58-Jährige bei "GoCar.gr": "Die lassen die Abgase am Beginn des Unterbodens einströmen. Also dort, wo man normalerweise mit den Luftverwirbelungen zu kämpfen hat, die von Rädern und vom Frontflügel erzeugt werden."

"Normalerweise sorgen diese Wirbel dafür, dass der Luftstrom unter dem Auto beeinträchtigt wird. Mit dem Abgasstrom wird der Unterboden nun aber seitlich quasi abgedichtet, man hat mehr Abtrieb", erklärte Rinland.

Renault geht hohes Risiko

Mit dem Design des neuen Boliden, vor allem dem innovativen Auspuff, hat sich das Team allerdings auf ein Vabanque-Spiel eingelassen.

"Natürlich war das Design ein Risiko", sagte Boullier bei "ESPN": "Aber wer an die Spitze will, darf nicht andere kopieren, der muss selbst kreativ sein."

Bei den ersten Tests hatte es den Anschein, als würde sich das Wagnis für den Rennstall auszahlen: In Valencia (Kubica) und Jerez (Heidfeld) brauste der R31 zweimal zur Tagesbestzeit.

"Interessante Lösungen"

Doch nicht nur das Auspuffsystem am Lotus-Renault begeistert den argentinischen Experten Rinland: "Sie haben die Kühlung des KERS gut gelöst. Die haben einen Lufteinlass hinter dem Überrollbügel."

Sein Fazit: "Interessante Lösungen am Renault. Wenn sie eine gute Entwicklungsrate halten, dann werden sie im Verlauf der Saison eine feste Größe sein."

Anderson ist skeptisch

Andere Experten sind dagegen weniger euphorisch.

"Wenn der Auspuff und die neu angeordneten mechanischen Teile hinten funktionieren, dann kann Renault die Spitze einholen", meinte Ex-Jordan-Technikchef Gary Anderson nach dem Testauftakt in Valencia bei "Autosport", wies aber auf das Risiko hin, "dass gar nichts funktioniert oder alles extrem unzuverlässig ist".

"Dann wird es jeder tun müssen"

Williams-Technikchef Sam Michael ist zwiegespalten. "In langsamen Kurven und bei Untersteuern wird das Auto sehr gut zu fahren sein", sagte der Australier bei "Autosport" .

Michael erkannte bei der Konstruktion aber auch eine Achillesferse: "Unsere Studien besagen, dass das Heck wahrscheinlich nicht so gut funktionieren wird, wie bei einem hinten angeblasenen Unterboden." Sollte Lotus-Renault jedoch die ersten drei Rennen gewinnen, "dann wird es jeder tun müssen".

Dann wäre Renaults riskante Strategie allerdings voll aufgegangen.

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