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Die Reifen sind das geringste Problem: Mercedes muss besser werden © getty

Mercedes rappelt sich nach dem Auftakt-Debakel in Australien auf. Das Team gibt sich vor dem GP in Malaysia wieder kämpferisch.

Von Marc Ellerich

München - Langsam schwindet die Schockstarre bei Mercedes.

Äußerst verheerend war der Saisonstart für die mit hohen Hoffnungen angereisten Silberpfeile verlaufen. Nach drei Tagen Australien-GP stand jeweils ein Null-Punkte-Resultat bei Michael Schumacher und Nico Rosberg zu Buche, dazu in Training und Qualifying gewaltige Rückstande auf die vorderen Rennställe. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

Beim "deutschen Nationalteam der Formel 1" (Daimler-Vorsitzender Dieter Zetsche) ging Down Under alles schief, was schief gehen konnte. Und die Enttäuschung war nicht nur in den Gesichtern der völlig konsternierten Fahrer abzulesen, die zu allem Unglück das Rennen ohne eigene Schuld vorzeitig abbrechen mussten.

Motorsportchef Norbert Haug bot seinen frustrierten Piloten anschließend vor lauter Mitleid gar eine Entschuldigung für den Pleiten-Auftakt an. Für den Rest der Woche herrschte dann Schweigen bei Mercedes.

Rosberg: Auto ist schnell

Nun rappelt sich der Rennstall vor dem zweiten Grand Prix am übernächsten Wochenende in Malaysia allmählich wieder auf. (DATENCENTER: Der Rennkalender).

"Melbourne hat eine sehr spezielle Streckencharakteristik. Der Kurs ist nicht vergleichbar mit anderen", erklärte Rosberg in der "Sport Bild" das Scheitern. Ihn hatte das Start-Debakel ganz besonders mitgenommen. "Wir verstehen nicht, warum wir auf jetzt auf einmal im Niemandsland sind", hatte der junge Deutsche unmittelbar nach dem Grand Prix geklagt.

Eine Woche vor dem Training in Sepang klingt Rosberg schon wieder wesentlich zuversichtlicher. "Ich hoffe, dass wir am nächsten Sonntag einige Leute überraschen können", sagte er: "Wir wissen, dass das Auto schnell ist, jetzt müssen wir daran arbeiten, dieses Potenzial unter Beweis zu stellen."

Schumi angriffslustig

Auch Rekord-Champion Michael Schumacher, ebenfalls mit großen Ambitionen in sein zweites Mercedes-Jahr gestartet, hat sich mittlerweile wieder gefangen. Das erste asiatische Rennen betrachte er als "eine Herausforderung", ließ Schumacher über eine Pressemitteilung verlautbaren: "Es ist noch viel zu früh, um uns abzuschreiben. Alle im Team sind positiv gestimmt und in Angriffslaune."

Teamchef Ross Brawn erhob den äußerst anstrengenden Grand Prix am Firmensitz von Teamsponsor Petronas zum großen Charaktertest für den Silber-Rennstall: "Wie wir auf die Enttäuschung von Melbourne und die vor uns liegenden Herausforderungen reagieren, wird ein wahrer Maßstab für unser Team sein."

"In besserer Form" will Motorsportchef den Renommier-Rennstall aus Stuttgart beim schweißtreibenden GP in der malaysischen Sauna sehen.

"Vettel ist weit vorne"

Die Fragen, weshalb Mercedes vor allem im Qualifying von Melbourne derart enttäuschte - Rosberg fehlten als Siebtem fast zwei Sekunden auf Pole-Setter Sebastian Vettel, bei Schumacher, Elfter, waren es fast zweieinhalb - sind durch all die Appelle natürlich nicht beantwortet.

"Vettel ist weit vorne, aber wir sind Kämpfer", kündigte zwar Rosberg forsch an, doch sein Vorwärtsdrang alleine wird kaum ausreichen, um den Rückstand aufzuholen.

Das Team müsse "eine Reihe von Problemen" in den Griff bekommen, bekannte Teamvorsteher Brawn, "die dazu führten, dass unser Auto für das Qualifying und das Rennen weit vom Optimum entfernt war".

Viele Probleme

Der Mercedes-Verantwortliche betrachtet mittlerweile Abstimmungsprobleme als wesentliche Ursache für die verheerende Pleite Down Under an. ?Wir haben die fundamentale Arbeit nicht geleistet, das Auto auszubalancieren und das richtige Setup zu finden.?

Mercedes habe ?Schwierigkeiten mit einer Reihe von Systemen? des MGP W02 gehabt, so Brawn. Laut Haug funktionierte unter anderem das Bremsenergie-System KERS nicht einwandfrei.

Das Ergebnis, so Brawn: "Das Problem war, dass die Fahrer vor jeder Kurve nicht wirklich wussten, mit was für einem Auto sie es zu tun haben. Die Unzuverlässigkeit hat es ihnen so schwer gemacht."

Suggestion oder Aufbruchssignal

Es wird nun spannend sein zu beobachten, ob und wie schnell Mercedes die Tücken in den Griff kriegen kann.

Die ersten Experten haben bereits massive Zweifel an einem raschen Comeback des deutschen Teams geäußert.

Nico Rosberg will von derlei Bedenken nichts wissen. "Wenn es hart wird, werden wir nur noch stärker und fleißiger arbeiten", sagte er vor der Rückkehr an den Ort, an dem er im Vorjahr seine erste Podiumsplatzierung für Mercedes feierte.

Ob es sich lediglich um Autosuggestion oder doch das Aufbruchssignal der Silbernen gehandelt hat, wird man bald wissen.

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