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Wo ist das Geheimnis? Lewis Hamilton begutachtet den Frontflügel von Vettels RB7 © getty

Lewis Hamilton lässt sich von Sebastian Vettels Überlegenheit nicht entmutigen und sagt dem Weltmeister-Team den Kampf an.

Von Marc Ellerich

München - Eine Welt lag zwischen dem Sieger und seinem ersten Verfolger, jedenfalls für Formel-1-Verhältnisse.

Im Qualifying hatte Sebastian Vettel im Albert Park zu Melbourne acht Zehntelsekunden zwischen sich und McLaren-Pilot Lewis Hamilton gebracht. Im Grand Prix fehlten dem Briten auf Platz zwei 20 Sekunden - wohlgemerkt mit den 82 PS Extra-Anschub durch das Energie-Rückgewinnungssystem KERS. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

Sieger Vettel war in Melbourne ohne unterwegs gewesen, auf drei bis fünf Zehntelsekunden pro Runde schätzte er seinen Nachteil. "Ich brauche wohl nicht zu sagen, was das auf die Renndistanz bedeutet." (Planet Vettel: Muss Red Bull sogar bremsen)

Hamilton: Großartige Position

Doch während die Welt über die frappierende Überlegenheit des Weltmeisters staunte, kam Hamilton nach dem Grand Prix in Australien erst so richtig in Fahrt.

"Wir werden die Lücke schließen", kündigte der McLaren-Star noch in Melbourne an: "Ich habe keinen Zweifel daran. Nach unserem ersten Rennabschnitt ist sehr deutlich geworden, dass wir gegen sie im Rennen kämpfen können. Wir können ihnen Druck machen."

Platz zwei bezeichnete Hamilton, der in der zweiten Rennhälfte mit einem beschädigten Unterboden fuhr, als "großartige Position. Eine großartige Basis, um in den nächsten Rennen nachzulegen."

"Dann wird es einfach - oder?"

Teamchef Martin Whitmarsh stieß ins selbe Horn. "Wenn wir in den nächsten zehn Tagen ebenso große Fortschritte machen können, wie wir sie in den vergangenen zehn Tagen gemacht haben, dann wird es einfach - oder?", spielte er auf das Blitz-Comeback der Engländer nach deren mittelmäßigen Wintertests an.

Kurz vor dem Auftakt in Melbourne war McLaren nach enttäuschenden Testresultaten von seiner ambitionierten Auspufflösung abgewichen, die sich nicht als wirkungsvoll erwiesen hatte.

Whitmarsh zuversichtlich

Angesichts der Eile, mit der die Engländer vor dem Start ihren Rettungsanker auswarfen, wäre er enttäuscht, so kündigte McLarens Teamvorsteher an, "könnten wir keine wirklichen Fortschritte bei Diffusor, Unterboden und Auspuff-System machen".

Whitmarsh rechnet damit, dass sein Rennstall den Vorsprung des Weltmeisters früher oder später aufholen wird. "Drei Zehntel sind nicht wenig", urteilte der Ingenieur: "Aber diese Schritte sind machbar. Red Bull sollte sich nicht ausruhen, denn wenn sie das tun, werden wir angreifen. Aber ich bin sicher, sie werden Druck machen, sie sind ein gutes Team."

Whitmarshs Fazit: "Wir hätten in Melbourne mit unserem Auto zwei Fahrer auf dem Podium haben sollen (Jenson Button wurde von der Rennleitung nach einem Überholmanöver gegen Felipe Massa mit einer Durchfahrtsstrafe belegt und büßte so alle Chancen ein, d. Red.)."

Zudem seien seine beiden Piloten hervorragend mit den Reifen umgegangen. Alles in allem bewertete Whitmarsh den Saisonstart als "ermutigend".

Red Bulls Konter

Und, da das Duell der beiden Rennställe nach nur einem Rennen bereits ordentlich in Gang gekommen ist, ließ der Konter der Gegenseite nicht lange auf sich warten.

Red Bull Teamchef Christian Horner gab seinen Landsleuten in der "Times" eine sehr selbstbewusste Antwort.

"Klar sagt McLaren, dass sie gewinnen werden. Sonst bräuchten sie beim nächsten Rennen ja gar nicht aufzutauchen", so Horner: "Ob sie das jetzt glauben oder nicht, ist die andere Sache."

McLaren sei zwar ein großes Team und habe auch deutliche Fortschritte gemacht, stichelte Vettels Vorgesetzter weiter: "Aber wir haben sie im vergangenen Jahr bei der Entwicklung abgehängt und sind entschlossen, das wieder zu tun."

[kaltura id="0_bjwc0jhk" class="full_size" title="Vettel erklärt KERS und Flügel"]

Aufholjagd am Grünen Tisch?

Aber womöglich treibt McLaren seine angekündigte Aufholjagd demnächst nicht nur in der Garage und auf den Rennstrecken voran, sondern auch am Grünen Tisch.

Die Konkurrenz hat wie schon im Vorjahr den erstaunlichen Frontflügel der "Bullen" ins Visier genommen. Bis zu 19 km/h schneller als Hamilton soll Vettel dank des Aero-Elements durch die schnellsten Kurven des Melbourne-Parcours gerauscht sein.

Womöglich dank einer speziellen Web-Technik der Kohlefasern biege sich der "Flexi-Wing" während der Fahrt sehr stark Richtung Boden, mutmaßte die "Süddeutsche Zeitung". Den strengen Prüfungen des Weltverbands hielt das Teil bisher dennoch stand. (Red Bull 2010: Vorsprung dank Flexi)

"Habt ihr Vettels Flügel gesehen?"

Hamilton hat den Aero-Trick natürlich längst bemerkt. "Habt ihr Vettels Frontflügel gesehen. Er verbiegt sich bis zum Boden, und das bringt ihm eine halbe Sekunde", wurde der Weltmeister von 2008 zitiert. Seine Forderung: "Entweder wir schließen dieses Schlupfloch oder wir bauen es nach."

Bei Red Bull reagieren sie mittlerweile gelangweilt auf die Vorwürfe der Konkurrenz, der Rennstall trickse bei seiner Flügel-Lösung unerlaubt.

Der Motorsport-Beauftragte Helmut Marko gegenüber "Bild": "Das ist doch fad. Sie versuchen es immer wieder. Und wir bestehen immer wieder jeden Test."

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