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Nur ein Verfolger weit und breit: Sebastian Vettel (l.) und Lewis Hamilton in Melbourne © getty

Nächste Runde im Kräftemessen zwischen Red Bull und McLaren: Technik-Genie Adrian Newey wirft dem Konkurrenten Ideenklau vor.

Von Marc Ellerich

München - Zwischen Weltmeister Red Bull und dem McLaren-Team hat sich ein munteres Duell entsponnen - und zwar auf und abseits der Piste.

Für Unruhe sorgte das angebliche Interesse des Vettel-Teams am schnellen Ex-Champion Lewis Hamilton. Zuletzt gab Red Bulls Motorsport-Beauftragter Helmut Marko den Gerüchten neue Nahrung.

Und da ist natürlich der sportliche Zweikampf der beiden Rennställe, der nach Sebastian Vettels überlegenem Sieg beim ersten Rennen in Australien schon am übernächsten Wochenende in Malaysia in die nächste Runde gehen dürfte. (DATENCENTER: Der Rennkalender)

Diskussionen über Red-Bull-Flügel

Auch dieses Kräftemessen wird selbstverständlich nicht immer erst dann ausgetragen, wenn die Fahrer gerade ihre Boliden gestartet haben.

Nach der Zieldurchfahrt von Melbourne prangerte der von Vettel chancenlos geschlagene Hamilton den Vorderflügel des Konkurrenten an. "Habt ihr Vettels Frontflügel gesehen", echauffierte sich der Brite: "Er verbiegt sich bis zum Boden, und das bringt ihm eine halbe Sekunde."

Sein Forderung an die FIA: Man möge "dieses Schlupfloch schließen", oder "wir bauen es nach". Es sind die bekannten Vorwürfe wegen Red Bulls Flexi-Flügel, die schon in der Vorsaison für Unruhe sorgten.

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Newey: Auspuff abgekupfert

Der Konter des österreichisch-englischen Teams ließ nicht lange auf sich warten.

So warf dieser Tage Red Bulls Technischer Direktor Adrian Newey dem englischen Konkurrenten vor, sich während seiner fieberhaften Aufholjagd nach wackeligen Wintertests einer Idee des Konstrukteurs-Weltmeister bedient zu haben.

Konkret lautete die Anklage des Aero-Gurus: McLaren habe den Auspuff von Red Bull abgekupfert.

"McLaren hat einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht, indem sie - man muss es so sagen - unseren Auspuff kopiert haben", gab Newey bei einer Preisverleihung in London an.

"Der Auspuff wirkt sich gut für uns aus. Es scheint so, als würde er sich auch gut bei ihnen auswirken", lästerte das Design-Genie weiter: "Es ehrt uns, aber andererseits schmerzt es, wenn sie dich mit deiner eigenen Technik schlagen."

Button: Sind näher dran

Die andere Seite macht sich selbstverständlich ebenfalls Gedanken über den Zweikampf, der den Fans der PS-Liga 2011 noch einiges an Spannung bieten könnte. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

Ex-Champion Jenson Button, in Melbourne nach einer Durchfahrtsstrafe abgeschlagen Sechster, sieht sein Team angeblich nicht so aussichtslos im Hintertreffen, wie viele Experten es tun.

"Natürlich, Red Bull ist schnell. Sebastian hat das mit seiner Pole-Position jedem gezeigt", ließ der von Vettel entthronte Weltmeister auf seiner Homepage veröffentlichen: "Aber in Sachen Renntempo scheinen wir näher dran zu sein als im Vorjahr."

Buttons Urteil: "Wir sind definitiv hinter ihnen her." Zudem berge der MP4-26 noch jede Menge Entwicklungsspielraum.

Vettel noch nicht am Limit?

Andererseits geht der Engländer davon aus, dass der Gegner sein wahres Potenzial auch Down Under nicht vollends ausgereizt hat. "Ich glaube nicht, dass Sebastian das volle Tempo gezeigt hat", mutmaßte Button.

Er wisse natürlich, dass Red Bull auf den Extra-Anschub durch das Bremsenergie-System KERS verzichtet habe, "das dir ein paar Zehntel in die Tasche gibt". Und dennoch: "Es ist nicht so eindeutig, wie es am Samstagabend (nach Vettels Pole-Fahrt, d. Red.) aussah."

Red Bull und das Thema KERS

Thema KERS. Dass sie nicht dauerhaft ohne auskommen werden, wissen die Red-Bull-Verantwortlichen natürlich schon lange selbst.

Er wolle deshalb keinesfalls auf den Turbo-Knopf mit seinen 82 Extra-PS verzichten, verlautbarte Vettel noch in Melbourne: "Man will jedes Körnchen Leistung haben, um das Auto schneller zu machen." Sein Team will dem Weltmeister diesen Herzenswunsch natürlich erfüllen. Aber erst, wenn der Hybrid-Antrieb reibungslos funktioniere, wie Newey nun ankündigte.

"Wenn es verlässlich ist, werden wir damit fahren", sagte der Engländer: "KERS ist beim Start ein Vorteil. Selbst, wenn du in der ersten Reihe stehst: Ohne KERS kann es sein, dass du die erste Kurve nicht als Erster erreichst."

Ob man es schon beim zweiten Grand Prix der Saison einsetze, werde man dennoch erst am Freitagabend in Malaysia entscheiden.

Hamilton: Geben niemals auf

Lewis Hamilton geht allerdings davon aus, dass das Red-Bull-KERS demnächst kommen wird: "Sie werden nicht lange darauf verzichten können."

Aber auch sein Team werde natürlich nicht untätig bleiben. "Wir haben eine gewaltige Menge interessantes Zeug in der Pipeline", kündigte der Weltmeister von 2008 an: "Wir geben niemals auf, wir arbeiten unglaublich hart, und wir stellen sicher, dass dann auch etwas kommt."

Das Duell beider Rennställe, so ist der Eindruck, hat eben erst begonnen.

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