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Fernando Alonso (l.) fuhr in seiner bisherigen Karriere 26 Grand-Prix-Siegen © getty

Nach Platz drei in istanbul wünscht sich der Spanier mehr Risiko beim Design. Seinem Teamchef gibt er eine verbale Ohrfeige

Von Olaf Mehlhose

München - Der Aufschwung kam beinahe unerwartet.

Mit seinem dritten Platz beim Grand Prix der Türkei hat Fernando Alonso Ferrari zur ersten Podiumsplatzierung seit sechs Monaten verholfen. (DATENCENTER: WM-Stand)

Gleichzeitig hat er das Team aus Maranello nach dem verkorksten Saisonstart wieder mit neuem Selbstbewusstsein ausgestattet.

Beim italienischen Rennstall wächst die Zuversicht, die Kehrtwende schaffen zu können und im Kampf um den Titel ein Wörtchen mitzureden.

Wo steht Ferrari?

Der genaue Leistungsstand von Ferrari ist allerdings schwer einzuschätzen.

Entspricht die Leistungsfähigkeit des Autos eher dem dritten Rang Alonsos oder Felipe Massas elften Platz? (Ferrari-Boss schlägt Alarm)

"Fernando war sauschnell", sagte Nico Rosberg - doch ob das Team von Luca di Montezemolo ohne die fahrerische Klasse von Alonso auf dem Podium gelandet wäre, bleibt zu bezweifeln.

"Der erste der Sterblichen"

Teamchef Stefano Domenicali wollte deshalb auch nicht von mehr als von einem Schritt in die "richtige Richtung" sprechen: "Wenn uns ein weiterer gelingt, heißt das, dass wir die Situation verstanden haben."

Der Rückstand zur Spitze sei allerdings noch enorm, erklärte der 45-Jährige: "Wir haben gesehen, dass Red Bull, das zuverlässigste und schnellste Auto hat."

Ähnlich sah es auch die spanische Presse. Für die Sportzeitung "Marca" war Alonso "der Erste der Sterblichen".

Risiko und Innovation

Der 26-malige Grand-Prix-Gewinner hat den Titel trotz eines Rückstands von 53 Punkten auf den WM-Führenden Sebastian Vettel aber noch nicht abgeschrieben: "Wir werden nicht so schnell aufgeben, aber wir sind uns der Schwierigkeit bewusst, diese Weltmeisterschaft noch zu gewinnen."

Allerdings wünscht sich der Spanier, dass die Roten in Zukunft beim Design des Autos mehr wagen.(Alonsos Weckruf: "Müssen aufholen")

"Ich denke, Ferrari muss die Art und Weise, wie wir arbeiten, verändern. Wir müssen mehr riskieren und innovativer sein. Ab jetzt müssen wir damit beginnen, Dinge zu erfinden", forderte der 29-Jährige.

Angriff auf Vettel war möglich

Alonso und auch Domenicali wiesen aber bereits in Istanbul darauf hin, dass ein Angriff auf Vettel durchaus möglich gewesen wäre, wenn der Spanier nicht so lange hinter Rosberg festgesteckt hätte. (Rennbericht)

Ob es sich dabei um Wunschdenken oder eine Tatsache handelt, bleibt Spekulation.

Fakt ist: Der Vize-Weltmeister war als einziger Fahrer im Feld in der Lage, das Tempo der beiden Red-Bull-Piloten mitzugehen. (Mit Red-Bull-Kopie in die Erfolgsspur)

Costa wiegelt ab

Ferrari-Technikchef Aldo Costa ließ jedoch durchblicken, dass es wohl noch Zeit brauche, bis Ferrari wieder ein Kandidat für Platz eins sei.

"In Barcelona werden wir wohl einen weiteren Schritt nach vorne machen, aber wir werden noch ein paar Rennen warten müssen, bevor wir um den Sieg kämpfen können", erklärte er.

Alonso wirbt für Briatore

Zudem tauchten bei Ferrari zuletzt jenseits der Strecke einige Nebenkriegsschauplätze auf.

Zum einem hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Flavio Briatore, der nach der Crashgate-Affäre 2007 aus der Formel 1 ausgeschlossen wurde, ein Comeback bei den Roten feiern könnte.

Alonso zumindest würde eine Rückkehr seines ehemaligen Ziehvaters begrüßen: "Mir würde es gefallen, wenn Flavio zurückkommt. Alle vermissen ihn. Er ist eine einzigartige Person und sorgt für mehr Unterhaltung und mehr Spaß, er würde die Formel 1 weniger ernst machen."

Er gehe jedoch nicht davon aus, dass Briatore bei Ferrari so einschlagen würde wie Jose Mourinho bei Real Madrid: "Er ist ein einzigartiger Charakter, aber es wäre nicht wie mit Mou. Er ist viel ruhiger."

Streit um Motoren

Andrerseits kämpft der Traditions-Rennstall nach Angaben von "Motorsport Aktuell" gegen den von der FIA geplanten Wechsel von V8 auf V4-Motoren.

Ferrari ist dagegen, weil ein neuer Motor das Team nach Angaben von Präsident die Montezemolo vier Mal so viel kosten würde wie der bisherige. (Roter Rundumschlag)

Unter diesem Gesichtspunkt verwundert es dann auch nicht, dass sich Ferrari-Eigner Fiat zusammen mit Rupert Murdoch darum bemüht, die Kontrolle über die Formel 1 zu übernehmen.

Aber vielleicht würden die Roten im Moment besser daran tun, sich nicht zu sehr mit der Zukunft, sondern vor allem mit der Gegenwart zu beschäftigen.

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