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Sebastian Vettel fährt seit 2009 für das österreichische Team Red Bull Racing © getty

Trotz überzeugenden Ergebnissen funktioniert das System bisher kaum. Verliert Weltmeister Sebastian Vettel irgendwann die Nerven?

Von Annette Bachert

München - Drei Pole-Positions, zwei Siege, ein zweiter Platz und ein dritter Platz - und das alles in nur drei Rennen.

Man sollte meinen, bei Red Bull herrscht seit dem Saisonauftakt in Melbourne ausgelassene Party-Stimmung.

Doch ganz so rosig sieht es beim Team um Weltmeister Sebastian Vettel nicht aus.

Die Konkurrenz, vor allem McLaren, rückt immer näher und die Probleme mit dem Energierückgewinnungs-System KERS bekommen Technikchef Andrew Newey und seine Crew nicht in den Griff.

Sowohl bei Vettel als auch bei Teamkollege Mark Webber hatte das System in den ersten drei Rennen nur teilweise bis gar nicht funktioniert (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Das sind "Alarmzeichen"

Bei Formel-1-Legende Niki Lauda läuten deshalb bereits die Alarmglocken.

"Red Bull muss aufpassen, dass sich die Probleme nicht ausbreiten. Webber hatte - schon vorher und auch in China wieder - massiv zu kämpfen, war dadurch in der Quali völlig von der Rolle. Und Vettel war im Rennen gehandicapt. KERS hat wieder mal nicht funktioniert", so Lauda.

Und weiter: "Solche Dinge sind Alarmzeichen und sollten bis Istanbul schleunigst behoben werden."

Keine Selbstverständlichkeit

Etwas weniger besorgt sieht es dagegen Sebastian Vettel, der die 82 Extra-PS in Schanghai gut hätte gebrauchen können, um auch den dritten Sieg in Folge einzufahren und nicht Lewis Hamilton zu überlassen:

"Unser Auto sollte stark sein, aber wir müssen unsere Konkurrenz natürlich respektieren und dürfen nichts als selbstverständlich ansehen. Jeder gibt alles, aber wir tun das auch, um unsere Stärken zu behalten." (BERICHT: Hamilton bricht Vettels Serie)

Inwieweit das über die drei Wochen Rennpause funktioniert hat, wird sich beim Großen Preis in der Türkei (6. bis 8. Mai) zeigen.

Vettel stark umworben

Für Red Bull geht es dabei nicht nur darum, künftig mit einem funktionierenden KERS an den Start zu gehen, sondern dem Weltmeister auf Dauer ein brauchbares Gesamtpaket zu bieten.

Denn auch wenn Vettel erst kürzlich seinen Vertrag bis 2014 verlängert hat, "gibt es wahrscheinlich kein Topteam, von dem Sebastian nicht schon ein Angebot erhalten hat". Das denkt zumindest Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz.

[kaltura id="0_94lj98z0" class="full_size" title="Rosberg am Steuer"]

Mateschitz: Würden ihn gehen lassen

Und dass ein vorzeitiger Wechsel immer möglich ist, kolportierte der 67-Jährige zuletzt selbst und bestätigte damit die Ausstiegsklausel im neuen Vertrag: "Diese Regel gibt es zwar formal, aber wäre kaum nötig."

Gleichzeitig stellte er aber klar: "Wenn wir Sebastian kein wettbewerbsfähiges Auto geben können und er trotz seines Vertrages darum bitten würde ihn gehen zu lassen, kann ich mir nicht vorstellen, dass wir dieser Bitte nicht folgen würden."

Marko braucht Sicherheiten

Red Bulls mächtiger Berater Helmut Marko hat sich nun ebenfalls zu dieser Thematik geäußert und möglichen Interessenten eine Absage erteilt:

"Seine Äußerung muss man also über einen Zeitraum von ein, zwei Saisons sehen. Dass man spontan aussteigen kann, ist in der Philosophie zwar durchaus vorhanden. Aber bei so einer Organisation, die doch einiges an Geld investiert, da braucht man schon gewisse Sicherheiten."

Im Klartext heißt das: Vettel kann diese leistungsbezogene Klausel ziehen, allerdings nur wenn Red Bull aus einem anhaltenden Formtief nicht mehr heraus kommt.

"Jeder kann mal Schwächen haben"

Und das ist laut Marko ziemlich unwahrscheinlich: "Wenn wir Sebastian kein siegfähiges Auto hingestellt hätten und er nicht wüsste, dass wir das mit unserer Aufstellung bis 2014 auch weiterhin können, hätte er sich nicht für uns entschieden."

Wegreden wollte der 68-Jährige die Probleme bei "autobild motosport" dennoch nicht: "Jeder kann einmal Schwächen haben."

Wann fließt der Siegerschampus?

Teamchef Christian Horner ist aber zuversichtlich, dass die KERS-Schwäche schon bald in eine weitere Red-Bull-Stärke umgewandelt wird: "Adrian Newey wäre nicht Adrian Newey, wenn er ein normales KERS bauen würde. Wir werden eine weitere Verbesserung in der Türkei präsentieren."

Auch Vettel selbst glaubt fest an sein Team und fährt voller Vorfreude nach Istanbul: "Mir gefällt der Kurs in Istanbul. Er besteht aus allen Kurvenarten, aus langsamen und schnellen, sowie Kurve acht. Es ist eine unglaubliche Kurve. Wir versuchen jedes Jahr, sie voll zu durchfahren."

Es wird sich zeigen, ob das diesmal klappt und die Red-Bull-Boliden dann auf den Geraden dank KERS noch schneller sind - und ob der Siegerschampus wieder literweise fließt.

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