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Nico Rosberg begann seine Formel-1-Karriere 2006 beim Williams-Team © imago

Mercedes GP wähnt sich im Aufwind: Der Rennstall habe in China einen Schritt nach vorne gemacht, meint Motorsportchef Haug.

Von Marc Ellerich

München - Der China-Grand-Prix endete für Mercedes GP wie die beiden anderen Grands Prix davor: mit tiefer Enttäuschung.

Besonders Nico Rosberg, der das Ziel auf dem "Shanghai International Circuit" immerhin als Fünfter passiert hatte, war am Boden zerstört. "Ich war völlig fertig. Mir war zum Heulen zumute. Nur Fünfter statt Erster", erläuterte er später. (Tankpanne: Rosberg stocksauer)

Weil der Stuttgarter Rennstall die Spritmenge falsch berechnet hatte, musste Rosberg im Finale des dritten Saisonrennens langsamer fahren - und fühlte sich anschließend um eine große Chance gebracht.

Haug: Rundenzeiten unter den Top drei

Doch längst ist die Frustration bei der mit hohen Ambitionen in die Saison gestarteten Silber-Crew einem ganz anderen Gefühl gewichen: Erleichterung und ehrlicher Freude.

Bei Mercedes glaubt man, nach den zwei desaströsen Rennen in Australien und in Malaysia den Anschluss wieder gefunden zu haben. "In China waren wir von unseren Rundenzeiten - und zwar mit beiden Fahrzeugen - so unterwegs, dass wir auf jeden Fall unter den Top drei der Teams waren", urteilte Motorsportchef Norbert Haug laut "Motorsport-Total.com".

Nicht durch Zufall habe Rosberg in Schanghai zwei Mal die Führung übernommen. "Das war schon eine stabile und akzeptable Leistung, wenn auch der krönende Abschluss Podium gefehlt hat", so Haug weiter.

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"Es wird weitere Rückschläge geben"

Was den erfahrenen Funktionär am meisten freut. Mercedes war in China in der Lage, das Tempo der Besten mitzugehen. "Den Schlüssel zur Geschwindigkeit zu finden, ist am wichtigsten", sagte er "autosport.com"

Spekulationen, dies habe an der zu gering bemessenen Benzinmenge gelegen, ließ Haug gar nicht erst gelten. "Das Tempo ist da. Die Leistung in China war echt."

Ob der silberne Aufschwung ein anhaltender ist, weiß der Schwabe allerdings nicht. "Ich kann nicht versprechen, dass wir dasselbe auch in der Türkei machen werden", meinte Haug: "Es wird weitere Rückschläge geben."

Flügel-Probleme im Griff

Doch immerhin habe Mercedes "jetzt ein besseres Verständnis für das Auto" bekommen. Teamchef Ross Brawn und seine Ingenieure gingen anders an ein Rennwochenende heran.

Ein Faktor seien die Reifen. "Man kann die Reifen freitags mit viel Sprit an Bord leicht zerstören", analysierte Haug. Sei das Auto jedoch gut ausbalanciert, könne man es sich erlauben, mit schwerer Benzinlast unterwegs zu sein. "Das hat uns Vertrauen gegeben."

Auch die Probleme mit dem verstellbaren Heckflügel DRS, die Rosberg und Rekord-Weltmeister Michael Schumacher zuvor immer wieder aus der Spur warfen, habe man mittlerweile weitgehend im Griff. Haug: "Unser System ist clever, wenn es funktioniert. In China haben wir dafür gesorgt, dass es funktioniert."

Turnaround binnen einer Woche?

Der Mercedes-Verantwortliche lobte sein Team für die gelungene Kehrtwende in der einen Woche zwischen Malaysia- und China-GP: "Wer diesen Turnaround innerhalb einer Woche schaffen kann. Das spricht für die Klasse dieses Teams."

Und letztlich bleibt er ganz realistischer Schwabe, der er ist, wenn er den Spatz in der Hand der Taube auf dem Dach vorzieht: "Ich habe lieber einen fünften Platz mit dem Tempo für einen zweiten oder dritten Rang, als einen dritten Platz, der nur geerbt ist. Selbst, wenn ich den natürlich auch nehmen würde."

Nico Rosberg übrigens ist längst auf die Linie seines Chefs eingeschwenkt. "Das Auto hat für mich jetzt Siegpotenzial", urteilte er jüngst. Überschwänglich wurde er - ähnlich wie Haug - nicht. (Rosberg hat Tank-Panne verdaut)

Noch fehlt zuviel Zeit auf Red Bull, die Referenzgröße vor allem im Qualifying. "Aber hoffentlich steigern wir uns weiter."

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