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Luca di Montezemolo war bis 2010 Präsident der Teamvereinigung FOTA © getty

Luca di Montezemolo hat drei Alternativen für die Zukunft der Formel 1 parat. Auch in der Fahrerfrage redet der Italiener Klartext.

Von Julian Meißner

München - Ferrari-Boss Luca di Montezemolo hat den Gerüchten über eine Neuordnung der Formel 1 neue Nahrung gegeben.

Bis dato ist die Rennserie in Händen der Investmentgruppe CVC, zuletzt hatten die News Corporation des australischen Medienmoguls Rupert Murdoch sowie die Ferrari nahe stehende Firma Exor Interesse an einer Übernahme angemeldet (Bericht).

"Wir müssen pragmatisch sein. Ende 2012 laufen die Verträge aller Teams mit CVC aus", sagte di Montezemolo in einem Interview mit "CNN".

Für den Italiener gibt es drei alternative Szenarien für die Vermarktung der Königsklasse: "Wir könnten mit CVC verlängern. Theoretisch könnten wir auch unsere eigene Firma gründen."

NBA als Beispiel

Dies hätten schließlich die Basketball-Teams in Amerika "vor vielen Jahren mit großem Erfolg gemacht". Auch für die Formel 1 sei es denkbar, die Rennen und die TV-Rechte in Eigenregie zu verwalten.

Drittens könnte man einen neuen Partner finden, so di Montezemolo.

Ecclestone vor dem Aus?

Das könnten Murdoch und Exor sein. "Wir wollen sehen, ob wir diesen Sport modernisieren, ihm Stabilität verleihen und eine Entwicklung sichern können", hatte Exor-Präsident John Elkann jüngst erklärt.

Damit würde die Ära Bernie Ecclestones ein Ende nehmen. "Ecclestone hat sehr gute Arbeit geleistet, aber er hat das Business schon dreimal verkauft", sagte di Montezemolo: "Er ist also nicht mehr derjenige, dem das Business gehört, daher ist es auch nicht der, der verkaufen wird, sondern CVC."

"Wir sind zu weit gegangen"

Skeptisch beurteilt di Montezemolo die neuen Regeln. KERS, DRS und Pirelli-Reifen hatten zuletzt für turbulente, aber auch schwer zu durchblickende Rennen gesorgt.

"Wir sind mit den künstlichen Elementen zu weit gegangen", kritisierte der Italiener: "Das ist, als würde ich Fußballer dazu zwingen, im Regen Tennisschuhe anzuziehen."

Jobgarantie für Massa

Den Fahrern in seinem Team, Fernando Alonso und Felipe Massa, stärkte di Montezemolo den Rücken.

"Alonso ist sehr, sehr stark, einer der besten Fahrer, die ich in meiner Karriere gesehen habe", so di Montezemolo, der den Spanier noch viele Jahre im roten Renner sehen will: "Ich möchte ihn auf lange Sicht binden."

Auf die Frage, ob Massas Zukunft bei Ferrari sicher sei, antwortete di Montezemolo: "Ja, absolut. Er hat einen Vertrag für dieses und das nächste Jahr. Keine Frage."

Nach schwachen Leistungen war der Brasilianer in die Kritik geraten, Spekulationen über eine vorzeitige Ablösung kamen auf.

Ein Hauch von Selbstkritik

Der durchwachsene Saisonstart der Scuderia veranlasste di Montezemolo auch zu Selbstkritik.

Bei der Entwicklung des F150 Italia sei das Team "ein bisschen zu konservativ" vorgegangen, nun aber "auf dem richtigen Weg".

"Ich habe Vertrauen in meine Leute", sagte di Montezemolo.

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