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Nico Rosberg kam nach der Saison 2009 von Williams zu Mercedes © getty

Gerhard Berger glaubt nach dem Offenbarungseid von Melbourne nicht, dass die Silberpfeile 2011 noch die Kurve kriegen.

Von Julian Meißner

München - Mit hohen Ambitionen war Mercedes GP zum Saisonauftakt nach Australien gefahren, doch statt einem Leistungssprung nach dem verkorksten Vorjahr setzte es Down Under den nächsten waschechten Tiefschlag.

Vielfältige Probleme am Rennwagen über das ganze Wochenende hinweg und ein Doppelausfall im Rennen hinterließen Frust und einen Haufen Fragezeichen beim Silber-Team (DATENCENTER: Das Rennergebnis).

"Wir verstehen nicht, warum wir jetzt auf einmal im Niemandsland sind", meinte ein ziemlich entgeisterter Nico Rosberg direkt nach dem Rennen und reihte sich damit in ein völlig desillusioniertes Fahrer- und Ingenieursteam ein.

Sein Chef Ross Brawn sagt einige Tage später: "Wir hatten Schwierigkeiten mit einer ganzen Anzahl von Systemen am Auto. Da ist einiges schief gelaufen."

Kein Verständnis für den Boliden

Ein unzuverlässiges Hybridsystem KERS, eine falsche Flügelabstimmung und Probleme mit der Bremsbalance hatten das erste Kräftemessen der Saison für die "deutsche Nationalmannschaft" zu einer regelrechten Kugelfuhre gemacht.

Brawns Aussagen machen deutlich, dass das Verständnis für die unerwarteten Probleme am MGP W02 noch nicht allzu weit gediehen ist: "Die Inkonstanz macht es schwierig für die Fahrer. Jedes Mal, wenn sie eine Kurve ansteuern, wissen sie nicht, was für ein Auto sie haben."

Mit anderen Worten: Mercedes versteht sein Auto nicht.

Dabei hatten die guten Testergebnisse Rosberg und vor allem Michael Schumacher davon träumen lassen, vielleicht sogar hinter Red Bull die zweite Geige spielen zu können. Und dann das.

Berger: "Glaube nicht an eine Wende"

Manch ein Experte schreibt Mercedes jetzt schon für die komplette Saison ab.

"Warum sollte sich dort groß etwas ändern?", so der ehemalige Pilot und Teambesitzer Gerhard Berger bei "Bild.de": Es sind die gleichen Leute am Werk. Ich glaube da nicht an eine Wende."

In die gleiche Kerbe schlägt die Konkurrenz. "Ganz wenige Teams können innerhalb kürzester Zeit ein Auto wieder konkurrenzfähig machen", sagt Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko in der österreichischen "Sportwoche": "Außer uns, Ferrari und McLaren kann das sonst niemand."

Große Töne von Schumi

Gerade Rekordweltmeister Schumacher hatte vor dem Auftakt ziemlich große Töne gespuckt.

"Diese Leistung war enttäuschend", urteilte Berger bei "Servus TV" und nannte auch gleich das Kernproblem beim Namen: "Da fehlt der Künstler, der das Auto zeichnet und Visionen hat."

Newey macht den Unterschied

Auch Brawn, einst als "Superhirn" der Formel 1 gefeiert, könne diese Rolle nicht ausfüllen.

"Brawn ist ein technischer Manager, kein Konstrukteur wie Adrian Newey oder früher John Barnard oder Rory Byrne", erklärte Berger: "Byrne hat Schumachers Ferrari damals innovativ gestaltet, hat ihn an den Fahrstil Schumachers angepasst und damit Weltmeisterschaften gewonnen. Diese Person fehlt heute bei Ferrari, bei Mercedes und bei fast allen Teams."

Genau deshalb sei Red Bull so stark und ihr Auto "eine Klasse für sich". Deren Designer Newey gilt als bester Konstrukteur der Gegenwart. Nicht zuletzt wegen ihm hat Sebastian Vettel seinen Vertrag gerade bis 2014 verlängert.

Ergebnisse müssen her

Der silberne Blick geht in die nähere Zukunft: Nach dem schwachen Debütjahr 2010 wissen Brawn und Mercedes-Boss Norbert Haug, dass sie besser früher als später Ergebnisse liefern müssen.

"Wir haben einige Upgrades geplant, aber wir müssen uns auf das konzentrieren, was wir schon haben", schließt Brawn eine Revolution am Boliden aus: "Die Basis ist da." Auch Haug schließt " tiefgreifende Änderungen" erst einmal aus (DATENCENTER: Der Rennkalender).

Konkurrenzfähiger zum Saisonende?

Brawns Hoffnung: "Wenn wir alles zusammen über ein Wochenende zum Laufen bringen, können wir eine viel stärkere Performance zeigen."

Schließlich sei man im Vorjahr auch zum Saisonende konkurrenzfähiger geworden, weil das Verständnis für das Auto gewachsen sei.

Die Endabrechung der Saison 2010 dürfte bei den Fans von Schumacher und Rosberg allerdings keine allzu großen Hoffnungen wecken.

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