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Michael Schumacher ist mit 42 Jahren der älteste Fahrer im Feld © getty

Von wegen Befreiungsschlag: Mercedes GP verpokert sich in Malaysia und kämpft mit einem "ganzen Sack von Aufgaben".

Kuala Lumpur - Michael Schumacher war sichtlich um gute Miene zum bösen Spiel bemüht.

"Fakt ist: Wir sind nicht da, wo wir hin wollen", sagte der Kerpener nach Platz neun beim Großen Preis von Malaysia (Rennbericht).

Der Rekord-Weltmeister musste sich beim zweiten WM-Lauf der Saison sogar von zwei Konkurrenten gleichzeitig überholen lassen und rutschte teilweise hilflos über die Strecke, Nico Rosbergs Rennen war nach schwachem Start schon früh gelaufen.

Der erhoffte Befreiungsschlag blieb aus, die Silberpfeile von Mercedes fliegen der Konkurrenz weiter hinterher (DATENCENTER: Ergebnis).

Niederlage im Reifenpoker

"Die Plätze neun und zwölf sind nicht das, was wir wollen", gab auch Mercedes-Sportchef Norbert Haug zu und räumte ein, dass man im Rennen sogar ein bisschen gepokert habe.

"Wir haben auf Regen spekuliert, das war schon ein Gambling. Unsere Chance bestand darin, vielleicht einen Stopp zu sparen. Dafür haben wir den Preis bezahlt", sagte Haug.

Schumacher wartete zu lange mit einem Reifenwechsel und war mit massiv nachlassender Haftung zeitweise hilflos den Attacken einiger Konkurrenten ausgesetzt (377317Bilder des Rennens).

Baustellen noch und nöcher

Anders als Motorenkunde McLaren, der sich nach enttäuschenden Testfahrten innerhalb weniger Wochen zum einzigen ernsthaften Red-Bull-Rivalen gemausert hat, kämpft Mercedes mit einem "ganzen Sack von Aufgaben" (Haug).

Beim Auftakt in Melbourne streikte das Energierückgewinnungssystem KERS und verhinderte eine saubere Abstimmung, in Kuala Lumpur streikte zeitweise der verstellbare Heckflügel, zudem war der Reifenverschleiß zunächst viel zu hoch.

Haug sieht Stabilisierung

Wenigstens habe man einen Teil der Probleme für das Rennen in den Griff bekommen, sagte Haug, der von einer Stabilisierung und einer Basis sprach, die man sich jetzt geschaffen habe.

Fakt ist laut Schumacher aber auch, "dass wir eine ganze Ecke zu langsam sind. Im Qualifying können wir eine Runde auf Ferrari-Niveau fahren, aber sobald Benzin ins Auto kommt, verlieren wir sofort viel Zeit auf die anderen. Daran müssen wir arbeiten."

Schumi hofft auf schnelle Lösungen

Der siebenmalige Weltmeister hofft, "dass die Problembewältigung schnell erfolgt", denn nicht nur Schumacher weiß, dass sich ansonsten der Rückstand zur Spitze mittelfristig noch weiter vergrößern könnte.

"Schade, dass uns dadurch kaum Zeit für die Entwicklungsarbeit bleibt", sagte der Kerpener, der sich aber kämpferisch gibt: "Nur durch Arbeit und viel Willen können wir es schaffen. Den Kopf in den Sand zu stecken, hilft uns nicht weiter."

McLaren als Vorbild

Haug traut dem Team, das 2009 noch unter dem Namen Brawn GP immerhin beide WM-Titel gewann, allerdings die Kehrtwende zu und nimmt sich Ex-Partner McLaren zum Vorbild.

"Sie haben einen großen Schritt in kurzer Zeit gemacht. Wie man dort sieht, ist das möglich", sagte Haug, der aber weiß, dass man "doppelte Aufgaben lösen muss", da auch die Konkurrenz ihre Autos weiterentwickelt.

Die ersten beiden WM-Punkte seien aber eine kleine Belohnung für das Team, dem Haug voll vertraut: "Wenn man während eines Rennwochenendes Probleme abstellt, zeigt das, dass die Kompetenz da ist."

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