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Einer von ihnen ist wohl der kommende Weltmeister: Wer, das ist die große Frage © getty

Wer reist als Favorit zum Saisonstart? Red Bull weiß es nicht, Alonso mauert und Mercedes-Teamchef Brawn tritt auf die Bremse.

Von Marc Ellerich

München - Die Wintertests der Formel 1 haben einige Fragen über die Kräfteverhältnisse im diesjährigen Feld beantwortet, aber längst nicht alle.

Wer nun als Favorit zum Saisonstart nach Melbourne reist, darüber darf, bis es wirklich losgeht, munter spekuliert werden. Interessant sind in diesem Zusammenhang die Aussagen der Teams selbst - doch natürlich darf hierbei längst nicht alles auf die Goldwaage gelegt werden. (SPORT1-Ranking: Mercedes jagt Top-Duo)

SPORT1 gibt einen Überblick. Wie beantworten die mutmaßlichen Top drei von Melbourne die Favoriten-Frage? 362290(Bilder der Tests)

"Gutes Bauchgefühl"

Red Bull: Weltmeister Sebastian Vettel reist mit "einem guten Bauchgefühl" nach Melbourne, sagt er: "Der Winter war für uns ganz gut. Wir haben viele Kilometer gemacht und sind viel gefahren."

Aber natürlich wisse man nie, was die anderen machten, meinte Vettel beim Test-Abschluss auf dem Circuit de Catalunya noch und gab damit den allgemeinen Trend vor, kräftig im Nebel zu stochern. (Red-Bull-Sieg: Vettel bleibt)

"Wir wissen wirklich nicht, wo wir im Vergleich mit den anderen stehen", antwortete Vettels Teamchef Christian Horner auf die spannende F-Frage. Die Benzinmengen seien der entscheidende Punkt, analysierte er, diese machten einen so großen Unterschied, "dass es unmöglich ist, etwas vorherzusagen". (STATISTIK: Die Resultate aus Barcelona)

"In der besten Form aller Zeiten"

Immerhin, so viel ließ sich der Red-Bull-Vorsteher entlocken: "Ich kann sagen, dass wir die beste Vorbereitung überhaupt hatten - in Sachen Kilometer-Leistung, in Sachen Zeitplan und auch bei den Dingen, die wir testen wollten."

Und dann machte der Engländer doch noch eine Ansage, welche der Konkurrenz Angst machen dürfte: "Wir sind in der besten Form aller Zeiten."

Doch vielleicht war die Kraftmeierei gar nicht notwendig, denn der Rest des Feldes geht ohnehin davon aus, dass Red Bull längst nicht alles gezeigt hat. "Wenn man sich die Sektorenzeiten ansieht, dann erkennt man, dass sie noch ein Ass im Ärmel haben", urteilte Lotus-Renault-Pilot Nick Heidfeld: "Das deutet darauf hin, dass sie noch mehr können, es aber nicht zeigen." Um wie viel Red Bull voraus sei? "Das ist die Frage."

Pokerspieler Alonso

Ferrari: Auch die italienische Scuderia um Vize-Weltmeister Fernando Alonso und seinen Teamkollegen Felipe Massa hat sehr erfolgreiche Testfahrten hinter sich. Vor allem in Sachen Pannensicherheit glänzte der rote Renner.

Alonso jedoch - ohnehin eher ein Freund des gepflegten Pokerspiels - blieb undurchschaubar wie eine Sphinx.

Natürlich, er sei zufrieden, natürlich, der Winter sei gut gelaufen. Aber Favorit? Nein, davon gebe es viele. "Es gibt kein klares Bild davon, wo wir im Moment mit unserer Leistung stehen. Wir wissen, dass das Auto gut funktioniert und sind mehr oder weniger glücklich."

Kleinigkeiten würden die Angelegenheit in Melbourne entscheiden, vermutete der Pilot aus Oviedo: "Die Leistungen der Autos liegen im Moment sehr eng beieinander. Da ist niemand, der weit vor den anderen steht."

Die Sieganwärter für Melbourne? "Das sind immer noch die Top vier: McLaren, Mercedes, Red Bull und Ferrari - und vielleicht in diesem Jahr Renault." Ach ja, und "Williams hatte einen guten Winter".

Alonsos Fazit: "In Australien ist alles sehr offen." In drei oder vier Rennen werde man klarer sehen. (STATISTIK: Die Resultate aus Jerez)

Mercedes GP: Das Team von Michael Schumacher und Nico Rosberg kam spät in Form, aber gewaltig. Mit einer beeindruckenden Bestzeit verblüffte Rekord-Weltmeister Michael Schumacher beim Testfinale in Barcelona die Konkurrenz. (Schumi länger bei Mercedes?)

"Uns auf der Rechnung zu haben, ist nicht verkehrt", kündigte Schumi nach seiner Fabelzeit forsch an.

Hoppla, Moment mal, trat sein Teamchef Ross Brawn nur zwei Tage später abrupt auf die Bremse.

Brawn: Pulver verschossen

Man habe zwar den Rückstand auf die vorderen Teams durch wichtige Updates deutlich verkürzt, beteuterte er. "Ob dieser Fortschritt ausreicht, kann ich nicht sagen", berichtete Brawn in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Eins stehe dafür ganz gewiss fest: "Wir haben bis zum Saisonstart in Melbourne unser Pulver verschossen." Vielleicht könnten ja die anderen noch zulegen, und keiner könne sagen, was die Bestzeit wert sei, unkte der Herr der Silberpfeile.

Das klang nun fast schon wieder besorgniserregend, doch allzu ernst sollte man Brawns Worte vielleicht nicht nehmen.

Die Disziplin Tarnen, Tricksen, Täuschen haben in vielen Jahren Formel 1 nur wenige besser beherrscht als das englische "Superhirn". (STATISTIK: Die Resultate aus Valencia)

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: Die News im TV auf SPORT1)

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