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Martin Whitmarsh (r.) und Christian Horner liefern sich seit langem ein Verbalduell © getty

McLaren-Teamchef Whitmarsh entfacht den Traditionsstreit mit Red Bull neu. Hamiltons Verbleib soll so gut wie geklärt sein.

Von Julian Meißner

München - Der "Dosen-Krieg" geht in die nächste Runde.

Im Streit um Tradition, Image und Historie fliegen die Giftpfeile zwischen den beiden Branchenführern McLaren und Red Bull schon seit Saisonbeginn munter hin und her.

Nun erlaubte es sich McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh, eine neuerliche Breitseite gegen Red Bull abzufeuern.

"Wir konzentrieren uns auf den Titelgewinn - in diesem Jahr, im nächsten Jahr, in fünf und in zehn Jahren. Motorsport ist unser Kerngeschäft", erläuterte der Brite in der "Daily Mail" zunächst die Vorzüge seiner Crew und schloss sogar den ewigen Rivalen in das Eigenlob mit ein: "Ferrari kann das auch von sich behaupten."

Dann ging Whitmarsh zur Attacke über: "Andere Teams verkaufen Konsumgüter, Autos oder Getränke mit hohem Koffeingehalt."

Formel 1 seit 2005

Eine deutliche Spitze gegen Red Bull Racing, die Crew mit dem juvenilen Energy-Image, die erst seit der Saison 2005 mit einem eigenen Team in der Formel 1 aktiv ist.

Damals hatte Konzernchef Dietrich Mateschitz das Jaguar-Team übernommen. Innerhalb von nur sechs Jahren brachten es die "Bullen" dann dank großzügiger Finanzmittel 2010 und kluger Personalpolitik zu den ersten beiden Weltmeistertiteln in Fahrer- und Teamwertung.

Ferrari führt Rangliste an

"Ich kritisiere sie nicht", meinte Whitmarsh zwar, fügte jedoch an: "Aber können sie von sich behaupten, dass sie langfristig in der Formel 1 sind?"

Während Ferrari als Spitzenreiter 815 Formel-1-Starts und McLaren als Zweiter der Rangliste 687 Starts vorzuweisen haben, liegt Red Bull mit 110 Starts zwischen Alfa Romeo und Shadow auf Platz 23.

"Getränkefirma" als Stein des Anstoßes

Den ersten Stein in der nun schon wochenlang andauernden Fehde hatte Lewis Hamilton geworfen, als er Red Bull kurz vor dem Saisonauftakt als "Getränkefirma" verspottete.

Der Konter der Gegenseite ließ nicht lange auf sich warten. Red-Bull-Teamchef Christian Horner meinte, man könne schon stolz darauf sein, dass man als "einfache Getränkefirma einen Hersteller mit den Möglichkeiten von McLaren" geschlagen habe.

Besonders interessant waren freilich die Äußerungen Hamiltons, da der Champion von 2008 wiederholt für das zweite Red-Bull-Cockpit neben Sebastian Vettel ab 2012 ins Spiel gebracht wird.

"Hamilton will bleiben"

Whitmarsh ist jedoch zuversichtlich, dass Hamilton, der bei McLaren schon das Junior-Programm durchlief, dem Traditionsrennstall die Treue hält.

"Lewis hat mir klargemacht, dass er in unserem Team bleiben will", sagte er: "Und ich habe ihm versichert, dass ich ihn behalten will." Hamilton habe noch eine lange Karriere vor sich, so Whitmarsh: "Ich denke, er ist intelligent genug, um zu realisieren, dass sein Umfeld hier gut für ihn ist und seine Stärken hervorbringt."

Was die Verhandlungen angeht, ist laut Whitmarsh keine Eile geboten. "An einem gewissen Punkt müssen wir das natürlich vertraglich festhalten. Ich glaube aber trotz des Medieninteresses nicht, dass wir in drei oder sechs Monaten einen Vertrag schließen müssen. Ich vertraue ihm, und er vertraut mir."

"Wir werden sie schlagen"

Ganz so edelmütig geht es bekanntlich zwischen den Teams McLaren und Red Bull schon eine ganze Weile nicht mehr zu.

Und da Ferrari, McLarens alter Erzrivale, mangels Form als Zielscheibe derzeit ausfällt, richtete Whitmarsh abschließend eine Kampfansage in Richtung des neuen Lieblingsgegners: "Red Bull ist stark. Aber wir haben sie geschlagen, und wir werden sie wieder schlagen."

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