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Nick Heidfeld war vergangene Saison noch Test- und Ersatzfahrer bei Mercedes GP © getty

Kampf um die zweite Startreihe: Renault ist sehr selbstbewusst, McLaren wirft Fragen auf, Sauber und Williams wollen überraschen.

Von Marc Ellerich

München - Wer ist Favorit auf den ersten Sieg der neuen Saison beim Australien-Grand-Prix? Red Bull, Ferrari - oder doch Mercedes nach seinem starken Testfinale in Barcelona? (F-Frage: Tarnen, Tricksen, Täuschen)

Wer die Antwort auf diese Frage wüsste, könnte damit zu diesem Zeitpunkt viel Geld verdienen.

Noch unübersichtlicher aber ist die Lage hinter den mutmaßlichen Top-drei-Teams. Wer ist die dritte oder zumindest die vierte Kraft? (SPORT1-Ranking: Mercedes jagt Top-Duo)

Forsche Töne

Lotus Renault: Während sich fast alle Anwärter auf eine Platzierung in der oberen Hälfte des Tableaus reichlich bedeckt halten, kommen von Lotus Renault forsche Töne.

Das Team ist nach guten Test-Resultaten mit zwei Bestzeiten durch den später bei einer Rallye schwer verunglückten Robert Kubica und durch seinen Ersatzmann Nick Heidfeld sehr selbstbewusst geworden. (STATISTIK: Die Resultate aus Barcelona)

Red Bull und Ferrari als Gegner

Man sei mit dem neuartigen Front-Auspuffsystem ein Risiko eingegangen, bekannte Teamchef Eric Boullier gegenüber der spanischen Zeitung "El Pais", am Ende habe man sich aber gefragt: "Warum nicht?"

Der Wagemut, findet Boullier, habe sich ausgezahlt. "Es ist zu früh, um zu beurteilen, ob wir Rennen gewinnen können, es wird hart, an Red Bull und Ferrari dranzubleiben", urteilte der Franzose und setzte krachend die Pointe: "Aber sie werden unsere Hauptgegner sein."

Derzeit sei sein Rennstall schneller unterwegs als die beiden Silberteams Mercedes und McLaren, die Schwierigkeit sei es, vor dem Duo zu bleiben.

Boullier: "Ich respektiere Ross Brawn, Mercedes und McLaren, und ich weiß, dass sie größere Ressourcen haben. Wenn wir vor ihnen bleiben könnten, wäre es ein großer Erfolg für uns."

"Schwierig zu sagen, wo wir stehen"

McLaren: Hinter dem MP4-26 stehen viele Fragezeichen. Die Piloten Lewis Hamilton und Jenson Button verstecken ihre Zweifel hinter freundlichen Formulierungen. "Es ist schwierig, im Moment zu sagen, wo wir stehen", urteilte Hamilton nach Abschluss der Testfahrten.

"Es ist sicher nicht die beste Art, in eine Saison zu gehen", meinte sein Kollege Jenson Button. (STATISTIK: Die Resultate aus Jerez)

Mit Blick auf Michael Schumachers Fabelzeit am letzten Testtag in Barcelona stellte Hamilton fest, seinem Team könnten etwa zwei Sekunden auf die Schnellsten fehlen, um dieses Urteil im selben Atemzug zu revidieren: "Aber uns fehlen keine zwei Sekunden."

Alonso: Sie werden da sein

Button klang noch drastischer: "Wenn man sich die Kilometer-Leistung von Red Bull oder Ferrari anschaut, dann liegen wir meilenweit zurück."

Doch niemand will so recht glauben, dass sich McLaren in der Entwicklung seines Autos verpokert hat und einen Fehlstart hinlegen wird - auch Force-India-Testfahrer Nico Hülkenberg nicht. "Das Auto hat Potenzial", stellte er gegenüber "Motorsport aktuell" fest.

Deutlicher wird Ferrari-Star Fernando Alonso: "Ganz bestimmt ist McLaren kein Team, das um Platz zehn kämpfen wird. Die werden ganz nahe am Podest sein", sagte er "El Pais".

Jordan ist gespannt

Sauber: "Wir wollen regelmäßig in die Punkte fahren und unsere Position in der Konstrukteurs-WM deutlich verbessern", kündigte Team-Besitzer Peter Sauber an. Das klang recht bescheiden.

Und während auch der mexikanische Rookie Sergio Perez, der im Testfinale von Barcelona die versammelte Konkurrenz mit seiner Bestzeit verblüffte, eine Platzierung in den Top 10 anpeilt, erwartet der frühere Formel-1-Teamchef Eddie Jordan vom schweizerischen Team doch deutlich mehr.

"Ich bin echt gespannt auf das, was wir von Sauber zu sehen bekommen. Sie haben mit Perez und Kobayashi zwei junge und aggressive Fahrer, echt klasse", urteilte Michael Schumachers erster Arbeitgeber in der Königsklasse. (STATISTIK: Die Resultate aus Valencia)

Perez bringt Telmex-Millionen

Und mehr Geld als 2010 dürfte Sauber 2011 ebenfalls in der Kasse haben, um mit dem Entwicklungstempo der Konkurrenz Schritt zu halten.

Der Mexikaner Perez brachte Telmex als Sponsor mit zum neuen Arbeitgeber. Eigner des Telekommunikations-Konzerns ist kein anderer als Carlos Slim, seines Zeichens der reichste Mann des Planeten.

Probleme mit KERS

Williams: Das englische Team wähnt sich auf Augenhöhe mit Konkurrent Sauber - mindestens.

"Wir haben mit GPS-Messungen die besten Runden von Sergio Perez und Rubens (Barrichello, d. Red.) übereinander gelegt", sagte Williams-Technikchef Sam Michael zu "auto, motor und sport". Resultat: "Rubens war in jeder Kurve schneller. Aber Sauber nimmt uns allein auf der Zielgeraden vier Zehntel ab."

Ein noch besseres Ergebnis verhinderten Probleme mit dem Energie-Rückgewinnungssystem KERS - die angeblich inzwischen behoben sein sollen.

Barrichellos Bestzeit

Immerhin, die Leistungen Barrichellos und seines neuen venezolanischen Nebenmanns Pastor Maldonado bei den Tests waren sogar Alonso nicht entgangen. "Williams hatte einen guten Winter", stellte der Spanier fest, als er nach den Favoriten für die neue Saison gefragt wurde. 362290(Bilder der Tests)

Auch Maldonado, der Hülkenberg dessen Williams-Cockpit wegnahm, ist optimistisch. "Wir sind mit dem Verlauf der Testfahrten zufrieden und arbeiten schon lange am Feintuning."

Und Barrichello, der in Jerez eine starke Testwoche absolvierte und überlegen die Bestzeit fuhr, sprach von einem großen Schritt seines Teams. Der Brasilianer hält "Platz fünf oder sechs in der Startaufstellung" für machbar - natürlich wie all seine Gegner ohne Gewähr.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: Die News im TV auf SPORT1)

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