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Ingenieur Adrian Newey (l.) wechselte 2006 von McLaren zu Red Bull © getty

Hinter den Kulissen des Weltmeisterteams brodelt es. Die Zukunft von Mark Webber spaltet die Fraktionen und sorgt für Unruhe.

Von Barnabas Szöcs

München - Adrian Neweys Konter ließ nicht lange auf sich warten.

Nur wenige Tage nach der Kritik von Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko an Mark Webbers jüngsten Leistungen meldete sich nun der britische Star-Ingenieur aus dem selben Rennstall zu Wort und trat einen teaminternen Machtkampf los.

"Ich hoffe, dass Mark auch nächstes Jahr weitermacht", so Newey über Sebastian Vettels Teamkollegen, dessen Vertrag jedes Jahr neu verhandelt wird: "Abgesehen davon, dass er eine toller Mensch ist, ist sein Beitrag bezeichnend. Von Beginn an ist er für das Team ein Pfeiler."

Newey versus Marko

Mit seiner Rückendeckung für den Australier bezog Newey im Zwist nicht nur Stellung. Der Brite scheint sich von Marko, der als verlängerter Arm von Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz gilt, übergangen zu fühlen und steuert heftig entgegen.

Mit Webber ging der Österreicher vor dem Rennen in Spanien (1. Training, Fr., ab 10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) derweil hart ins Gericht.

"Fakt ist, dass Mark im Prinzip seit Silverstone 2010 drei Zehntelsekunden langsamer als Sebastian ist", wird der Motorsport-Chef der "Bullen" von der "Sport Bild" zitiert: "Zu langsam, um aus eigener Kraft gewinnen zu können. Wenn er aber wie in der Türkei auf hohem Niveau fährt, nimmt er den anderen wichtige Punkte weg."

Großer Rückstand auf Vettel

Der 34-Jährige überzeugte zwar beim letzten Rennen in Istanbul (Bericht) mit einem zweiten Platz hinter dem siegreichen Vettel, liegt aber nach vier Saisonrennen und 55 gesammelten Punkten bereits deutlich hinter dem Weltmeister aus Heppenheim (93 Zähler) zurück (DATENCENTER: WM-Stand).

"Bisher ist der Abstand zwischen Sebastian und Mark größer als vergangenes Jahr", gibt sogar Webber-Fürsprecher Newey offen zu. "Dennoch fährt er keineswegs langsamer als zuvor - das steht fest."

Reifen als Problemfall

Vielmehr sieht Newey die neuen Pneus als Grund, weshalb Webber bislang nicht an seine starken Leistungen aus der vergangenen Saison anknüpfen kann: "Mark hat einfach etwas länger gebraucht, um sich an die Pirelli-Reifen zu gewöhnen, aber die Lücke wird immer kleiner."

Eines ist sicher: Webbers Zukunft spaltet die Lager bei Red Bull.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die österreichisch-deutsche Fraktion um Mateschitz, Marko und Vettel mit dem britischen Teamchef Christian Horner und Pilot Webber uneinig sind, wie die Hierarchie bei den Fahrern aussieht.

Webber macht sich Luft

Beim Grand Prix in Silverstone 2010 musste der Australier mit einem älteren Frontflügel ins Rennen gehen, während Vettel das neue Modell bekam.

Trotzdem holte Webber den Sieg und machte sich anschließend per Funk ordentlich Luft: "Kein schlechter Job für einen Nummer-zwei-Fahrer." Seine Entschuldigung folgte zähneknirschend.

Ein fader Beigeschmack blieb jedoch, da es auch nach dem Silverstone-Eklat hinter den Kulissen von Red Bull mehrfach zu Unstimmigkeiten kam.

Hamilton zu Red Bull?

Zusätzliches Feuer ins Öl goss Marko jüngst mit seiner Aussage, Vettel und McLaren-Pilot Lewis Hamilton wären ein "fantastisches" Gespann.

Somit scheint es weiter völlig unklar, für welches Team Mark Webber 2012 an den Start gehen wird. Selbst der Brite Horner sieht noch keinen Bedarf für Verhandlungen:

"Zum jetzigen Zeitpunkt ist es viel zu früh, um über die Zukunft zu sprechen", meint der Teamchef und weist damit Neweys Wunsch indirekt zurück: "Es wird ein privates Gespräch mit Mark geben. Wenn die Zeit reif ist, werden wir uns zusammensetzen."

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