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Norbert Haug wurde 1990 Motorsport-Chef bei Mercedes © imago

Mercedes-Motorsportchef spricht über die Ziele des Teams für den Saisonstart. Das neue Auto sei "rundum ein Schritt nach vorne."

Von Marc Ellerich

München - Am kommenden Wochenende nimmt die Formel 1 2011 erstmals so richtig Fahrt auf, doch die Ziele fürs neue Jahr stehen bei Mercedes schon lange fest.

Motorsportchef Norbert Haug ist gerne jederzeit bereit, die Vorsätze seines Teams für die 20 Grands Prix zu wiederholen.

"Der Plan ist, dass man nach vorne aufbricht, wenn man im Vorjahr Vierter der Hackordnung war", antwortete Haug in einer Telefonkonferenz mit Journalisten: "Das heißt: Platz drei, zwei oder eins."

"Was Ordentliches hinkriegen"

Das Silberpfeil-Team mit seinen beiden Piloten Michael Schumacher und Nico sei so "aufgestellt, dass wir von Platz vier nach vorne kommen können, ja kommen müssen", fügte er hinzu. (Schumacher-Interview: Formel 1 langsamer geworden)

Als Haug dann nach seiner Einschätzung gefragt wird, wann genau der schöne Plan in die Tat umgesetzt werden kann, reagiert er gewohnt zurückhaltend.

"Ich bin vorsichtig mit Prognosen", antwortete der Mercedes-Verantwortliche: "Natürlich wollen wir was Ordentliches hinkriegen. In welchem Zeitraum, das kann ich nicht sagen."

"Nicht die Schnellsten in Melbourne"

Ob gleich auf Anhieb beim ersten Grand Prix des Jahres ein großer Wurf gelingen wird, wer weiß das schon?

Immerhin, die Stimmung im Team sei trotz der vielen Arbeit gut, so Haug. Und auch die guten Resultate im Finale der diesjährigen Wintertests geben durchaus Anlass zu guter Laune. (Test-Bilanz: Mercedes jagt Top-Duo)

In Barcelona fuhr Michael Schumacher im generalüberholten Mercedes-Renner Streckenrekord, auch Teamkollege Rosberg war anschließend trotz defekten Heckflügels flott unterwegs.

Dennoch warnt Haug: "Ich sehe uns nicht als die Schnellsten in Melbourne, weil wir die Schnellsten in Barcelona waren." Tiefstapelei sei das nicht, vielmehr Realismus.

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Haug erfreut

Doch bei aller Vorsicht, der alte Fahrensmann Haug hat natürlich auch Erfreuliches in der Erprobungsphase des Winters entdeckt.

Die aktuelle Version des silbernen Renners sei letztlich doch ein deutlicher Fortschritt gegenüber dem MGP W01 des Mercedes-Premierenjahres. "Es ist rundum ein besseres Paket", urteilte der Schwabe, ja, das Auto sei "rundum ein Schritt nach vorne".

Wie weit das in Melbourne reichen wird? "Wir können die Konkurrenz noch nicht abschätzen."

Vorsprung für Red Bull und Ferrari

Red Bull und Ferrari wähnt der Experte dem Rest des Feldes zumindest einen Schritt weit enteilt. "Sebastian Vettel hat sich hervorgetan, Fernando Alonso mit Ferrari auch."

Dahinter gebe es eine Handvoll Rennställe, "die um Platz drei kämpfen", einige hätten das Potenzial für Überraschungen zu sorgen. "Von den Zeiten her hat es Toro Rosso geschafft, von den Zeiten her hat es Williams geschafft", meinte Haug auf SPORT1-Nachfrage. Auch Sauber hat er auf dem Zettel.

Und natürlich dürfe man McLaren keineswegs vergessen. Das englische Traditionsteam besäße eine "sehr gute Historie, sich aus schwierigen Situationen auch wieder zu befreien".

Haug: Sie können gewinnen

Und Mercedes? Aus Haugs Worten lässt sich zumindest vorsichtige Zuversicht erahnen.

Dem Fahrer-Duo Schumacher und Rosberg räumt ihr Vorgesetzter durchaus Siegchancen ein. "Wir haben unsere Fahrer so aufgestellt, dass sie das Können besitzen, Rennen zu gewinnen", sagt Haug auf SPORT1-Nachfrage. Nachsatz: "Wenn wir ihnen das Auto dazu bauen." (Schumi länger bei Mercedes?)

Ein Leistungsgefälle zwischen dem Rekord-Weltmeister und seinem 17 Jahre jüngeren Vorjahres-Bezwinger sieht er angeblich nicht: "Das gibt sich nicht viel."

Vom kinetischen Energie-Rückgewinnungssystem KERS, das nach einem Jahr Unterbrechung, in die Formel 1 zurückkehrt, erhofft sich Haug ebenfalls gewisse Vorteile.

"Sehr gut, sehr tief, sehr kompakt, sehr leichtgewichtig", sei das Mercedes-KERS berichtet der Funktionär: "Ich hoffe natürlich, dass wir einen kleinen Vorsprung haben."

"Zehnkampf" an den Knöpfen

Auch für "den Zehnkampf" mit den vielen Knöpfen im Cockpit aufgrund der zahlreichen neuen Technik-Elemente dieses Jahres sieht er seine Piloten präpariert.

Dass Mercedes seinen schnellen Boliden in Barcelona wegen Starkregens nicht mehr über lange Distanzen testen konnte, bereitet dem Stuttgarter Rennstall nach eigenem Bekunden kein Kopfzerbrechen, denn, so Haug zu SPORT1: "Ein Auto, das echt schnell auf eine Runde ist, soll auch auf dem Long-Run gut einstellbar sein. Umgekehrt: Wenn ein Auto ein Speed-Defizit hat, geht weder die schnelle Runde noch der Long-Run gut."

Schnell ist der MGP WO2, vielleicht deshalb fällt Haugs Fazit positiv aus: "Wir haben die Möglichkeit, uns kontinuierlich zu steigern. Und das wollen wir wahrnehmen."

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: Die News im TV auf SPORT1)

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