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Schnelles Sauber-Duo: Sergio Perez und Kamui Kobayashi (l.) © getty

Auf Begeisterung folgte Entsetzen: Sauber erlebte einen turbulenten Saisonstart. Längst überwiegt die Freude über einen Neuling.

Von Marc Ellerich

München - Zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt, so lässt sich der Formel-1-Auftakt in Australien aus Sicht des Schweizer Sauber-Rennstalls am besten beschreiben.

Im ersten Grand Prix des Jahres hatten beide Piloten brilliert, Sergio Perez als Siebter, der Japaner Kamui Kobayashi als Achter - wobei der der mexikanische Rookie unzweifelthaft die größere Sensation fertig gebracht hatte.

Auf Anhieb fuhr der Formel-1-Debütant in die Top Ten, was ihm gleich im ersten Grand Prix satte sechs WM-Zähler beschert hätte. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

Beim Flügel getrickst

Hätte, denn wenige Stunden später kam der kalte K.o. für das Team, das in der PS-Liga einst als BMW-Sauber firmierte: Die Schweizer, so der Vorwurf der Kommissare, hatten beim Heckflügel getrickst. Das Resultat: Die Kommissare warfen Sauber nachträglich aus dem Rennen. (Nummer eins Petrow? "Aber ja")

Statt zehn, hatte das Team null Punkte auf dem Konto und stand als Schummler da. Die Enttäuschung nach dem vermeintlichen Höhenflug war riesig. "Ich bin am Boden zerstört", sagte Team-Besitzer Peter Sauber laut "Blick": "Das ganze Team ist platt. Einer der schönsten Tage meiner Karriere endete im Debakel. Das ist schlimmer als zum Heulen."

Wunden bei Sauber

Inzwischen hat sich die Aufregung etwas gelegt, auch wenn Sauber meinte, seine Wunden würden so schnell nicht verheilen. Man werde keinen Einspruch gegen die Disqualifikation einlegen, kündigte der Rennstall aus Hinwil in der vergangenen Woche an.

Statt der erlaubten 100 Millimeter habe der Radius-Durchschnitt der oberen Flügelplatte laut Sauber "95 oder 94 Millimeter" gemessen, eine versehentliche Schlamperei also. Angeblich habe der Technische Direktor des Teams, James Key, sogar um seinen Job bangen müssen.

Was vom Team allerdings dementiert wurde. "Es gibt keine Entlassungen", stellte Sauber klar.

[kaltura id="0_bjwc0jhk" class="full_size" title="Vettel erklärt KERS und Flügel"]

Key: Kein Vorteil

Abgehakt. "Der Flügel hat uns keinen Leistungsvorteil gebracht", stellte Key fest:"Wir akzeptieren die Entscheidung der Stewards. Fakt ist, dass es eine Abweichung von den Regeln war."

Ohnehin überwiegt bei den Schweizern längst wieder die Begeisterung über die furiose Fahrt ihres mexikanischen Rookies.

Ja, er sei überrascht, staunte Teameigner Sauber über Perez? spektakulären Einstieg in den Elitezirkel des Motorsports. In der GP2, wo man ihn beobachtet, habe der Pilot einen guten Eindruck hinterlassen, auch in den winterlichen Tests. Doch sei das alles nichts gewesen im Vergleich zum Auftritt in Melbourne.

Sauber: Gewaltig

Schon im Qualifying hatte der vermeintliche Nobody als 13. Seine Fähigkeiten angedeutet. "Aber im Rennen war er gewaltig", urteilte Sauber.

Perez ließ alte Hasen wie Ferrari-Pilot Felipe Massa oder Lotus-Renault-Fahrer Nick Heidfeld hinter sich. Aber was am meisten erstaunte: Er bestritt den kompletten Grand Prix auf den eher anfälligen Pirelli-Reifen mit lediglich einem Wechsel.

"35 Runden mit gebrauchten, weichen Reifen, das ist unglaublich", jubelte sein Vorgesetzter Sauber. Auch Key fand viel Lob: "Für einen jungen Fahrer im ersten Rennen war das stark."

Sauber blickt nun trotz der empfindlichen Bestrafung sehr zuversichtlich nach vorne. "Trotz der Enttäuschung haben wir gezeigt, dass wir ein schnelles Auto haben und zwei sehr talentierte Fahrer. Das macht mich für diese Saison sehr optimistisch." (DATENCENTER: Der Rennkalender)

Perez will mehr

Und auch der Überraschungsmann der PS-Liga, der dank seiner Sponsoren-Millionen Nick Heidfeld dessen Cockpit-Platz entrissen hatte, hat wenige Zukunftssorgen.

Er habe nun, nach seinem ersten Rennwochenende, mehr Vertrauen in sich selbst. Und auch das Auto sei gut. "Es ist schnell und zuverlässig genug, um Punkte anzupeilen."

"Ich bin sehr motiviert", sagte Perez. Er wolle auch künftig gute Rennen zu zeigen - allerdings dann besser mit korrektem Flügel. Dann wären gewiss auch die Wunden seines Vorgesetzten schnell verheilt.

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