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Nicolas Hamilton (l.) gab beim Renault-Clio-Cup sein Debüt als Rennfahrer © getty

Lewis Hamiltons Bruder litt an Kinderlähmung. Dies hält ihn aber nicht davon ab, Rennen zu fahren. Lewis ist beim Debüt dabei.

München - Die 21.000 Flugkilometer störten Lewis Hamilton nicht im Geringsten.

Doch als der Flieger nach England Verspätung hatte, wurde der frühere Formel-1-Weltmeister nervös wie sonst nur vor großen WM-Läufen. "Ich kann doch nicht das erste Rennen meines Bruder verpassen", sagte der 26-Jährige und schaute wieder und wieder auf die Uhr. (DATENCENTER: Rennkalender)

Auf den letzten Drücker erreichte Hamilton die Rennstrecke in Brands Hatch, und was er sah, bewegte ihn zutiefst.

Sein Bruder saß nicht nur in einem Rennwagen, er nahm an einem richtigen Rennen teil. Der kleine Nicolas, der wegen zerebraler Kinderlähmung gehbehindert ist.

Der dem berühmten Lewis - obwohl nur dessen Halbbruder - mit Ausnahme der volleren Gesichtszüge zum Verwechseln ähnlich sieht. Und dessen Karriere als Rennfahrer nach dem ersten Versuch eigentlich schon beendet war.

Unfall beim ersten Versuch

Sieben Jahre alt war Nicolas, als er erstmals in ein Kart stieg. Doch die Lähmung der Beine war ein größeres Problem, als er es sich selbst eingestehen wollte.

Der erste Ausflug endete mit einem schmerzhaften Unfall, und Nicolas brauchte acht weitere Jahre, um sich zu einem erneuten Versuch durchzuringen.

Starkes Debüt

Vor vier Jahren war das, und der sieben Jahre ältere Bruder war gerade auf dem Weg zum Superstar.

Da siegte bei Nicolas der Ehrgeiz über die Angst. Er stieg wieder ins Kart mit dem verbissen Vorhaben, es sich, dem eigenen Körper und der ganzen Welt zu beweisen.

Bei seinen ersten beiden Rennen am Sonntag in Brands Hatch wurde der 19-Jährige jeweils Zwölfter und damit Letzter im britischen Renault-Clio-Cup.

Doch der Abstand zur Spitze war erstaunlich gering. Ohnehin waren Zahlen und Platzierungen an diesem Tag absolut zweitrangig.

Lob von Lewis

"Ich bin unglaublich stolz auf meinen kleinen Bruder. Er hat sich das Herz aus der Seele gefahren", sagte Lewis: "Es war ein großartiger Tag. Dafür hat es sich ohne Frage gelohnt, so weit zu fliegen."

Dabei klingt es zunächst wenig professionell, zwischen den ersten beiden Saisonrennen in Australien und Malaysia einen Zwischenstopp in Europa einzulegen.

Doch für Lewis Hamilton war es Ehrensache, und sein Team McLaren wusste, dass es keinen Sinn haben würde, den hinter Weltmeister Sebastian Vettel Zweitplatzierten des Auftaktrennens von der Reise ans andere Ende der Welt abzuhalten.

Enges Verhältnis

Denn die Hamilton-Brüder haben ein ganz besonders enges Verhältnis.

Die Umstände sorgen dafür, dass sich die beiden gegenseitig als Vorbild sehen. Lewis nannte zum Beispiel nicht Ayrton Senna, als er nach seinem Idol gefragt wurde, nicht Michael Schumacher und auch nicht Nigel Mansell, sondern stets Nicolas.

"Weil er meist so fröhlich ist und sich über meine Pokale freut." Dass er eine Inspiration für seinen Bruder sei, bedeute ihm viel, sagte der jüngere Hamilton im Gegenzug: "Aber ich schaue auch zu ihm auf."

Stolzer Papa

Nach seinem ersten eigenen Rennen freute sich der Teenager mit der Nummer 28 ausgelassen.

"Ich habe jede Minute genossen", sagte er tief bewegt: "Ich habe das Auto vorher nur sechsmal getestet, und nun bin ich ein Rennen gefahren. Und es war toll, dass meine Familie da war, vor allem mein Bruder."

Und Vater Anthony Hamilton platzte fast vor Stolz. "Noch vor vier Monaten hätte ich nie gedacht, dass Nic einmal alleine ein Rennen fahren wird", sagte er.

Auch für Lewis war dies so unglaublich, dass er dafür um die halbe Welt reiste.

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