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Lewis Hamilton liegt als WM-Zweiter derzeit 13 Punkte vor Button © getty

Beim Rennstall aus Woking liegen die Nerven blank. Der Teamchef knöpft sich Lewis Hamilton vor. Jenson Button rastet aus.

Von Tobias Wiltschek

München - Die gute Stimmung bei McLaren-Mercedes ist erst einmal wieder vorbei.

Hatte man nach dem Sieg von Lewis Hamilton in Schanghai noch gehofft, Red Bull gefährden zu können, herrscht nun bittere Enttäuschung. (DATENCENTER: WM-Stand)

Der Grund ist der in allen Belangen verpatzte Grand Prix der Türkei. "Das war das schlimmste Rennen der Saison", ärgerte sich Teamchef Martin Whitmarsh. (399559DIASHOW: Die Bilder aus Istanbul)

Whitmarsh sauer auf Hamilton

Besonders Hamiltons aggressive Fahrweise trieb dem 53-Jährigen die Zornesröte ins Gesicht. "Die Reifen sind so empfindlich", sagte Whitmarsh. "Die zerstört man sich, wenn man so hart mit den Konkurrenten und dem eigenen Teamkollegen um die Plätze streitet."

In einem so wichtigen Rennen dürfe er das nicht machen, wandte sich der Teamchef an den Weltmeister von 2008. Der hatte in Istanbul schon in der ersten Runde vergeblich versucht, Red-Bull-Pilot Mark Webber zu überholen.

Anschließend lieferte sich Hamilton ein aufreibendes Duell mit seinem Teamgefährten Jenson Button und trug weiter zum frühen Verschleiß seiner Pirelli-Pneus bei.

"Das war mein Fehler"

"Ich war zu ungeduldig. Das war mein Fehler", gab sich der Beschuldigte nach dem Rennen überraschend kleinlaut. Denn nach dem Qualifying hatte er noch die Taktik seines Teams kritisiert.

Dazu verpatzte sein Team auch noch einen Boxenstopp. Eine klemmende Radmutter kostete ihm 15 Sekunden. (Rennbericht)

Mit Platz vier konnte der Brite am Ende lediglich Schadensbegrenzung betreiben.

Reifen bauen stark ab

Noch schlechter lief es für seinen Landsmann und Teamkollegen: Jenson Button sparte sich zwar im Gegensatz zu seinen Konkurrenten einen Boxenstopp, fiel aber in der Schlussphase des Rennens wegen stark abbauender Reifen bis auf Platz sechs zurück.

Entsprechend genervt reagierte der Weltmeister von 2009, als er auf den wachsenden Rückstand zu Sebastian Vettel angesprochen wurde.

Wutausbruch von Button

"Ich verstehe nicht, was es bringen soll, jetzt zu sagen, dass uns alles entgleitet", motzte Button. "Wenn wir das sagen, dann können wir verdammt noch mal gleich nachhause gehen."

Dieser Wutausbruch des ansonsten ruhigen Zeitgenossen aus Somerset ist der eindeutige Beleg dafür, dass die Stimmung bei McLaren dezeit sehr angespannt ist.

Mit 93 Punkten hat WM-Spitzenreiter Vettel bereits jetzt mehr als doppelt so viele Punkte wie Button (46).

In Istanbul fuhren aber nicht nur die "Roten Bullen", sondern auch Fernando Alonso den beiden britischen Piloten voraus ? und aufs Podest. (Alonso fordert mehr Mut)

Updates können nicht eingesetzt werden

Dass Hamilton und Button das Podium nur aus der Ferne sahen, lag auch am Entwicklungsrückstand ihres MP4-26. "Wir konnten nicht alle geplanten Updates einsetzen. Deshalb waren wir nicht so schnell, wie wir sein wollten", gab Whitmarsh bei der "BBC" zu.

Noch beträgt der Vorsprung auf Ferrari in der Teamwertung 40 Punkte. Der nächste Grand Prix steigt am 22. Mai in Barcelona.

Sollte McLaren seine vielfältigen Probleme bis dahin nicht in den Griff bekommen, werden beim Team aus Woking wohl auch weiterhin die Nerven blank liegen.

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