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Norbert Haug ist seit 1990 Motorsport-Chef bei Mercedes Benz © imago

Trotz des verpatzten Saisonauftakts der Silberpfeile verzichtet Norbert Haug auf Panikmache. Auf Rosberg hält er große Stücke.

Von Olaf Mehlhose

München - Durchhalteparolen statt großer Worte.

Nach dem verpatzten Saisonauftakt gäbe es für das mit großen Ambitionen gestartete Mercedes-Team genügend Gründe in Aktionismus zu verfallen. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

Doch Motorsport-Chef Norbert Haug hält trotz des Doppelausfalls von Melbourne nichts von Panikmache oder Schwarzmalerei.

Stattdessen setzt Mercedes auf harte Arbeit, um den in Australien immensen Rückstand auf die Spitze wettzumachen. (DATENCENTER: Der Rennkalender)

"All unsere Techniker in Brackley und Brixworth haben seither methodisch und konzentriert gearbeitet - das Licht ging dabei selten aus", sagte Haug der "dpa".

Keine Kampfansage

Allerdings verzichtete der 58-Jährige darauf, für den Grand Prix von Malaysia (Training, Fr., ab 7 Uhr im TV auf SPORT1) den großen Befreiungsschlag anzukündigen.

Haug: "Wir wollen uns steigern. Das muss aber durch Leistung auf der Strecke passieren und nicht durch ankündigende Worte. In der Formel 1 ist's dabei kein Haar anders als im Fußball: Wichtig ist auf dem Platz."

Der Motorsport-Direktor bestätigte, dass es weiterhin das erklärte Ziel sei, Siege einzufahren: "Wir müssen zeigen, wo wir stehen - wie gesagt. Dies anzukündigen war nie der von uns eingeschlagene Weg. Wir wollen mit unserem eigenen, jungen Team Schritt für Schritt wieder dahin, wo wir mit unseren Partnerteams schon waren."

"Druck ist das Grundnahrungsmittel"

Gestiegen sei der Druck auf Mercedes GP trotz des desolaten Saisonstarts nicht.

"Druck ist quasi das Grundnahrungsmittel der Formel-1-Aktiven. Der Erste hat ihn, um von der Pole-Position aus zu siegen; der Letzte, um sich für das Rennen zu qualifizieren. Und der in der Mitte, um Plätze nach vorne gutzumachen", erläuterte Haug: "Wer Druck nicht mag, mag die Formel 1 nicht."

Lob für Rosberg

Dass Nico Rosberg im Qualifying erneut die Oberhand über Michael Schumacher behielt, nahm Haug zur Kenntnis. Von einer sich anbahnenden Dominanz des 25-Jährigen über den siebenmaligen Weltmeister wollte er aber nicht sprechen.

Dennoch war aus seinen Worten eine deutliche Wertschätzung für die Leistung von Rosberg herauszulesen: "Nico und Michael waren beim Testen ziemlich ausgeglichen. Nico muss sich vor keinem Fahrer im Feld verstecken und könnte nach meiner Einschätzung eine ernstzunehmende Messlatte für alle Konkurrenten sein. Er wäre nach meinem Gefühl bei einem solchen Vergleich ganz vorne dabei."

Aber Schumi hat Haug ebenso auf der Rechnung: "Michael hat in Melbourne wieder einmal weniger als eine Zehntelsekunde gefehlt, um in die Top Ten zu kommen - Hopp oder Top liegen zwischen den Qualifying-Sitzungen 2 und 3 meist marginal beieinander."

Danner zweifelt an Schumi

TV-Experte Christian Danner sieht Schumachers Zukunftsaussichten bei "Auto Bild Motorsport" dagegen weniger rosig: "Ich habe immer gesagt, Rosberg macht Schumi wieder platt. Das war im vergangenen Jahr so, weshalb sollte sich das ändern?"

Einen Leistungssprung Schumachers erwarte er trotz der neuen Pirelli-Reifen und der längeren Entwicklungszeit nicht.

"2011 sollte alles besser werden, aber erstens ist Michael nicht schneller und zweitens ist das Auto nicht besser, obwohl er mehr Einfluss auf die Entwicklung hatte", sagte der ehemalige Formel-1-Fahrer: "Da könnte leicht der Verdacht aufkeimen, dass das 2010 alles nur Ausreden waren."

"Es wird heiß hergehen"

Im Gegensatz zu seiner Zeit bei Ferrari müsse sich Schumi nun damit abfinden, dass er bei Mercedes einen gleichberechtigten Partner im Team habe.

"Das Ferrari-System mit der vollen Konzentration auf Michael und einer speziellen Reifen-Entwicklung nur nach seinen Wünschen hat uns Glauben gemacht, der Mann kann über Wasser gehen. Das kann aber niemand", erklärte Danner.

Doch Haug setzt ohnehin nicht auf übernatürliche Fähigkeiten, genauso wenig wie auf große Worte: "Keine Ansagen - wie immer. Aber es wird heiß hergehen beim Grand Prix Malaysia am Wochenende. Für alle, nicht nur für uns."

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