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Lewis Hamilton begann 1993 als Achtjähriger seine Karriere im Kart © getty

McLaren sieht sich vor dem Türkei-GP nicht gleichauf mit Red Bull. Dennoch will man den Rivalen nicht kopieren.

Von Marc Ellerich

München - Die Aufholjagd, die McLaren im bisherigen Saisonverlauf hingelegt hat, sucht in der modernen Formel 1 ihresgleichen.

Binnen drei Grands Prix entwickelte sich das englische Vorzeige-Team vom schwachbrüstigen Wackelkandidaten der Wintertests zum gefeierten Sieger-Rennstall.

Vor der Osterpause bejubelten Lewis Hamilton und seine Chrom-Crew in Schanghai den ersten McLaren-Sieg des Jahres, Jenson Button wurde hinter Weltmeister Sebastian Vettel und dessen Red-Bull-Kollegen Mark Webber Vierter. ("Hamilton beendet Vettels Diktatur")

Dennoch sieht sich das englische Team nach wie vor nicht auf Augenhöhe mit dem Konkurrenten - vor allem im Qualifying mussten sich beide Piloten dem überragenden Vettel bei allen drei Grands Prix geschlagen geben.

Rückstand bis zu einer halben Sekunde

"Wir haben im Moment nicht das schnellste Auto", sagte McLarens leitender Renningenieur Phil Prew englischen Journalisten. Red Bull ist immer noch das Team, das wir einzuholen versuchen." (Nächste Giftpfeile gegen Vettels "Koffein-Crew")

Der Vorsprung des Konkurrenten schwanke während des Qualifyings zwischen 0,3 und einer halben Sekunde.

Wie dieser Vorsprung wettgemacht werden könne? Prew und seine Mitarbeiter haben sich darüber selbstverständlich den Kopf zerbrochen. Die Antwort fiel erst einmal recht allgemein aus: "Wir wollen die Leistung unseres Autos im Ganzen verbessern, sowohl im Qualifying als auch im Rennen", sagte er.

[kaltura id="0_sln7p87s" class="full_size" title="Streckenvorstellung T rkei Grand Prix"]

"Wollen Lücke schließen"

Ein Ansatz seien die Reifen, der andere die Führung der Abgase unter dem Auto. Prew: "Der Abtrieb wird durch die Auspuff-Führung hochgradig beeinflusst."

Hier könnte ein Vorteil des Red-Bull-Konkurrenten liegen, weil dieser dank eine extremen Auspuff-Lösung im Qualifying mehr Bodenhaftung erzeugen könne, sinnierte Prew.

Er kündigte McLarens Hoffnung an, den Abstand auf den Rivalen in der Türkei weiter zu reduzieren. "Natürlich wollen wir die Lücke weiter schließen", sagte er: "Wir werden in der Türkei Updates ans Auto bringen, die uns hoffentlich dabei helfen werden."

Horners Gedankenspiele

In einem jedoch will sich das Team den österreichisch-englischen Widersacher keinesfalls zum Vorbild nehmen: Zuletzt hatte Red Bulls Teamchef Christian Horner darüber spekuliert, den ersten Startplatz unter Umständen zu opfern, um anschließend im Rennen mehr Sätze der schnelleren, weichen Reifen einsetzen zu können." (Neue Red-Bull-Strategie: Besser ohne Pole?)

Hintergrund dieser Gedankenspiele war die spektakuläre Aufholjagd Webbers, der in China vom 18. Startplatz bis aufs Podium gestürmt war.

McLaren-Stratege Prew wollte von einer Nachahmung dieser Taktik, über die auch Ferrari öffentlich nachgedacht hatte, nichts wissen. "Unsere Haltung wird es immer sein, die Qualifying-Platzierung frischen Reifen im Rennen vorzuziehen. Ich glaube nicht, dass es richtig ist, in Q3 nicht um die beste Position zu kämpfen, nur um Reifen zu sparen."

Stratege rechnet mit drei Stopps

In der Türkei rechnet Prew, der auch davor warnte, Ferrari als Konkurrenten außer Acht zu lassen, mit einer Drei-Stopp-Strategie.

Die Reifen-Abnutzung werde in Istanbul eine bedeutende Rolle spielen, meinte der Experte, und natürlich läge ein Vorteil darin, neue Pneus zur Verfügung zu haben.

Dennoch: "Die Stärke des Feldes wird dich dazu zwingen, im Qualifying auch den allerletzten frischen Reifensatz zu verwenden."

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